Donnerstag, 30. Juli 2015

Die Waffenkultur – Ausgabe 23 (Juli/August 2015)



Ausgabe 23 (Juli/August 2015)





Die Juli/August Ausgabe hat folgenden Inhalt:

Vauban Stern: Taktische Wohnarchitektur heute
Fernverkehr. ALR 300 in .300 Win Mag
Multikaliberplattform: OA-15 M10 in .300 Whisper RUAG
Gib mir Fünf: SIG Sauer X-FIVE in 9 mm Luger
Tausendmal berührt: Walther PPQ im Belastungstest
Rumsitzen: Varianten der Schießposition Sitzend
Geflunatect: Schmierstoff auf Keramikbasis
Mark III: Verbessertes Combat Shirt von Clawgear
Die Lage der Ration: Selbsterhitzende Mahlzeiten von Albfood
Recht: Kameraüberwachung im privaten Bereich
Buchbesprechung: Dr. Christian Neitzel: „Schalldämpfer auf der Jagd“ und Paul R. Howe: „Leadership and Training for the Fight“







Mittwoch, 22. Juli 2015

Langzeittest: Black Label M4 - Woche 44 bis 45



3 Ausbildungstage & Magazinwirtschaft

Gesamtschusszahl: 2.970 + 330 = 3.300

Störungen Typ I: 0
Störungen Typ II: 0
Störungen Typ III: 0
Störungen Typ IV: 0


Bei insgesamt drei Ausbildungstagen erhöhte sich die Schussbelastung des M4 um 330 Schuss. Das Black Label erlebte dabei seine erste Fehlfunktion, die aber recht eindeutig einem defekten Magazin zugeschrieben werden kann.

Die Waffe diente zum Vorschießen aller Übungen bei einem Gruppenkurs sowie dem 2-tägigen CCO mit Akademie 0/500.
Das Black Label M4 erlebte nach mehr als 3.000 Schuss eine erste Zuführstörung. Ausgerechnet bei einer Demonstration zum Wechseldrill von Langwaffe auf Kurzwaffe wurde die letzte Patrone aus dem Magazin nicht zugeführt. Bei dem Magazin handelte es sich um ein G-Mag Kunststoffmagazin mit der laufenden Nummer #3, das zum Zeitpunkt mindestens vier bis fünf Jahre im Gebrauch war. Schätzungsweise hatte das Magazin bisher einen Durchlauf von 1.500 bis 2.000 Schuss. Zu Vergleichszwecken wurde das Magazin in einem anderen AR-15 (SIG 516) benutzt. Das Störungsmuster ließ sich dabei reproduzieren.



Verschleißpunkte
Es ist keine Studie bekannt, die eine belastbare Aussage zur Lebensdauer von Kunststoffmagazinen gibt. Fakt ist jedoch, dass Magazine einem Verschleiß unterliegen. Dieser Verschleiß findet an drei Punkten statt: Der Magazinfeder, den Magazinlippen und der Magazinhalterast. Im vorliegenden Fall hat sich offensichtlich im Bereich der Magazinhalterast eine Materialabnutzung eingestellt, die dazu führt, dass das Magazin nicht mehr hoch genug im Magazinschacht gehalten wird. Der Fairness halber soll die aufgetretene Störung deshalb nicht dem Black Label angelastet werden.

Black Label & Freunde


Magazinwirtschaft
Der Fall zeigt aber, wie wichtig es ist, funktionsfähige Magazine zu verwenden. Erfahrungsgemäß sind die meisten Störungen bei AR-15 auf schadhafte Magazine rückführbar. (Die zweithäufigste Ursache sind munitionsrelevante Störungen.) AR-15 Nutzer sollten dazu übergehen, eine Art „Magazinwirtschaft“ zu betreiben. Alle vorhandenen Magazine sollten fortlaufend nummeriert werden. Einmal im Jahr sollte ein Posten von zehn (besser 20) neuen Magazinen beschafft werden. Besteht der Verdacht, dass ein Magazin Störungen verursacht, sollte es konsequent ausgemustert und durch ein neues ersetzt werden.
Routinemäßig könnte das Magazin aber bspw. auch nach zwei Jahren Gebrauch und/oder 1.500 Schuss ausgemustert werden. Die Zahl der Magazinbefüllungen bzw. der Einrastvorgänge in der Waffe kann jeder Nutzer selbst hochrechnen, um für sich individuell eine Grenze für die Nutzungsdauer eines Magazins zu definieren. Es solange zu nutzen, bis die erste Störung auftritt, kann in einer einsatzorientierten Anwendung fatale Folgen haben.

4-fach vergrößernde Browe Combat Optik BCO


Cold Bore Shot 150 Meter
Beim Cold Bore Shot zeigte das Black Label seit Testbeginn erstmalig eine messbare Abweichung zwischen dem 1. Schuss und der folgenden Gruppe. Geschossen wurde aufgelegt vom Rucksack aus 150 m Entfernung. Der Cold Bore Shot liegt im Vergleich zur Gruppe etwa 4 cm hoch, was einem Hochschuss von etwa 2,5 cm auf 100 m entspräche.

Cold Bore Shot 150 m


Die folgende 150-m-Gruppe hat einen Durchmesser 6 cm, was eine Streuung von 0,4‰ bedeutet. Auf diese 0,4‰ scheint sich die Gesamtstreuung mit dem M4 einzupendeln. Für eine Gebrauchswaffe in diesem Preis-Leistungs-Verhältnis ein sehr ordentlicher Wert. Geschossen wurde wiederum mit GECO 63 gr. Als Optik diente die 4-fach vergrößernde Browe Combat Optik BCO mit Chevron-Absehen.

Chevron-Absehen des BCO




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Dienstag, 21. Juli 2015

OA-15 M10 in .300 Whisper RUAG



Schallgedämpfte 9-mm-Maschinenpistolen sind etwas in die Jahre gekommen und ballistisch untermotorisiert. Manch Spezialeinheit sieht sich daher nach Alternativen um. Die Lösung könnte hier im Kaliber .300 Whisper liegen und – wie könnte es anders sein – beim AR-15 Stoner System.


Es ist eine brandaktuelle Neuvorstellung des Sommers 2015 und kommt sozusagen noch handwarm aus der CNC-Fräse. Oberland Arms präsentiert ein OA-15 M4 MOD im Kaliber 5,56x45 mm, was jetzt keine große Sensation ist. Allerdings gibt es zu dieser Waffe ein Wechseloberteil im Kaliber .300 Whisper RUAG mit verstellbarer Gasentnahme. Die Entwicklung erfolgte in enger Kooperation mit dem Munitionshersteller RUAG, auf dessen Laborierungen die Waffe eigens abgestimmt ist.



OA-15 M10
Die als M10 bezeichnete .300 Whisper Ausführung besitzt einen freischwingenden 11“ Edelstahl-Lauf aus dem Hause Lothar Walther sowie einen Oberland Arms ARS 4-Rail Vorderschaft mit Picatinnyaufnahmen. Der OA Kompensator dient gleichzeitig als Schnittstelle für den Schalldämpfer. Nach Herstellerangaben ist eine Version mit integriertem Schalldämpfer in Vorbereitung. Das Herzstück des Wechselsystems ist die verstellbare Gasentnahme, welche die Nutzung sowohl von Überschall- als auch von Unterschallmunition ermöglicht. Aufgrund der Subsonic- und der Supersonic-Ladung entstehen aus der .300 Whisper im Grunde zwei völlig unterschiedliche Patronen. Die acht Gramm schwere Supersonic leistet an der Mündung etwa 1.500 Joule bei 600 m/sec, wohingegen die 14 Gramm schwere Unterschall-Ladung lediglich auf 600 Joule bei 290 m/sec kommt. Derartige Leistungsunterschiede kann kein im Waffenbau derzeit bekanntes Gassystem ohne zusätzliche Umschaltfunktion abdecken. Hier liegt die konstruktive Herausforderung beim Bau eines Selbstladers im Kaliber .300 Whisper. Besonders für die Nutzung in militärischen oder polizeilichen Spezialverwendungen muss der Umschaltmechanismus einfach zu bedienen, vor allem aber robust sein. Oberland Arms präsentiert hier eine Lösung, die an die verstellbare Gasentnahme des OA-10 DMR-E in .308 Win erinnert.
Die .300 Whisper Ball Überschallmunition ist leistungsmäßig mit der 7,62x39 mm Kalaschnikow zu vergleichen. Der Patrone wird ein hohes Präzisionspotential nachgesagt. Mit Unterschallmunition und Schalldämpfer kann die Waffe nach Herstellerangaben sogar in geschlossenen Räumen ohne Gehörschutz geschossen werden.



OA-15 M4 MOD
Das OA-15 M10 ist entweder als einzelne Waffe erhältlich oder als Plattform mit einem zusätzlichen M4 MOD Wechselsystem. Das M4 Obergehäuse entspricht dem aus der Serienproduktion. Es ist im Kaliber 5,56x45 mm ausgeführt, besitzt den 14,5“-Edelstahl-Lauf von Walther, der ebenfalls freischwingend gelagert ist. Auch am M4 MOD Obergehäuse kann der Kompensator als Schnittstelle für einen Schalldämpfer dienen.



Lower Receiver
Beim Untergehäuse handelt es sich um eine in Details weiterentwickelte Version des bekannten OA-15 Lower Receivers. Die Sicherung entspricht der OA Behördensicherung, welche in einem Winkel von 60° arbeitet. Die Sicherung kann auch aktiviert werden, wenn das Schlagstück abgeschlagen ist. Sie ist des Weiteren ambitexter bedienbar. Genau so wie der Magazinauslöser. Der Winterabzugsbügel lässt sich ohne Werkzeug öffnen. Alte Bekannte am Huglfinger Untergehäuse sind hingegen der 6-Positionen Schubschaft mit einem Verstellbereich von zehn Zentimetern und das gummierte Griffstück in zwei unterschiedlichen Größen.



Special Operations
Vor kurzem wurde bekannt, dass die niederländische Maritime Special Operations Force (NL-MARSOF) eine Ausschreibung zur Beschaffung von einigen Hundert Selbstladegewehren im Kaliber .300 BLK herausgegeben hat. Die Waffen könnten die bisher verwendeten HK416 im Kaliber 5,56x45 mm ergänzen, indem das Obergehäuse getauscht wird. Die NL-MARSOF, die ähnlich strukturiert ist, wie der britische Special Boat Service (SBS) hätte somit die Möglichkeit, ein leistungsstarkes Kaliber im Schalldämpferbetrieb zu verwenden. Ältere und ballistisch wesentlich schwächere 9-mm-Schalldämpfer Maschinenpistolen könnten ausgemustert werden.
Aber auch für polizeiliche Spezialeinheiten wäre diese Beschaffung interessant. Das AR-15 System bietet die Möglichkeit einer kompletten Waffenfamilie: Im Kaliber 5,56 als persönliche Primärwaffe, das Wechselsystem im Kaliber .300 Whisper RUAG für den schallgedämpften Einsatz und als Präzisionswaffe ein AR-10 im Kaliber .308 Winchester.
Die universelle, modulare Plattform des Stoner Systems macht es möglich. Der Ausbildungsaufwand der Einsatzeinkräfte würde sich vermutlich verringern, da die Bedienbarkeit und Handhabung aller Waffensysteme gleich bzw. familientypisch sehr ähnlich ausfallen. Gleiches gilt für Wartung und Instandsetzung.




Freitag, 10. Juli 2015

Langzeittest: Black Label M4 - Woche 36 bis 43



300 Meter

Gesamtschusszahl: 2.930 + 40 = 2.970

Störungen Typ I: 0
Störungen Typ II: 0
Störungen Typ III: 0
Störungen Typ IV: 0


In einer Trainingssitzung mit geringem Munitionsverbrauch absolvierte das Black Label M4 einige Schießübungen auf 100 Meter und 300 Meter. Das Resultat auf 300 Meter überraschte sehr positiv.
Die Waffe wurde aufgelegt vom Rucksack geschossen mit dem Vortex Razor HD in 1-6x24 und GECO Standardmunition 63 gr. Der Cold & Clean Bore Shot zeigte keine nennenswerte Abweichung von der folgenden 3er-Gruppe mit einem Streukreis von etwa 7 cm.
Nach einer geringfügigen Seiten- und Höhenkorrektur von jeweils zwei Klicks (1/2 MOA-Klickverstellung) produzierte das Black Label weiterhin Gruppen von 9 cm bis 10 cm Durchmesser. Das entspricht einer Gesamtstreuung von etwa 0,3‰, was für eine Gebrauchswaffe ein hervorragender Wert ist.

Das M4 wurde komplett „geflunatect“. Sämtliche Teile der Verschlussbaugruppe, Obergehäuse und auch der Lauf wurden gem. Herstellerangaben mit dem keramikbasierten Schmiermittel „FlunaTec Gun Coating“ bearbeitet. Wie sich diese Konservierung bewährt, werden die kommenden Testwochen zeigen. Die Waffe wird künftig häufiger mit Schalldämpfer geschossen werden, was zu einer stärkeren Verschmutzung führen wird.

Keine nennenswerte Abweichung zwischen dem Cold & Clean Bore Shot und der folgenden 3er-Gruppe

Auf 300 m produzierte das M4 Gruppen von 9 cm bis 10 cm Durchmesser

  
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Samstag, 30. Mai 2015

Die Waffenkultur – Ausgabe 22 (Mai/Juni 2015)


Ausgabe 22 (Mai/Juni 2015)



Die Mai/Juni Ausgabe hat folgenden Inhalt:

Suche nach Präzision: Larry Vickers in Europa
Go for Red!: Tactical Responder IFAK
M2-Serie: Walther PPQ Navy M2
Kalaschnikow 2.0: Cugir WS1-64 im Umbau
Allzeit bereit: Kershaw Cryo
Kampfwertsteigerung: LEM-Abzugsoption für HK-Pistolen
Standardübungen (15): Slide Stop Reload 6/6/6
AR-15 Zubehör: BCM Gunfighter Stock Mod. 0
Haben statt brauchen: Plattenträger der V. Gen. von Lindnerhof
Kalenderblatt: 71 Jahre Völkerschlacht am Monte Cassino





Donnerstag, 28. Mai 2015

AR-15 Schiebeschaft von BCM



Text: A.M.

Ende 2014 hat der US-amerikanische Ausrüster Bravo Company einen neuen Schiebeschaft auf den AR-15 Zubehörmarkt geworfen. Mit der Verkaufsbezeichnung BCM Gunfighter Stock Mod. 0 bewirbt Bravo Company den Schaft als den „stabilsten und leichtesten Polymerschaft für Mil-Spec Receiver Extensions“. Das ist gleichzeitig ein Hinweis darauf, dass der BCM Schaft für Mil-Spec Bufferröhren gefertigt ist und nicht für die etwas breiteren „Commercial“ Bufferröhren.  Diese spielfreie Konstruktion verleiht dem BCM-Schaft besondere Stabilität. 



Leichtgewicht
Beim Gewicht zeigt die Waage gerade einmal 220 g an. Das sind 180 g weniger als beim bisher verbauten Oberland Arms Schiebeschaft. Der BCM besteht dabei aus lediglich fünf Einzelteilen und einer Schraube.

Länge & Breite
Im direkten Vergleich ist er auch zwei Zentimeter kürzer als der OA-Schaft. Das bedeutet, der Schütze muss den Schaft um eine Position weiter ausziehen, um die gleiche Gesamtlänge zu erhalten. In der hintersten Position werden diese zwei Zentimeter allerdings wieder fehlen. Was sich auf den Augenabstand zu einem eventuell verwendeten Zielfernrohr auswirken wird.



Riemenaufnahmen
Der BCM verfügt über zwei Varianten zur Befestigung von Trageriemen. Entweder mit einer „Quick Detach“ QD-Öse oder mittels einfachem Durchziehens des Riemens. Beide Befestigungsoptionen sind ambitexter, also sowohl für rechts als auch links geeignet. Was fehlt, ist die Aufnahme für einen Schießriemen, wie bspw. einen USGI Websling.

VBOST (Vehicle Borne Operations Sling Tab)
Unminimalistische Bezeichnung für ein kleines Bauteil: Der VBOST ist abnehmbar und dient als Haken für ein kleines Gummiband, an dem bspw. der Trageriemen fixiert werden kann, solange die Waffe in einem Fahrzeug verstaut wird oder auch während sie in der Waffenkammer steht.



Montage
Für das Anbringen an der Waffe ist ein Splinttreiber oder ein ähnliches Werkzeug erforderlich. Von der Empfehlung, den Schlagbolzen zu verwenden, ist natürlich strikt abzuraten. Zur Montage wird der Schaft auf die Receiver Extension (Bufferröhre) aufgesetzt. Der Verstellhebel am Schiebeschaft wird eingedrückt, bis die Löcher für den Splintreiber in einer Flucht liegen. Sodann wird ein Splintreiber durch die Öffnung geführt. Wird der Verstellhebel jetzt entlastet, zieht der Splinttreiber die Arretierung nach unten. Der Schaft kann jetzt komplett auf die Röhre geschoben werden.



Farben
Der BCM Gunfighter Schaft ist in den Farben Schwarz, Flat Dark Earth, Foliage Green und Wolf Gray erhältlich.

Service


Mittwoch, 20. Mai 2015

Scharfschützenwesen: Verstelltürme an einem ZF


Der Kauf eines Zielfernrohrs unterliegt diversen Kriterien: Vergrößerung, Absehen und oft auch der Preis stehen im Vordergrund. Meist zählt die Funktion der Verstelltürme nicht zu den primären Anforderungen. Die Maßeinheit der Klicks und vor allem die Verstellrichtung sind aber relevant, können sie doch die Arbeit des Schützen erheblich vereinfachen




Die Drehrichtung der Verstelltürme ist beim Zielfernrohrkauf meist ein gering geschätztes und daher kaum beachtetes Qualitätsmerkmal. Als Kunde nimmt man es meist als gegeben hin. Bei einer durchschnittlichen Anwendung des Waffensystems kann über die Drehrichtung auch gern hinweggesehen werden. Große Bedeutung erhält sie jedoch beim praxisorientierten Gebrauch, bei dem Stresssituationen nicht ausgeschlossen werden können, schnelles Handeln aber unabdingbar bleibt.

Motorik & Alltagsroutine
Menschen; vermutlich nicht nur aus Mitteleuropa; unterliegen der Alltagswahrnehmung, dass eine Rechtsdrehung an einem Regler grundsätzlich mit einem positiven Ergebnis verknüpft ist: Das Radio wird lauter, die Temperaturregelung im Auto bringt mehr Wärme und Licht wird durch das Rechtsdrehen am Dämmerungsschalter heller.

Standardkonfiguration der Verstelltürme:
cw-Drehrichtung und 1-cm-Klickverstellung (0.1 mrad)

Standardhandhabung: Bei einer cw-Drehrichtung werden die Türme
mit der rechten Hand bedient und zur Daumenspitze hin gedreht.
Was einer Korrektur nach oben bzw. nach rechts entspricht

Standardhandhabung Seitenturm:
Rechte Hand Richtung Daumenspitze


cw (clockwise)
Eine Rechtsdrehung am Verstellturm eines Zielfernrohrs sollte ebenfalls eine positive Auswirkung haben. Lies, den Treffpunkt in eine positive Richtung verlagern. Im Koordinatensystem eines Fadenkreuzes sind die positiven Richtungen nach Oben und nach rechts. Das Gleichnis des Koordinatensystems ist bewusst gewählt. Vom Nullpunkt aus führen die Abszissenachse (x-Achse) horizontal nach rechts und die Ordinatenachse (y-Achse) vertikal nach oben jeweils in den positiven Bereich hinein. Beides ist mittels Rechtsdrehung an den Türmen zu bewerkstelligen. Man spricht in diesem Fall auch von einer „clockwise“-Verstellrichtung (cw).

ccw (counterclockwise)
Bei Optiken aus US-amerikanischer Produktion sind die Türme fast immer mit der konträr verlaufenden Verstellrichtung hinterlegt. Das bedeutet eine Rechtsdrehung verlagert den Treffpunkt nach links bzw. unten. Es entsteht eine Dissonanz bzgl. unserer Alltagswahrnehmung. Der Turm müsste in die entgegengesetzte (falsche) Richtung gedreht werden, um eine Verlagerung in den positiven Bereich des Koordinatensystems zu erreichen. Somit ist ein Denkschritt mehr erforderlich. Unter Umständen ein Denkschritt, für den in einer stressbeladenen Situation keine Kapazitäten frei sind. Diese Ausführung der Drehrichtung wird auch als counterclockwise (ccw) bezeichnet.

Typisch US-amerikanische Turmkonfiguration:
ccw-Drehrichtung. In diesem Fall allerdings keine MOA-Rastung,
sondern 0,1 mrad (1-cm-Klickverstellung)

Auch hier hilft die Analogie „Linke Hand Daumenspitze“
weiter, um eine stressresistente Handhabung abzusichern

Das Arbeiten am (rechten) Seitenturm mit der linken Hand ist motorisch
gewöhnungsbedürftig, sollte aber exakt so geübt werden


Maßeinheit der Rastung
Die Rastung der Klickverstellung kann die Arbeit für Schütze oder Beobachter ebenfalls vereinfachen. Zielfernrohre basieren entweder auf einer MOA-Rastung, auf einer metrischen (Zentimeter-) Rastung oder auf mrad. Letztere kann in Bezug auf die Anwendung mit einer Zentimeter-Rastung gleichgesetzt werden. Eine Klickverstellung in 1/4- oder 1/8-MOA Schritten erfordert für uns Europäer immer Umrechenarbeit im Kopf. Unser Alltag basiert auf einem metrischen System. Nicht auf einem System von Zoll und Yards oder Bogenminuten.
Empfehlenswert ist daher ein Zielfernrohr mit einer 1-cm-Klickverstellung auf einhundert Meter Entfernung. Die Kopfrechenarbeit ist leicht, da es sich entfernungsabhängig immer um ein Vielfaches von einem Zentimeter handelt.

Handhabung
Für das stressresistente Drehen an den Verstelltürmen gibt es einen erprobten Trick in der Handhabung, der ein Verstellen in die falsche Richtung nahezu ausschließt und darüber hinaus sogar eine ccw-Verstellrichtung praktikabel werden lässt.

Handhabungstrick Teil 1
Bei einer normalen (also einer cw-) Verstellrichtung greift der Schütze mit seiner rechten Hand den Verstellturm so, dass die Daumenspitze in Verstellrichtung zeigt. Daraus resultiert: Ein Drehen hin zur Daumenspitze ist gleich ein Verstellen des Zielfernrohrs in den positiven Bereich und bringt eine Treffpunktverlagerung nach oben bzw. nach rechts mit sich.

Handhabungstrick Teil 2
Besitzt das Zielfernrohr jedoch an beiden Türmen eine ccw-Verstellung, greift der Schütze mit seiner linken Hand den Turm so, dass die Daumenspitze in Verstellrichtung zeigt. Das Resultat ist identisch: Ein Drehen hin zur Daumenspitze bewirkt eine Treffpunktverlagerung nach oben bzw. nach rechts. Wesentlich ist in beiden Fällen lediglich das Drehen hin zur Daumenspitze.

Sonderfall: Seitenturm links
Der Hersteller Kahles bietet Zielfernrohre mit Seitenturm links an. Dieses Konstruktionsmerkmal beruht vermutlich auf der Idee, dass bei einem Rechtsschütze das Verstellen mit der Unterstützungshand erfolgen soll, die Haupthand aber am Griffstück verbleibt. Für diesen Sonderfall sollten die Türme des Zielfernrohrs zwingend eine counterclockwise (ccw) Verstellrichtung haben und mit Handhabungstrick 2 (linke Hand) bedient werden.

Kahles-Variante Seitenturm links: Diese Sondervariante sollte
grds. mit Türmen in ccw-Drehrichtung ausgestattet sein

Bei ccw-Drehrichtung bedient die linke Hand die Türme,
dreht aber dennoch „zur Daumenspitze“. Das Resultat bleibt identisch,
da es eine Korrektur nach oben bzw. nach rechts bewirkt

Dieselbe Analogie wird beim Verstellen des Höhenturms angewandt:
Zur Daumenspitze hin ist gleich eine Korrektur in den positiven Bereich


Fazit
Wird eine ZF-bestückte Waffe lediglich zum Schießen auf einer 100-m- oder 300-m-Bahn genutzt, spielen Turmdrehrichtungen und Maßeinheiten der Rastung kaum eine Rolle. Die Waffe wird entsprechend der bekannten Distanz einjustiert. Seitenwind kann vernachlässigt werden. Jeder Schuss ist mehr oder weniger gleich.
Beim Schießen in der realen Welt allerdings muss der Schütze bzw. der Beobachter auf eine Vielzahl unbekannter und veränderlicher Faktoren reagieren. Distanz, Wind, Luftdruck und Spindrift bei weiten Schüssen. Die Voraussetzungen sind immer anders. Jeder Schuss wird einzigartig. Vor jeder Schussabgabe müssen Korrekturen an Höhen- und Seitenturm vorgenommen werden. Nicht selten unter Zeitdruck, nicht selten bei widrigen Witterungsverhältnissen in Form von Regen, Kälte, Schnee und Wind. Mitunter auch unter dem Einfluss von Kampfhandlungen. Für Überlegungen, in welche Richtung der Turm gedreht werden soll, ist dann kein Spielraum mehr. Einfache motorische Abläufe, die im besten Fall unseren Alltagsroutinen nahe kommen, begünstigen das Herbeiführen einer richtigen Entscheidung.

Mehr dazu in Waffenkultur Nr. 75

 

 

Mittwoch, 13. Mai 2015

Feuerkampf und Taktik, 4. Auflage



In letzter Zeit häuften sich Anfragen, wann die 4. Auflage von „Feuerkampf & Taktik“ endlich erscheinen werde. Die 4. Auflage ist seit Juli 2014 im Handel. Ursache für dieses Missverständnis ist offensichtlich die schlecht gepflegte Seite des Buchhändlers amazon, auf der nach wie vor die 3. Auflage feilgeboten wird.



Deshalb hier noch einmal der Beitrag vom Juli 2014


Die anhaltend hohe nach Nachfrage zu „Feuerkampf & Taktik“ machte eine 4. Auflage erforderlich, welche ein unveränderter Nachdruck der 3. Auflage vom Juli 2012 ist.

In Gesprächen mit Ausbildungsverantwortlichen von Militär und Polizei zeigt sich, dass Inhalte und Lehrmeinung des Buches zum Teil auch Einzug in behördliche Schießausbildung halten. Dieser Trend ist positiv zu bewerten. Schießausbildungskonzepte sollten auf Einfachheit und Minimalismus beruhen und die Eigenverantwortung des Schützen stärken. Darüber hinaus sollten sie robust, doktrinfrei und kohärent sein.

Wenn „Feuerkampf & Taktik“ diesen Trend unterstützen kann, dann wiegt das schwerer als ausschließlich hohe Verkaufszahlen.

Die 4. Auflage wird unverändert zu einem Ladenverkaufspreis von 24,95 € angeboten.





Feuerkampf und Taktik, 3. Auflage

Änderungen der 2. Auflage


Feuerkampf & Taktik
von Henning Hoffmann


Broschiert: 288 Seiten
Verlag: dwj Verlags-GmbH, 4. Auflage (Juli 2014)
ISBN: 978-3936632712
Preis: 24,95 €

Montag, 11. Mai 2015

Langzeittest: Black Label M4 - Woche 34 bis 35



Teiletausch und Gravur

Gesamtschusszahl: 2.930

Störungen Typ I: 0
Störungen Typ II: 0
Störungen Typ III: 0
Störungen Typ IV: 0


Kein Schießen in den Wochen 34 und 35. Das Black Label M4 befand sich einige Tage beim Hersteller in Huglfing zum Austausch zweier Teile und zum Anbringen einer Gravur auf dem Lower Receiver.

Gravur
Nachdem Larry Vickers das Black Label M4 als Vorführwaffe auf einem Schießkurs genutzt hat, gab er sein Einverständnis, dass unsere Langzeittestwaffe mit seiner Signatur versehen werden darf. Als besondere Serviceleistung wurde diese Gravur vom Hersteller Oberland Arms angebracht.



Receiver Endplatte
Während des kurzen Boxenstopps in Huglfing wurde außerdem die Receiver Endplatte getauscht. Serienmäßig verfügt das Black Label M4 über eine Endplatte, die zur Aufnahme eines 1-Punkt-Riemens geeignet ist. Diese Ösen verursachten beim Sichern / Entsichern der Waffe hin und wieder eine als unangenehm empfunden Reibung mit der Hand des Schützen. Da ein 1-Punkt-Riemen als Trageoption ohnehin ausscheidet, wurde die Receiver Endplatte gegen ein Standardteil getauscht.




Verschleißteil Gasringe
Bei direct impingement Systemen sind die Gasringe am Verschlusskopf ein typisches Verschleißteil. In der Regel sollten sie bei spätestens 5.000 Schuss getauscht werden. Durch die permanente Reibung im Verschlussträger unterliegen die Gasringe einer Abnutzung. Es entsteht Gasschlupf, der eine störungsfreie Funktion verhindern könnte.



Im Langzeittest konnte bei einer Gesamtbelastung von etwa 3.000 Schuss eine ungewöhnliche Abnutzung festgestellt werden. Ein Gasring (in Schussrichtung der erste) war gebrochen. Nach Rücksprache mit Oberland Arms kann ein derartiger Bruch auch durch grobmotorisches Zusammensetzen der Verschlussbaugruppe nach erfolgter Reinigung entstehen. Der Verschlusskopf sollte mit etwas Gefühl und niemals verkantet in den Verschlussträger gesteckt werden.
Trotz eines defekten Gasrings schoss das M4 weiterhin störungsfrei. Die Funktionsreserve des Systems ist offensichtlich ausreichend.



BCM Gunfighter Buttstock
Der Hang zum Minimalismus treibt uns wieder einmal um: Das Oberland Black Label M4 erhält versuchsweise den neuen Gunfighter Buttsock des US-amerikanischen Herstellers Bravo Company. Der BCM Schaft ist etwa 2 cm kürzer als der Oberland Schaft und wiegt anstatt 400 g nur 220 g.
Er besitzt eine Aufnahmemöglichkeit für QD-Ösen aber auch für eine normale Riemenführung.




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Samstag, 25. April 2015

Langzeittest: Black Label M4 - Woche 30 bis 33



500-m-Schuss und Vickers-Kurs

Gesamtschusszahl: 2.810 + 120 = 2.930

Störungen Typ I: 0
Störungen Typ II: 0
Störungen Typ III: 0
Störungen Typ IV: 0

Auf seiner Europa-Tournee konnte der US-amerikanische Schießausbilder Larry Vickers das Black Label M4 als Vorführwaffe nutzen. Außerdem hatten wir endlich die Gelegenheit, die Waffe im 500-m-Schuss zu testen.




Im bisherigen Testverlauf stand der 500-m-Schuss noch aus. Das Black Label M4 wurde dazu in der momentanen Konfiguration mit Aimpoint Micro T-2 auf der hohen SPUHR-Montage genutzt. Die SPUHR-Montage SM-2007 hat eine Bauhöhe von 39 mm und erzeugt den sog. Lower Co-Witness. Das bedeutet, die Visierlinie des Rotpunktvisiers liegt einige Millimeter über der Visierlinie der offenen Visierung.


Micro T-2 auf SPUHR SM-2007 (Bauhöhe 39 mm)
Fleckschuss auf 25 m + 17 Klicks = Fleckschuss auf 500 m
(Munition GECO Target 63 gr.)


Einschießen
Die Waffe wurde auf einer Distanz von 25 m „Fleck“ angeschossen. Um den Geschossabfall bis 500 m zu kompensieren, wurden an der Höhenverstellung des Micro T-2 weitere 17 Klicks zugegeben. Das Black Label M4 erzeugte in dieser Konfiguration bei Verwendung von Munition des Typs GECO Target 63 gr. reproduzierbare Fleckschüsse auf 500 m. Das Aimpoint wurde ohne Vergrößerungsvorsatz benutzt. Eine Zielerfassung war problemlos möglich.





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Freitag, 3. April 2015

Leseempfehlungen (6)



Alleingang
von Ian Krüger
Broschiert: 400 Seiten
Format: 13,5 x 21 cm
Verlag: Scheyring Verlag, Neuss, 2014
ISBN: 978-3-944977-24-9
Preis: 13,99 Euro



„Wir sind eine postheroischen Gesellschaft.“, soll der Politologe Herfried Münkler einmal im Interview gesagt haben. Das bedeutet neben einigen anderen Dissonanzen auch, dass wir Deutschen keine Helden mehr haben dürfen, sondern allenfalls einige Popikonen lobpreisen dürfen. Der im Herbst 2014 erschienene Anti-Terror Thriller aus deutscher Feder stemmt sich gegen diese selbst auferlegte Demut und produziert mit Jan Steiger einen rundum sympathischen Held (der vielleicht einige Laster mehr haben könnte).
Das Buch verarbeitet das brandaktuelle Thema des islamistisch motivierten Terrorismus.
Jan Steiger, ein junger Offizier des Kommando Spezialkräfte Marine macht während eines Tauchurlaubs am Sinai einen beunruhigenden Fund unter Wasser. Als er den Fund in Deutschland meldet, setzt er damit die Maschinerie der deutschen Sicherheitsbehörden in Gang, die extrem professionell reagieren.
Der Autor ist offenbar ein Insider, denn er schildert den Sachverhalt mit ungemeiner Detailkenntnis. Auch merkt man, dass sich der Autor unter Wasser auskennt. Was für Sporttaucher sehr realistisch wirkt, könnte den Laien allerdings stellenweise etwas fordern.
Ein beängstigender Plot, authentische Charaktere sowie schnelle Szenenwechsel garantieren Spannung bis zur letzten Seite. 
Auch regt das Buch angesichts der aktuellen politischen Diskussion in Bezug auf den militanten Islamismus/Jihadismus zum Nachdenken an.
Mit Steiger und Wolff hat der Autor Ian Krüger ein professionelles sympathisches Team geschaffen, dem wir hoffentlich noch öfter begegnen werden. Lesenswert! (hh)

 




EGO – Das Spiel des Lebens
von Frank Schirrmacher
Broschiert: 352 Seiten
Format: 12,5 x 3,2 x 20 cm
Verlag: Pantheon Verlag, 3. Auflage, 2014
ISBN: Druck 3-570-55258-2
Preis: 14,90 Euro



Der Mensch von heute ist Egoist. Ein homo oeconomicus, der stets nach seinen eigenen Interessen handelt. So lautet eine der letzten großen Thesen von Frank Schirrmacher, der lange Zeit eine konservative Institution war und viele gesellschaftliche Debatten prägte.

Schirrmacher zeichnet ein recht faszinierendes Bild des modernen Menschen und der Spieltheorie als Bezwinger des Ostblocks. Nach dessen Zusammenbruch konzentrierte sich die gesamte Energie der freigesetzten Kräfte auf die Totalisierung des Kapitalismus. Die Wurzeln des ominösen weltumspannenden Turbokapitalismus der in Windeseile ganze nationale Existenzen zerstört liegen also im Kalten Krieg. Soweit so gut.

Bemerkenswert ist neben dem teils gewagten Gedankenspiel vor allem der Hintergrund des Autors - wirkte Schirrmacher als Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung doch lange und mächtig eher als konservative Kraft. Umso gewinnbringender ist so auch die Lektüre dieses Buches, zeigt es schließlich die intellektuelle Bandbreite des Autors. Die bei weitem wichtigste These dieser Schrift ist am Ende gar nicht einmal die interessante Zeichnung einer zunehmend informationskapitalistischen Welt, sondern vielmehr der offenbarte Mangel an intellektuellem Denken. Man kommt nicht umhin erschreckend festzustellen, wie winzig klein die geistige Elite eines wirtschaftlich so kraftvollen Staates wie Deutschland tatsächlich ist.

Man sollte EGO lesen, wenn man sich manchmal fragt, wohin sich unsere Welt entwickelt. Vor allem sollte man es jedoch lesen, weil es genau die Art von Buch ist, die immer seltener werden - Bücher die zum Denken anregen. (cv)

 




Handwaffen und Panzerabwehrhandwaffen der Bundeswehr: Geschichte, Taktik, Technik
von Dr. Jan Phillipp Weisswange

Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: ES Mittler, 2. Auflage, (Dezember 2014)
ISBN-13: 978-3813209518
Preis: 24,95 €



Seit Dezember 2014 ist die 2. Auflage dieses Fachbuchs in aktualisierter und erweiterter Fassung im Handel. Der renommierte Autor Dr. Jan-Phillipp Weisswange stellte mit seiner Neuveröffentlichung im Jahr 2011 ein Standardwerk vor und füllte damals gleichzeitig eine seit mittlerweile zehn Jahren bestehende Lücke im Fachbereich Handwaffen. Zehn Jahre in denen sich mit der sicherheitspolitischen Lage auch die Anforderungen an Ausbildung und Bewaffnung geändert haben – in Teilbereichen sogar grundlegend.

Jan-Phillipp Weisswange nähert sich dem Untersuchungsgegenstand „Handwaffen“ aus verschiedenen Perspektiven. Zum einen unterteilt er die Phasen der Bundeswehrbewaffnung in sechs Epochen. Chronologisch beginnend bei der Aufstellungsphase, dem Kalten Krieg, der Wendezeit, der Transformation zur Einsatzarmee über die Armee im Gefecht und einem Zukunftsblick. Für jede Epoche schildert er sicherheitspolitische und militärstrategische Rahmenbedingungen, um schließlich die jeweils eingeführten Waffen detailliert vorzustellen.
Eine wesentliche Neuerung der 2. Auflage ist das Kapitel "Von der Armee zur aktiven, attraktiven und anderen Arbeitgeberin", welches die Entwicklung seit 2011 beschreibt. Außerdem werden folgende Handwaffen neu in der 2. Auflage besprochen: G36KA4, G36A4, G29, G38, P9A1, P30Bw, MG5-Familie, MG9

Zum anderen begeht Weisswange den notwendigen Spagat einer Betrachtung aus der taktischen Perspektive heraus. Der Leser erhält dadurch einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn. Für den Autor besitzt der Soldat selbst eine Schlüsselstellung. Die mentale Einstellung zum Kampf bezeichnet Jan-Phillipp Weisswange als taktischen Kampfkraftmultiplikator.

Der dritte Teil des Buches beleuchtet technische Aspekte etwas genauer: Die Verschlusstechnik von Handwaffen, die Leistungsfähigkeit von Munition sowie Optik und Optronik. Vereinzelt greift Weisswange auf Gastautoren zurück. Beispielsweise auf Peter Dannecker, einem deutschsprachigen Kompetenzzentrum in Sachen Verschlusstechnik oder Oliver Mark Baumann, einer treibenden Kraft hinter dem neuen Schießausbildungskonzept der Bundeswehr.

Die 2. aktualisierte und erweiterte Auflage ist auch für Leser von Interesse, welche die 1. Auflage bereits kennen.






Der Fluch der bösen Tat: Das Scheitern des Westens im Orient
von Peter Scholl-Latour

Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Propyläen Verlag (September 2014)
ISBN-13: 978-3549074121
Preis: 24,99 Euro

 

Alle reden vom NSA-Skandal, doch nicht minder skandalös ist die von westlichen Geheimdiensten gesteuerte Desinformation zur Lage in Syrien und anderen Ländern des Vorderen Orients. Wie keine zweite ist diese Region gebeutelt durch jahrzehntelange politische und militärische Interventionen des Westens, die allesamt mehr Fluch als Segen waren. Eindringlich schildert Peter Scholl-Latour, dem diese Länder seit sechzig Jahren vertraut sind und die er erst jüngst wieder bereist hat, das Durcheinander ethnischer, religiöser und ideologischer Konflikte, die die Völker zwischen Levante und Golf nicht zur Ruhe kommen lassen. Es gärt und brodelt überall: Syrien versinkt im blutigen Bürgerkrieg aller gegen alle, in der Türkei ringen islamistische und säkulare Kräfte um die Vormacht. Der Atomkonflikt zwischen Iran und Israel schwelt weiter, die Einmischung iranischer Schiiten wie saudischer Wahabiten in die Konflikte der Region nimmt zu. Ägypten ist in Daueraufruhr, und auch am Nordrand dieser unruhigen Weltgegend, im Kaukasus und in der Ukraine, ist die Lage explosiv. Mit der ihm eigenen Unbestechlichkeit beleuchtet Peter Scholl-Latour diese unselige Weltregion, über der ein Fluch zu liegen scheint.