Das Steiner M7Xi ist ein Zielfernrohr, dass über alle Merkmale verfügt, die für einen praxisorientierten oder auch taktischen Einsatz im Scharfschützenwesen erforderlich sind. Wir montieren das ZF zu Testzwecken auf die Tikka T3 TAC in .308 Win und beschreiben Grobjustierung und Einschießen
Von Arne Mühlenkamp
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| Steiner M7Xi hat die Dimension 3-20x50 sowie eine Mil-Klickverstellung im Uhrzeigersinn |
Das Aufsetzen und das Einschießen eines Zielfernrohrs darf für den geschulten, verantwortungsvollen Gewehrschützen keine Schwarze Magie sein, für die er „seinen renommierten Büchsenmacher“ beauftragen muss. Die notwendigen Handgriffe dafür sind weder zahlreich noch kompliziert. Und wenn man der richtigen Methode folgt, dauert der gesamte Prozess inklusive Einschießen keine halbe Stunde.
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| Die mittige Kerbe auf der SPUHR-Montage dient als Hilfsmittel, das ZF unverkantet auszurichten |
Montage
Beim Aufsetzen des ZF sind zwei wichtige Dinge parallel zu beachten: Der Einbau muss unverkantet erfolgen und der korrekte Augenabstand muss gewährleistet sein.
Der ZF-Montagen Hersteller SPUHR bietet für den Einbau das Hilfsmittel einer mittig gefrästen Nut. Wird diese Nut zur Markierung am Höhenverstellturm des ZF ausgerichtet, sitzt das ZF mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit unverkantet in der Montage. Zusätzlich liefert SPUHR zu jeder Montage den sog. Leveling Kit. Mit etwas Übung hilft dieser Nivellier-Kit ebenfalls, den geraden Sitz des ZF herzustellen.
Der richtige Augenabstand wird erreicht, wenn der Schütze das Gewehr mit geschlossenen Augen in Anschlag bringt, eine stabile Kopfposition herstellt und nach Öffnen der Augen ein parallaxefreies Absehen vor sich hat. Gelingt das nicht, muss die Position des ZF angepasst werden. (Für diese Aufgabe sollte der Schütze mit dem Aspekt „stabile Kopfposition“ vertraut sein.)
Das Aufsetzen des ZF endet, indem die Montageringe mit dem Drehmoment nach Herstellerangabe angezogen werden. Ein funktionierender Drehmomentschlüssel ist hierfür unentbehrlich.
Offset bestimmen
Im Folgeschritt wird die Visierlinienhöhe des ZF über der Laufseele bestimmt (das sog. Offset). Gemessen wird dabei von der Mitte des Objektivs bis zur Mitte des Laufs. Hilfsmittel können hierbei wiederum sein: Eine mittige Markierung an der Montage und die Höhe bzw. die Positionierung des Schlagbolzens. Der Messwert des Offset wird wichtig für die Einschießmethode auf 25 Meter. Die Messung sollte deshalb mit Sorgfalt durchgeführt werden.
Grobjustierung 8 Meter
Nachdem das ZF montiert wurde, empfiehlt sich eine Grobjustierung. Je nach Herkunft oder Hersteller des ZF oder nach Vorhandensein einer Vorneigung auf Waffe oder ZF-Montage, ist nicht mit Sicherheit gewährleistet, dass beim Einschießen selbst auf 25 Meter die ersten Schüsse auch auswertbar auf der Scheibe sind.
Zur Grobjustierung markiert sich der Schütze einen groben Haltepunkt und gibt aus einer Entfernung von etwa acht Meter zwei Schüsse ab. Erwartungsgemäß sollte der Treffpunkt aus dieser Distanz ein Tiefschuss in Höhe des Offset sein. Ist das nicht so, sollte das ZF vor dem Einschießen grobjustiert werden.
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| Mit der dritten Schussgruppe ist die Waffe eingeschossen. Es wurden jeweils Gruppen á drei Schuss abgegeben |
Einschießen 25 Meter
Die 25-m-Einchießmethode ist eine zuverlässige Methode, mit der jedes Gewehr innerhalb von zehn Minuten und mit maximal zehn Schuss eingeschossen werden kann. Es lassen sich damit alle Einschießkonzepte umsetzen. Bei Long-Range-Gewehren bzw. im Scharfschützenwesen allgemein, ist das Einschießkonzept des Fleckschusses auf einhundert Meter weit verbreitet. Gleichwohl gibt es kaliberabhängige Ausnahmen, bei denen das Gewehr auf dreihundert Meter Fleck angeschossen werden kann.
Um auf der 25-m-Distanz einen 100-m-Fleckschuss zu erreichen, halbiert der Schütze sein Offset und erzeugt einen Tiefschuss von ½-Offset. Die Einschießprozedur erfolgt jeweils in Schussgruppen zu drei Schuss.
Nach jeder Gruppe findet eine Auswertung mit Messen und Verstellen am ZF statt. Es hat sich als sehr sinnvoll erwiesen, diese Daten auf der Scheibe zu notieren. Kommt es zu Fehlern, wird dadurch die Fehlersuche vereinfacht.
Nach zehn Minuten und mit maximal zehn Schuss ist das ZF-Gewehr eingeschossen.
Zum Abschluss des Einschießens werden die Verstelltürme am ZF gemäß Herstellerangabe genullt.
Das Steiner M7Xi im Boxtest
Der Boxtest ist eine Standardübung, mit der das vom Hersteller angegebene Klickmaß sowie die Verstellrichtung und die Wiederholgenauigkeit im Verstellweg überprüft werden können. (Vergl. „Waffenkultur“ Nr. 85)
Das Steiner M7Xi absolvierte den Boxtest ohne Auffälligkeiten. Zwei Schussgruppen sind schützenbedingt gerade noch auswertbar, verfälschen das Endergebnis aber nicht.
Das Steiner M7Xi besitzt das vom Hersteller angegebene Klickmaß von 0,1 mRAD (ein Zentimeter auf einhundert Meter) und erwartungsgemäß auch die Wiederholgenauigkeit im Verstellweg.
Das Glas
Das Steiner M7Xi gehört zum Marktsegment der modernen Long Range Gläser. Es erfüllt alle Anforderungen, die in diesem Bereich gestellt werden. In der Produktbezeichnung steht die Zahl 7 offensichtlich für den Zoom-Faktor und das „i“ für die insgesamt elf Beleuchtungsstufen (6 Nacht und 5 Tag); gespeist über eine CR2032 Zelle. Das Objektiv hat einen fünfzig Millimeter Durchmesser. (Es gibt eine zweite Ausführung mit einem 56-mm-Objektiv und identischem Produktname.)
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| Das Absehen G2B ist MilDot-ähnlich |
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| Im Absehen MSR2 sind Zusatzinformationen enthalten |
Mittelrohr und Absehen
Das Mittelrohr hat 34 Millimeter Durchmesser und kommt mit 270 Höhenklicks. Eine Umdrehung am Höhenturm liefert 150 Höhenklicks.
Das Absehen liegt in der ersten Bildebene. Es sind zwei Absehen zur Auswahl: Das sog. G2B ist ein klassisches MilDot-Absehen. Das MSR2 basiert auch auf MIL, besitzt jedoch Zusatzinformationen, die zum Entfernungsschätzen dienlich sein können, sowie ein zweites Fadenkreuz zehn MIL tief unter dem Hauptkreuz.
Der kleinste Parallaxenausgleich liegt bei einer Entfernung von fünfzig Meter. Das Steiner ist druckwasserdicht bis zwanzig Meter, stoßfest bis neunhundert G und besitzt eine Stickstofffüllung.
Fazit
In diesem praxisnahen Test erwies sich das Steiner M7Xi als Qualitätsprodukt, das dem Anwender die Arbeit erleichtert. Der testweise Einsatz im Langdistanzbereich erfolgt im Laufe des Jahres.









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