Montag, 16. Juli 2018

Entfernungsmesser TERRAPIN X von Safran Vectronix


Der Schweizer Premiumanbieter Safran Vectronix ist bekannt für seine hochwertigen Entfernungsmesser der VECTOR-Familie. In 2018 wird mit dem TERRAPIN X erstmals ein bezahlbares Gerät auf dem Privatmarkt angeboten. Akademie 0/500 hatte den TERRAPIN X zwei Monate im Vorabtest. Hier die erste Produktvorstellung


Die VECTOR-Entfernungsmesser sind legendär. Seit mehr als 25 Jahren sind weltweit über 35.000 Stück im Einsatz. Selbst die Bundeswehr beschaffte Mitte der 1990er-Jahre einige VECTOR IV. Die derzeit letzte Entwicklungsstufe aus dem Hause Safran Vectronix ist der VECTOR 23 mit sagenhaften 25 Kilometern Messdistanz und einem Funktionsportfolio, das weltweit seines Gleichen sucht. Die schlechte Nachricht für Privatanwender: Die Anschaffungskosten für einen VECTOR liegen im fünfstelligen Bereich und Vectronix ist spezialisiert auf B2G, beliefert also vorzugsweise nur Regierungen bzw. Behörden.

Der TERRAPIN X vernetzt sich mit einem Kestrel oder einem Smartphone, welches die hauseigene TERRAPIN X Mobile App besitzt


TERRAPIN X
Mit dem kompakten Entfernungsmesser TERRAPIN X führt Vectronix erstmals ein Gerät für den ambitionierten Privatier ins Produktprogramm ein. Gleichzeitig stellt der Terrapin das kleinste Familienmitglied der Vectronix Rangefinder Familie dar und wird mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 2.070 Euro auch bezahlbar sein. Die Messdistanz beträgt elf bis 3.000 Meter. Eine Zielgröße von zwei mal zwei Metern kann bis zu einer Entfernung von 2.000 Metern gemessen werden.
Darüber hinaus vernetzt sich der TERRAPIN X über Bluetooth mit einem Kestrel 5700 Elite bzw. mit der firmeneigenen TERRAPIN X-App auf einem Smartphone.
Dass es Safran Vectronix mit dem Einstieg in den Privatmarkt ernst meint, zeigt sich in darin, dass für den Terrapin eine komplett neue Mannschaft rekrutiert wurde und eine neue Abteilung innerhalb des Unternehmens gegründet wurde.
Die Entwicklungsingenieure des TERRAPIN X wollten so viel militärische Vectronix-DNA wie möglich in das zivile Produkt TERRAPIN X integrieren. Obwohl das Gerät im Vergleich zu einem VECTOR-Entfernungsmesser nicht einmal ein Zehntel kostet, war der Einsatz von Baugruppen aus dem Billigmarkt-Segment für Vectronix keine Option. Alle Einzelteile und Baugruppe genügen höchsten Ansprüchen, wie der Anwender es auch von den Vectronix Produktfamilie gewöhnt ist.
Dazu gehört bspw. eine kleinstmögliche Laserstrahl-Divergenz, die auch zuverlässige Messungen auf weit entfernte kleinere Ziele zulässt. Die optische Qualität des achtfach vergrößernden Entfernungsmessers ist beeindruckend. Das 28-mm-Objektiv bringt ein verzeichnungsfreies, farbechtes und helles Bild. Auch bei schlechten Sichtverhältnissen.
Der Gehäusekörper wird durch den thermoplastischen Kunststoff Ryton geschützt, welcher die Oberfläche außerordentlich robust macht und schockabsorbierende Eigenschaften besitzt.
Über ein ¼“-20 UNC Gewinde kann der TERRAPIN X handelsübliche Stativadapter aufnehmen.

Die Interkonnektivität von Entfernungsmesser und Kestrel bringt eine deutliche Zeitersparnis bei der Ermittlung der Korrekturdaten


Funktionen und Bedienung
Die Bedienung erfolgt mittels Ein-Knopf-Bedienkonzept. Die Taste reagiert dabei auf „Klick“ bzw. „Drücken und Halten“. Je nachdem, wie oft die Taste hinter einander gedrückt wird, lassen sich der Bluetooth-Modus aktivieren oder der Selbsttest durchführen oder die Messeinheiten konfigurieren. Insgesamt vier Ausgabewerte können mit dem TERRAPIN X generiert werden: Natürlich die Entfernung zum Ziel (auch als Schrägdistanz bezeichnet). Außerdem misst der Terrapin auch immer den Neigungswinkel in Grad. Aus beiden Werten errechnet das Gerät die äquivalente horizontale Entfernung zum Ziel.
Mithilfe des integrierten digitalen Kompasses wird zu guter Letzt auch noch der Azimut in Grad bezogen auf magnetisch Nord angezeigt. Da dieser digitale Kompass in seiner Arbeitsweise einem magnetischen Kompass ähnelt, werden Metallgegenstände, Magnetfelder und elektronische Geräte in unmittelbarer Umgebung Fehler bei Richtungsmessungen verursachen. Hier sollten die üblichen Mindestabstände beachtet werden.

Der TERRAPIN X besitzt ein ¼“-20 UNC Gewinde und kann handelsübliche Stativadapter aufnehmen


Komplettmessung
Um eine Komplettmessung durchzuführen, wird bei eingeschaltetem Gerät die Auslösetaste einmal geklickt. Die Entfernung zum Ziel wird angezeigt. Klickt man ein zweites Mal erscheint die horizontale Entfernung zum Ziel (EHR), beim dritten Mal der Erhebungswinkel in Grad und beim vierten Klick die Himmelrichtung als Azimutwinkel.

Scan-Modus
Wird die Auslösetaste gedrückt und gehalten, arbeitet der Terrapin im Scan-Modus. Solange die Auslösetaste gedrückt bleibt, führt das Gerät permanente Entfernungsmessungen durch. Ungefähr alle 0,5 Sekunde wird ein neuer Messimpuls gesendet und der jeweilige Wert angezeigt. Die praktische Anwendung für den Scan-Modus ist bei kleinen oder sich bewegenden Objekten zu sehen. Der Stromverbrauch ist bei dieser Messmethode vergleichsweise höher. Nach Herstellerangabe erlaubt der TERRAPIN X insgesamt 4.000 Einzelmessungen bei 20°C ohne Bluetooth.

Entfernung 416 Meter: Das Ziel ließe sich auch noch mit der Option „Kampfvisier Höhe plus Fünfundzwanzig“ bekämpfen


Test (1): Entfernungsmessung
Auch mit dem TERRAPIN X bewahrheitet sich die Daumenregel, dass der Kaufpreis eines Entfernungsmessers in Euro seiner tatsächlichen Messentfernung in Metern entspricht. Als Gerät der 2.000-Euro-Klasse liefert der Terrapin jederzeit korrekte Messdaten bis 2.000 Meter; selbst bei nicht mehr idealen Wetterbedingungen oder in der Dämmerung, sofern das Ziel etwa zwei Meter mal zwei Meter groß ist. Die bisher längste Test-Messstrecke von 2.200 Meter absolvierte der TERRAPIN X stativgestützt.

Die Scheune im Hintergrund ist 720 Meter entfernt. Der Kestrel schlägt eine Höhenkorrektur von 75 Klicks vor


Test (2): Konnektivität
Die Interkonnektivität zum Bluetooth-fähigen Kestrel 5700 Elite Ballistics ist ein Alleinstellungsmerkmal des TERRAPIN X. Die Robustheit dieser Anwendung zu prüfen, war einer der Schwerpunkte im Test. Das Ziel der Vernetzung zwischen beiden Geräten ist, dem Anwender sofort, d.h. in Echtzeit, alle notwendigen Korrekturdaten zur Höhen- und Seitenverstellung am ZF zu liefern. Damit kann der analoge Arbeitsschritt, die Schusskorrektur aus einer ballistischen Tabelle oder einer ABAC abzulesen, entfallen.
Für die Konnektivität ist es erforderlich, über einen Bluetooth-fähigen Kestrel zu verfügen. Nicht alle Kestrel besitzen dieses Merkmal. Am Kestrel selbst muss zuvor einmalig das eingesetzte Waffensystem mit allen Parametern programmiert werden. Die Menüführung hierzu ist bei allen Kestrel Geräten selbsterklärend. Abgefragt werden: Die Anfangsgeschwindigkeit, der ballistische Koeffizient (BC), Kaliber und Geschossgewicht, die Einschießentfernung, Visierlinienhöhe, Dralllänge sowie die Einheit der Klickverstellung am ZF.
Nachdem beide Geräte über Bluetooth verbunden sind, übermittelt der TERRAPIN X seine Messdaten an den Kestrel. Auf Basis des Applied Ballistic Rechenprogramms (entwickelt von Bryan Litz), des programmierten Waffensystems und der Umweltdaten, die ein Kestrel ohnehin misst, schlägt der Kestrel eine Höhen- und Seitenkorrektur vor. Wurden die Parameter des genutzten Waffensystems sorgfältig eingegeben, stimmen die Korrekturdaten.
Terrapin als auch Kestrel schalten sich automatisch ab, wenn sie mehrere Minuten nicht genutzt wurden. Nach der Wiederinbetriebnahme stellen beide Geräte die Bluetooth-Verbindung selbstständig wieder her. Eine Messung und Datenübertragung ist sofort möglich. Die Übertragungsstrecke zum Kestrel betrug im Test teilweise etwas mehr als einen halben Meter und funktionierte auch als der Kestrel in der Hosentasche getragen wurde.

1.988 Meter: Ein ambitionierter Schuss. Mit 540 Höhenklicks auch außerhalb der Reichweite unserer .308 Win


TERRAPIN X Mobile App
Die hauseigene TERRAPIN X Mobile App – verfügbar für Android und iOS – erweitert Funktion und Benutzerfreundlichkeit des Laser Rangefinders. Nachdem eine Verbindung über Bluetooth hergestellt wurde, können Konfigurationen überspielt oder auch Messungen per Button-Klick fernausgelöst werden. Ein Messfehler durch Verwackelung kann dadurch ausgeschlossen werden, was besonders bei extremen Distanzen sinnvoll erscheint. Alle Messdaten werden übersichtlich auf dem Smartphone-Display angezeigt. Die Mobile App ermöglicht als zusätzliches Feature die „Zweipunktmessung“, wodurch Entfernungen zwischen zwei Punkten gemessen werden können. Somit kann der Benutzer bspw. die Höhe eines Hauses oder die Länge einer Brücke vermessen

Kritische Würdigung
Zu hoher Technikaberglaube führt meist dazu, dass der Scharfschützentrupp beim Ausfall von Technik dasteht, wie kurze Hose & Holzgewehr und eine präzise Schussabgabe nicht mehr machbar ist.
Die Kombination von Terrapin-Entfernungsmesser und Kestrel erfordert zunächst einmal kein zusätzliches technisches Gerät. Beide Geräte führt ein Scharfschützentrupp ohnehin mit. Beide Messinstrumente über Bluetooth zu verbinden, ist ein vertretbarer technischer Aufwand. Der Zusatznutzen für den Anwender zeigt sich in einer deutlichen Zeitersparnis bei der Ermittlung der Korrekturdaten. Der analoge Arbeitsschritt über eine ballistische Tabelle entfällt. Hier liegt der eigentliche Vorteil des TERRAPIN X.

Lieferumfang
Zum Lieferumfang gehört neben dem TERRAPIN X ein Trageriemen, ein Transportbeutel, eine CR123 Lithium-Batterie, Schnellstartanleitung, Benutzerhandbuch und Reinigungstuch.

Fazit
Was der TERRAPIN X erwartungsgemäß sehr gut kann, ist das Messen von Entfernungen. Und zwar zu jeder Zeit bis 2.000 Meter. Für einen Privatier dürfte sich nur selten die Anforderung von größeren Messdistanzen ergeben. Die Bluetooth-Konnektivität gibt dem Anwender einen erheblichen Zusatznutzen, sofern ein kompatibler Kestrel oder die hauseigene Smartphone-App vorhanden ist.  Verkaufsstart in Europa ist ab der KW30 über Mil-Optics in Nagold, Eisberg.

Service


Technische Daten
Gehäuse: Glasfaserverstärkter RYTON® mit Schutzüberzug aus Elastomer
Maße: 136 x 118 x 49 mm
Gewicht: 390 g
Farbe: Grau
Schnittstelle: Standard-Stativ mit ¼“-20 UNC Gewinde
Kommunikation: Bluetooth® 4.1 LowEnergy
Stromversorgung: 3-V-Lithiumbatterie
Wasserdichtigkeit: 1 Meter für 30 Minuten
Betriebstemperatur: -20 °C bis 55 °C
Lagertemperatur: -40 °C bis 85 °C
Schockbelastung: 100 g/6 ms (gem. ISO 9022-30-7-1)

Optik
Objektiv: 28 mm
Vergrößerung: 8-fach (monokular)
Sichtfeld: 103 mil / 5,8°
Dämmerungszahl: 15
Augenabstand: 15 mm
Dioptrieneinstellung: +/- 3 Dioptrien

Entfernungsmesser
Lasertyp: 905 nm (augensicher)
Reichweite: 11 bis 3.000 Meter
Spezifizierte Reichweite: 2.000 Meter bei 2,4 x 2,2 m Zielgröße
Albedo: 0,6
Messzeit: 0,5 Sekunden
Wiederholungsrate: 2 Hz
Strahldivergenz: 1,2 x 0,5 mrad

Digitaler Magnetkompass
Einheit: 360°
Anzeigeauflösung: 1°
Azimutgenauigkeit: 10°
Neigungswinkelgenauigkeit: +/- 1° (im Bereich von 30°)
Maximale Neigung: 1.000 mil / 60°
Deklination, einstellbar: +/- 179°


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