Montag, 13. November 2017

Ultrakompakte Wasserfilter



Leistungsfähige Wasserfiltersysteme werden mit jeder Generation kompakter und günstiger. In den letzten Jahren hat die Konkurrenz vor allem im Ultrakompaktsegment zugenommen und ist nun selbst für gelegentliche Anwender eine Anschaffung wert. Marktüberblick mit Katadyn Be-Free, LifeStraw und Sawyer Mini

Von Christian Väth
 
Wenn jemand im deutschsprachigen Raum von "Disaster Preparedness" spricht schwimmt er wahrscheinlich auf einer modisch-urbanen Pseudo-Survivalwelle. Wer sich jedoch ernsthaft vorbereitet spricht von Bevölkerungs- oder Zivilschutz, im staatlichen Rahmen auch von Katastrophenschutz. Jedermann (ganz besonders Familienväter) sollte über ein grundsolides Wissen und zumindest über eine minimalistische Ausrüstung verfügen. Das erste und wichtigste Thema in allen Krisenzeiten ist stets anlassunabhängig: Wie komme ich an sauberes Trinkwasser?


Life Straw, Sawyer Mini und Katadyn Be-Free

Klein und leicht soll es sein
Grundsätzlich ist es möglich mit einem Mehrzwecktuch und Materialien aus der Natur (Kiesel, Sand, etc.) oder kleineren Ergänzungen (zum Beispiel Kohle) Wasser bis zu einem gewissen Grad zu filtern. Eine solche Methode ist einfach und jederzeit mit minimalen Mitteln anwendbar, allerdings von geringer Effektivität und damit stets ein Notbehelf. Solche Techniken fallen in den Bereich einer Überlebensausbildung, die vor allem Personen ohne jegliche militärische Erfahrungen auf anderem Wege erlangen sollten. Oberhalb dieser Notfähigkeiten (ohne materielle Ausstattung) ist die Rucksackarbeit angesiedelt. Angelehnt an ein militärisches Sturmgepäck, wie es grundsätzlich jede professionelle Infanterieeinheit dieser Welt verwendet, enthält ein speziell vorbereiteter Rucksack tragbare Ausrüstung, die den Anwender für eine gewisse Zeit unabhängig von jeglicher Versorgung macht. Um die Vorgabe "tragbar" auch bei höherer physischer Belastung zu erfüllen, sollte das auserwählte Gepäckstück nicht mehr als 35 Liter Fassungsvermögen haben. Daraus ergibt sich ein minimalistischer Ansatz hinsichtlich Maße und Gewicht der zu verpackenden Ausrüstung. Hinzu kommen selbstredend die Kriterien Einfachheit in der Bedienung und Zuverlässigkeit.

Was bleibt hängen?
Die drei Testkandidaten arbeiten alle mit einem einfachen Hohlfaserfilter. Mit diesem Funktionsprinzip lassen sich Partikel bis zu einer Größe von 0,1 Mikron (0,0001 Millimeter) herausfiltern - alles was kleiner ist unter Umständen jedoch nicht mehr. Dieser Wert ist ausreichend, um kleinere Sedimente und Bakterien (Salmonellen, Cholera, Ruhr etc.) abzufangen, jedoch keine Viren. Im Katastrophenfall ist eine erhöhte Übertragungsrate von Viren, die beispielsweise entzündliche Magen-Darm-Erkrankungen auslösen (wie Rota-, Adeno- oder Norovirus) vor allem durch verunreinigtes Trinkwasser denkbar. Hier müssen dem Anwender die Grenzen von Anfang an bewusst sein. Nur weil man einen Filter dabei hat, heißt das nicht, dass man bedenkenlos aus jeder Brühe trinken kann. Grundsätzlich gilt: Fließende, kleinere Gewässer in gering bewohnten Gebieten sind potentiell von geringerer Belastung und damit zu bevorzugen. Diese Orte sind sowieso das Ziel, wenn man durch äußere Umstände zum Leben aus dem Rucksack gezwungen wird.


Nutzung des Life Straw direkt an der Wasseroberfläche

Life Straw
Der Life Straw wurde 2005 für Nothilfemaßnahmen in Entwicklungsländern entwickelt. Das System ist der Minimalist schlechthin: ein Plastikrohr, ein Filter, ein Mundstück - fertig. Der Hohlfaserhalm wiegt gerade einmal 57 Gramm und ist 22,5 Zentimeter lang. Der Life Straw ist zur unmittelbaren Anwendung am Gewässer gedacht. Man trinkt also durch den Filter entweder direkt am Gewässer oder führt in breiten Gefäßen Wasser mit. Die Lebensdauer des Filters wird mit etwa 1.000 Litern angegeben. Bei allen Filtersystemen ist die tatsächliche Nutzungszeit von der jeweiligen Wasserverschmutzung abhängig. Eine regelmäßige Reinigung mittels rückwärtigem Durchfluss von sauberem Wasser kann die Haltbarkeit verlängern. Einziges "Zubehör" des Life Straw ist eine befestigte Umhängeschnur. Kosten: Ca. 20 Euro.


Der Sawyer Mini mit Zubehör

Sawyer Mini
Der kleinste Wasserfilter des Herstellers Sawyer kommt als Einziger im Test mit etwas Zubehör daher: Neben der eigentlichen Filtereinheit die gerade einmal 59 Gramm wiegt werden ein Strohhalm, ein Wasserbehälter (0,45 Liter) und eine Spritze zur Reinigung mitgeliefert. Der Mini kann auf zwei verschiedene Arten verwendet. In Kombination mit dem Strohhalm wird er wie der Life Straw direkt an der Wasserquelle genutzt. Alternativ und viel praktischer wird der mitgelieferte Beutel befüllt, der Filter aufgeschraubt und ein Behälter der Wahl betankt. Mit dieser Methode kann man seine Wasservorräte auffüllen und dann wieder für einige Zeit unabhängig von der Quelle bleiben. Besonders praktisch: Das Filtergewinde passt auf handelsübliche PET-Flaschen und mittels Adapter auch an Trinksysteme - so wird einem die Improvisation leicht gemacht. Die Lebensdauer soll beachtliche 100.000 Gallonen (Ca. 375.000 Liter) betragen. Die Zubehörbeutel sind in diversen Größen separat erhältlich, ihre Öffnung ist allerdings am Gewässer unpraktisch klein. Kosten: Ca. 30 Euro.


Die weite Öffnung des Trinkbeutels macht die Verwendung des Be-Free besonders effizient


Katadyn Be-Free
Ein sehr flexibler Behälter von Hydrapak und ein Filter mit verschließbarem Mundstück von Katadyn: Das ist der Be-Free. Der Trinkbeutel mit angenehm breiter Öffnung wird im Gewässer gefüllt, anschließend kann direkt getrunken werden oder man stockt die Vorräte auf. Die Durchflussrate ist etwa doppelt so groß, wie die der Konkurrenz - das erleichtert das Auftanken. Mit etwas Übung kann bei einem Halt von wenigen Minuten der Wasservorrat von zwei bis drei Personen wirklich schnell erneuert werden. Durch den sehr klein faltbaren Trinkbeutel kann hier das geringste Packmaß im Test erreicht werden. Der Be-Free verschwindet in jeder Hosentasche. Auch dieser Filter bleibt mit 59 Gramm sehr leicht. Die Lebensdauer der Hohlfasern wird mit 1.000 Litern angegeben. Zur Reinigung ist kein Zubehör notwendig, der Filter kann einfach im Wasser ausgeschwenkt werden. Kosten: Ca. 45 Euro.

Fazit
Die drei Filter erfüllen alle ihren Zweck und sind sehr leicht (unter 60 Gramm). Der Life Straw fällt allerdings zurück, da mit ihm keine anderen Behälter gefüllt werden können: der Anwender bleibt an die Wasserquelle gebunden. Durch die geringen Kosten und die äußerst einfache Anwendung kann er jedoch in Mehrpersonenhaushalten als Ergänzung zu einem anderen Filtersystem beschafft werden. Der Sawyer Mini besticht durch seine Variabilität (kompatibel zu PET-Flaschen) und das verfügbare Zubehör. Unsere klare Kaufempfehlung ist jedoch der Katadyn Be-Free: Das kleine Packmaß, die hohe Durchflussrate, die einfache Handhabung und Reinigung konnten auf Anhieb überzeugen. Außerdem liefert der Hersteller hier eine wirklich aussagekräftige Bedienungsanleitung mit zahlreichen sinnvollen Hinweisen zum Thema Filtration. Mit einem Katadyn-Filter pro Person ist man gut ausgestattet. Genau das richtige für unser minimalistisches Sturmgepäck.


Mehr dazu in Waffenkultur Nr. 36

Donnerstag, 9. November 2017

Schalldämpfer für NRW



In NRW hat sich die Verwaltungspraxis in Sachen Schalldämpfer geändert. Nach einem Erlass des Innenministeriums sind Schalldämpfer für Jagdgewehre ab sofort erlaubt. Damit ist ein waffenrechtliches Bedürfnis gegeben.

Seit dieser Neuregelung vor zwei Tagen häufen sich die Anfragen von Lesern aus NRW, welcher Schalldämpfer beschafft werden sollte.

Für AR-15 Gewehre wäre die Sofortempfehlung der Rotex-V Compact vom Schweizer Hersteller B&T. Dieses Modell hat sich im Langzeittest seit fast drei Jahren sehr ordentlich bewährt: https://www.bt-ag.ch/shop/deu/langwaffen-2/gruppe/bt-schalldampfer-rotex-v-223556-mm-sd-rotex-v-223  


Der Rotex-V Compact ist etwa 17 cm lang und wiegt lediglich 600 g. Er besitzt eine Kupplung für den Standard A2-Feuerdämpfer des AR-15 und ist ohne Werkzeug zu montieren / demontieren. Die B&T Bestellnummer des Rotex-V Compact lautet SD-988054
Ein Deutscher Importeur ist bspw. die Firma AKAH in Gummersbach


Für Repetierbüchsen in den Kalibern .308 Win / .300 WinMag / .338 Lapua Magnum empfiehlt sich das Model MegaHertz des norwegischen Herstellers A-TEC.



Dienstag, 7. November 2017

Tikka T3x CTR in .308 Win



Seit etwa zwei Jahren ist die bewährte Tikka T3 auch als Modell CTR erhältlich. Die „Compact Tactical Rifle“ erfährt mit ihrem zehn Schuss fassenden Magazin eine zusätzliche Gebrauchswertsteigerung. Sinnvoll komplettiert wird die Waffe mit einem Kahles K312 und einer SPUHR-Montage.



Die Repetiergewehre der T3 Linie des finnischen Herstellers Tikka haben ein Alleinstellungsmerkmal in Sachen Qualität, Präzision und Gebrauchswert bei einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis. Mit den Modellvarianten T3 TAC und T3 CTR erhält der Anwender Scharfschützengewehre „out of the Box“, die höchsten Ansprüchen genügen. Eine seit fast fünf  Jahren im Dauertest befindliche T3 TAC kurz im Kaliber .308 absolvierte alle gestellten Aufgaben ohne Probleme (Waffenkultur Nr. 29, S. 18).

Das 10-Schuss-Magazin der CTR ist zweireihig und erfordert einen breiteren Magazinschacht. Der Magazinauslöser sitzt am Abzugsbügel. Die gesamte Abzugsbügeleinheit ist aus Aluminium gefertigt und nicht mehr aus Kunststoff, wie bei der T3 TAC (oben)


Klagen auf hohem Niveau
Wenn es an der dauergetesteten T3 TAC überhaupt etwas zu bemängeln gäbe, dann wäre das die Magazinkapazität von lediglich fünf Patronen. Den Wunsch nach mehr Kapazität kommt Tikka mit dem Modell CTR (Compact Tactical Rifle) und einem 10-Schuss-Magazin nach. 

Die höhenverstellbare Schaftbacke ist optional, nicht jede T3x CTR besitzt eine. Das ist aber weder Mangel noch Nachteil. Solange das Zielfernrohr tiefst möglich montiert wird, ist eine entspannte und reproduzierbare Kopfposition machbar


T3x Schaft
Griffstücke an Waffen modular zu gestalten, ist seit Jahren ein Trend im Waffenbau. Auch Tikka setzt diese Idee mit austauschbaren Griffstücken um. Tikka Gewehre mit der neuen Schaftform werden als T3x bezeichnet und wurden erstmals auf der IWA 2016 präsentiert. Dem Anwender wird ermöglicht, den normalen Pistolengriff gegen einen „Vertical Grip“ auszutauschen. So wie ihn die vorgestellte T3x CTR besitzt.
Das 10-Schuss-Magazin der CTR ist zweireihig und erfordert einen breiteren Magazinschacht. Der Magazinauslöser sitzt am Abzugsbügel. Die gesamte Abzugsbügeleinheit ist aus Aluminium gefertigt und nicht mehr aus Kunststoff, wie bei der T3 TAC.
Eine weitere Besonderheit bei der T3x CTR ist die Schaftbacke. Nicht bei allen Ausführungen ist diese höhenverstellbar. Die Höhenanpassung der Schaftbacke trägt zu einer entspannten und reproduzierbaren Kopfposition bei und ist somit ein wesentliches Merkmal bei allen ZF-Gewehren. Ist die Schaftbacke in der Höhe jedoch nicht verstellbar, muss das Zielfernrohr so tief wie möglich montiert werden. Ein übergroßer und auch nicht immer notwendiger Objektivdurchmesser des ZF oder die falsche ZF-Montage können hier per se kontraproduktive Auswirkungen auf eine präzise Schussabgabe haben.

Am Schaft der T3x ist der Pistolengriff austauschbar. Der „Vertical Grip“ macht die Handposition etwas steiler


ZF und Montage
Die T3x CTR wurde mit einem Zielfernrohr von Kahles (K312i) und Montageringen von SPUHR (SR-4000) bestückt. Die Montageringe erlauben im Vergleich zu einer Blockmontage eine um nochmals fünf Millimeter niedrigere Bauhöhe. Das Kahles K312i mit seinem 50-mm-Objektiv passt problemlos auf die Waffe. Ein 56-mm-Objektiv hätte vermutlich Kontakt zum Lauf bekommen.

Die niedrigste Montagemöglichkeit bieten die ZF-Ringe SR-4000 von SPUHR. Der Höhenunterschied zur Blockmontage fällt hier noch einmal deutlich ins Gewicht


Lauf
Der Lauf ist kaltgehämmert und besitzt ein Mündungsgewinde der Größe 5/8x24. Neu ist, dass die Waffe auch mit einem 62 cm langen Lauf angeboten wird. Die Testwaffe hat den 51 cm Lauf.

Im Gegensatz zu einer Blockmontage müssen Ringe zuerst auf der Waffe montiert werden bevor das ZF eingesetzt werden kann


Drehmomente
Die Systemschrauben an der Tikka sollen laut Herstellerangabe mit 7 Nm angezogen werden. Die SPUHR Montageringe erfordern 5 Nm, die Ringkappe gemäß Kahles 2,4 Nm. Ein Drehmomentschrauber sollte zur Grundausrüstung jedes ZF-Gewehr Anwenders gehören.

Schrauben an einer ZF-Montage sollten grds. mit einem Drehmomentschrauber angezogen werden

SHOT M.O.A. Guaranteed
Auf dem Schießstand überzeugte die Testwaffe „out of the Box“ mit Streukreisen um die 2 Zentimeter auf 100 Meter. Die Präzisionsgarantie des Herstellers von ein MOA-Streukreisen (~2,9 cm) konnte problemlos nachgestellt werden.


Technische Daten
Modell: Tikka T3x CTR
Waffenart: Repetierer mit Drehzylinderverschluss
Kaliber: .308 Win.
Lauflänge: 51 cm
Drall: 1:11“, rechts
Magazinkapazität: Einsteckmagazin für 10 Patronen
Visierung: keine offene Visierung
Optik: Kahles K312i (3-12x50)
Abzugsgewicht: 1.900 g
Gesamtlänge: 102 cm
Gewicht: 3,5 kg (o. Optik)
Gewicht: 4,4 kg (mit Optik und Montageringen)
Drehmoment Systemschrauben: 7 Nm

Technische Daten Optik
Hersteller: Kahles, Guntramsdorf, Österreich & Bender
Modell: K312i (3-12x50) (Seitenturm links)
Absehen: Mil7 (MilDot) in 1. BE
Länge: 38 cm
Mittelrohr: 34 mm
Max. Höhenverstellung: 250 cm
Parallaxenausgleich: ab 25 m
Gewicht ohne Montage: 800 g
Augenabstand: 90 mm
Klickverstellung: 1 cm (0,1 MRAD)
Drehrichtung: ccw
Drehmoment Ringkappen: 2,4 Nm
ZF-Montage: SPUHR SR-4000

Service
Drehmomentschrauber-Set: hier
Montage SR-4000: https://spuhrwebshop.com/en/sr/sr-4000.html