Montag, 4. April 2022

Handbuch für die gefährlichsten Orte der Welt

 
Handbuch für die gefährlichsten Orte der Welt
von Rosie Garthwaite

Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Bloomsbury Berlin; 2. Auflage (2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3827010360
Preis: 19,90 Euro
Originaltitel: How to avoid being Killed in a Warzone
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Die englische Journalistin Rosie Garthwaite veröffentlicht in diesem Buch eine Reihe von Erfahrungen und Ratschlägen, die sie in jahrelanger Arbeit in Krisengebieten entweder persönlich oder im Austausch mit Kollegen gesammelt hat. Rosie Garthwaite selbst sagte einmal, das sei das Buch, welches sie zu Beginn ihrer Laufbahn gern besessen und gelesen hätte. Die Autorin hat einen Schreibstil, der den Leser sehr gut in die Thematik einführt; ohne zu langweilen oder belehrend zu wirken. Der trockene Humor trägt das Übrige zur guten Lesbarkeit bei.
Plattitüden sucht der Leser vergeblich. Es bleibt natürlich nicht aus, dass Rosie Garthwaite Themenbereiche erläutert, die dem Leser bereits bekannt sind, für die es tiefergehende Fachliteratur gäbe, oder, die unter Zuhilfenahme des gesunden Menschenverstandes, genauso gelöst worden wären. Aber gerade diese Form der Vollständigkeit und Voraussetzungsfreiheit zeichnet das Buch aus.
Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist das hochwertige Layout. Das Taschenbuch besitzt einen festen Einband, der mit einem Gummiband verschlossen werden kann. Die Papierqualität ist makellos, der Druck zweifarbig. Manche Kapitel sind durch sinnvolle Bilder und Grafiken in ihrem Informationsgehalt verstärkt. Die Vermutung drängt sich auf, dass die Autorin möchte, dass dieses Buch nicht nur als Ratgeber, sondern auch als Talisman den Weg mit ins Handgepäck findet.
Von den insgesamt fünfzehn Kapiteln dürfte Kapitel 8 „Liebe und Sex in kritischen Situationen“ das am meist gelesene sein.
Die deutsche Übersetzung des Buches ist ebenso makellos, wie das Layout. Wer mit Übersetzungen ins Deutsche aber grundsätzlich Probleme hat, kann auch zur englischen Originalausgabe mit dem Titel „How to Avoid Being Killed in a War Zone“ greifen. (hh)

Freitag, 1. April 2022

Akademie 0/500: Neues Kursmodul Car Gunfight

 



Ab Sommer 2022 hat Akademie 0/500 ein neues Kursmodul im Portfolio. Das eintägige Seminar behandelt alle Aspekte zum Kampf um ein Fahrzeug herum und aus dem Fahrzeug heraus. Der Munitionsansatz wird zwischen 300 und 500 Schuss für das Gewehr liegen und bei etwa 100 für Pistole.
Einen besonderen Schwerpunkt bildet das Schießen durch die Frontscheibe während der Fahrt. Wir nutzen dazu die Autobahn A1 zwischen Hamburg und Köln. Teilnehmer können sich uns anschließen und in der Nähe ihres Wohnorts auffahren. Das mindert die Sprit- und Reisekosten etwas.

Pilotkurs
Im März fand ein Pilotkurs statt. Entgegen der sonstigen Gepflogenheiten bei Akademie 0/500 wurde dabei ein Schulungsvideo erstellt: https://www.youtube.com/watch?v=p47ONDlR9aY



Stimmen unserer Teilnehmer aus dem Pilotkurs
Alex G. (Schweiz): „Bei uns in der Schweiz dürfen wir beim Schießen durch die Frontscheibe nur maximal 100 Kilometer pro Stunde fahren. Das ist öde. In Deutschland geht das bei voller Geschwindigkeit.“

Martin K.: „In unserem Schützenverein sind immer alle zu besoffen, um noch fahren zu können. Also bleiben nur die Kurse bei 0/500.“

Chris V: "Gutes Konzept! Es fallen keine teuren Mietgebühren für Schießstände an."

Arne M.: "Ehy, machstdu Scheibe kabudd, oderwas?"

Service
Anmeldungen ab Mai möglich

Mittwoch, 30. März 2022

Die Waffenkultur – Ausgabe 63 (März/April 2022)

 

Ausgabe 63 (März/April 2022)

 

Die März/April Ausgabe hat folgenden Inhalt:

Infanterieporträt (6): Spetsnaz
Die Präsentpistole: Automatische Pistole „Z“ (6,35 mm Browning)
Unkonventionelle Schießposition: Brokeback Prone
Surgical & Speed: Neue Lehrinhalte im Pistolenmodul
Kein Blackout mit OA: OA-15 M10 in 300BLK
Riemenmontage an einer Flinte: African Carry
PumIR: Wärmebildvorsatzgerät von Andres Industries
Recht: Waffenkauf im Ausland
OPSEC: TOZZ & NOZZ
Die Basis: Rucksack TT Base Pack 52
Das Kalenderblatt: Ein halbes Jahrhundert AK-74
Buchempfehlung: „Geschichte der Russischen Panzerwaffe 1919 bis heute“ und
„How to avoid being Killed in a Warzone“

http://waffenkultur.com

Dienstag, 29. März 2022

Langzeittest: Black Label M4 – Nr. 156

 

Gewehrkurs (½ & ½ Drill)

Gesamtschusszahl: 16.130 + 240 = 16.370
Davon mit SD: 860
Neuer Lauf bei: 13.400

Störungen Typ I: 0
Störungen Typ II: 0
Störungen Typ III: 0
Störungen Typ IV: 0



Nach längerer Pause absolvierte das Black Label M4 wieder eine Trainingssitzung. Auf einem Gewehrkurs von Akademie 0/500 wurden einige Übungen mit der Waffe vorgeschossen. Unter anderem der ½ & ½ Drill und die Übung Rifleman. Die Schussbelastung erhöhte sich insgesamt um 240 Schuss. Das Black Label wurde mit offener Visierung geschossen. Trotz eines erheblichen Verschmutzungsgrades funktionierte das Black Label einwandfrei.



Beim Rifleman zeigten sich Trainingsdefizite insbesondere bei der Schützenpräzision. Die offizielle Auswertemethode für die Standardübung „Rifleman“ besagt: Hätte das Einschussloch mit einem Kaliber .30 (7,62) das Ziel angerissen, zählt es als Treffer. Somit zählen die umkreisten Schusslöcher gerade noch als Treffer; die beiden durchgekreuzten nicht mehr. Allerdings, das 100-Yard- und 200-Yard-Ziel aus dem Liegendanschlag heraus nicht zu treffen, ist reine Dummheit des Schützen.



Der ½ & ½ Drill konnte fehlerfrei absolviert werden. Die Referenzzeiten wurden teils deutlich unterschritten:
Teilübung 1): 7,9 Sekunden (Vorgabe 10 Sekunden)
Teilübung 2): 4,1 Sekunden (Vorgabe 5 Sekunden)
Teilübung 3): 2,34 Sekunden (Vorgabe 2,5 Sekunden)

Archiv
Beginn des Langzeittest im September 2014

Mittwoch, 23. März 2022

Die Geschichte der russischen Panzerwaffe

 

Die Geschichte der russischen Panzerwaffe: 1919 bis heute
von Victor Schunkow


Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Motorbuch; 1. Edition (November 2021)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3613044180
Preis: 29,90 Euro
Bestellung: amazon

Dieser Tage gibt es in unserem Land nicht nur Achtzig Millionen Fußballbundestrainer, sondern auch Achtzig Millionen Militäranalysten, Kriegsstrategen und sonstige Halbtags-Experten. Ganz unabhängig vom Untersuchungsgegenstand beginnt jedes Expertenwissen aber mit den Grundlagen.
„Die Geschichte der russischen Panzerwaffe“, eine Neuerscheinung des Motorbuchverlags vom November 2021, liefert umfassendes Grundlagenwissen zu allen sowjetischen und russischen Panzertypen der vergangenen einhundert Jahre. Auf den über 500 Abbildungen und zahlreichen bisher unbekannten Fotos werden neben den Grundlagen auch detailreiche Informationen an den Leser weitergegeben.
Nach einer Einführung und allgemeinen Schilderungen zu den ersten Tanks auf dem Schlachtfeld, gliedert sich das Buch in sechs Hauptkapitel, die jeweils eine Epoche in der Entwicklung abgrenzen. Am Ende des Buchs steht eine Liste der Panzerverbände der modernen russischen Armee.
Die einzelnen Epochen sind: Aufbau der sowjetischen Panzerwaffe in den 1920er und 1930er Jahren / Die Modernisierung am Vorabend des Zweiten Weltkriegs / Der Große Vaterländische Krieg / Die Entwicklung nach 1945 / Die UdSSR in der Perestroika sowie die Motorisierten Schützen- und Panzerverbände der Russischen Föderation.
Letztgenanntes Kapitel dürfte für den zeitgenössisch interessierten Beobachter und Leser den größten Erkenntnisgewinn bergen. Der Militärhistoriker Victor Schunkow beschreibt hier den Zustand der russischen Panzerverbände seit dem ersten Tschetschenienkrieg 1995 und deren kontinuierliche Weiterentwicklung bspw. über die Reform in 2008. Im Zuge dieser Reform wurden eine bessere Mobilität, Koordination und Führbarkeit der Streitkräfte erreicht, aber auch eine Vereinfachung der Befehlshierarchie. Natürlich alles in Verbindung mit einer erheblichen Aufstockung des Militärbudgets. Selbstredend behandelt dieses Kapitel den Kampfpanzer T-14 Armata, die Schützenpanzer T-15 und Kurganez-25 sowie den Radschützenpanzer K-16 Bumerang und alle modernisierten Versionen bereits eingeführter Modelle.
Die geschützten Fahrzeuge Tigr, Rys, Wolk, Medwed, Tornado und Taifun werden ebenfalls in Wort und Bild beschrieben.
Wer über Zustand, Ausrüstung, Stärke oder Kampfkraft der russischen Panzerwaffe mitreden will, sollte dieses Buch lesen. (hh)


Dienstag, 15. März 2022

Akademie 0/500®: Neue Inhalte im Surgical Speed Shooting

 

Seit zwei Jahren bietet Akademie 0/500® das Kursmodul Surgical Speed Shooting an. 0/500 reagiert damit auf die gestiegene Nachfrage nach einer umfassenden und ganzheitlichen Schießausbildung mit der Pistole. Vermittelt werden dabei auch Aspekte, die beim Schießen sonst gern vergessen werden



Im Ursprung geht das Kursformat auf die US-amerikanische Trainerlegende Andy Stanford zurück. Im Gesamtprogramm von Andy Stanford war der Surgical Speed Shooting das Flaggschiff. Dieser 2-tägige Pistolenkurs wurde jedes Jahr im Sommer im niederösterreichischen St. Pölten durchgeführt. Für viele Teilnehmer war dieses Kursmodul der Augenöffner, wie einfach es sein kann, mit einer Pistole präzise und zugleich schnelle Treffer anzubringen.
Die jährlichen Veranstaltungen in St. Pölten sind unter der Bezeichnung „Combat Week“ in die Geschichte eingegangen. Mit Rücksicht auf die Außenwirkung wurde der Name zwischenzeitlich in „Defense Week“ geändert.

Fünf Meter, zehn Mal ein Schuss aus dem Holster,
keine Zeitbegrenzung aber eine möglichst kleine
Gruppe mit max. Daumenbreit ist die Anforderung
im 100-m-Simulationsdrill


Neue Lehrinhalte
Seit dem Jahr 2020 wird der Surgical Speed Shooting unter Federführung von Akademie 0/500 wieder angeboten. Zahlreiche Lehrinhalte Andy Stanfords wurden aufgegriffen und bilden durch andere Elemente ergänzt, das Lerngerüst für zwei Tage. Selbst im internationalen Vergleich ist der Surgical Speed Shooting ein Format der Kurzwaffenausbildung; vornehmlich Pistole; auf besonders hohem Niveau. Die Inhalte sind umfassend und bilden eine ganzheitliche Schießausbildung ab.

Grundlage
Die Grundlage von allem ist der präzise Einzelschuss. Der Anwender muss die Methode verstanden haben, die zu einem präzisen Einzelschuss führt und muss diese Fertigkeiten auch anwenden können. Schnelle Schussfolgen oder Schüsse über weite, pistolenuntypische Distanzen sind nur machbar, wenn der präzise Einzelschuss zu jedem beliebigen Zeitpunkt abgerufen werden kann. Neben dem Training von Grundfertigkeiten und dem Entwickeln einer effizienten Schießtechnik spricht das Programm des Surgical Speed Shooting auch Aspekte an, die beim Schießtraining sonst gern ausgeklammert werden.

Die typische Grifftechnik an einer Pistole,
wie sie durch Rob Leatham, Andy Stanford
und andere entwickelt wurde


Mentale Stärke
Das Entwickeln von mentaler Stärke ist ein relativ neuer Lehrinhalt, der erst Ende 2021 Einzug in das Kursprogramm hielt.
Oftmals ist zu beobachten, dass Teilnehmer zwar das Prinzip der vier Grundfertigkeiten Visierbild / Haltepunkt / Abkrümmen / Nachzielen verstehen, aber an der Umsetzung scheitern. Das Problem ist hier selten motorisch bedingt, sondern mental. Die Ursachen liegen in einer inkompetenten „Erstausbildung“, wo dem Waffenbesitzer eine Schussangst und auch eine regelrechte Angst vor der Waffe anerzogen wurden.
Im Kurs wird auf eine Methode zurückgegriffen, der sich auch Leistungssportler bedienen. Mit einem Erkläraufwand von nicht mehr als zehn Minuten werden den Teilnehmern die Grundzüge dieses Mentaltrainings erläutert. Unterm Strich entsteht eine Wechselwirkung: Regelmäßiges Schießtraining trägt dazu bei, mentale Stärke zu entwickeln. Mentale Stärke hilft dem Schützen, die richtigen Fertigkeiten zu jedem beliebigen Zeitpunkt abrufen zu können.

Inkompetenzmatrix
Die Inkompetenzmatrix ist ein weiterer Ausbildungsabschnitt theoretischer Natur und soll zur besseren Selbsteinschätzung beitragen. Dieser modellhafte Erklärungsversuch geht ebenfalls auf die Kurse von Andy Stanford zurück. Die praktische Bedeutung könnte auch mit einem Augenzwinkern betrachtet werden. In einem Umfeld, in dem sich jeder für einen Experten hält, sollte hinterfragt werden, ob Gelerntes wirklich konditioniert und automatisiert angewandt werden kann. Ist das nicht der Fall, müssen diese Defizite verstärkt trainiert werden. Man geht zurück in den 3. Quadrant.
Werden Fähigkeits- oder Kompetenzlücken festgestellt, muss ein Schritt zurück in den 2. Quadranten erfolgen. Man sucht Aus- oder Weiterbildung.
Weiß man um die Bedeutung der Inkompetenzmatrix und hat eine grundlegende Bewusstheit erworben, ist ein Rückfall hin zum Ignorant in den ersten Quadranten kaum möglich.

Die Inkompetenzmatrix: Ein modellhafter Erklärungsversuch
zur besseren Selbsteinschätzung



Die 3 Säulen persönlicher Sicherheit
Obwohl der Surgical Speed Shooting Kurs ausdrücklich keine Selbstverteidigungsaspekte welcher Art auch immer beleuchtet, werden je nach Bedarf und Aufnahmefähigkeit der Teilnehmer die drei Säulen eines privaten Sicherheitskonzeptes angesprochen sowie die vier wesentlichen Gefährdungsformen genannt. Auch dieser Abschnitt ist rein theoretischer Natur und soll vor allem zur Schulung der Wahrnehmungsfähigkeit im privaten Umfeld beitragen.

Einfachheit und Minimalismus
Ob Grundfertigkeiten, Schießtechnik, Mentaltraining, Inkompetenzmatrix oder privates Sicherheitskonzept, bei Akademie 0/500 steht immer die Philosophie von Einfachheit und Minimalismus im Vordergrund. Zur Erklärung von Konzepten oder Methoden braucht es keine stundenlangen Erklärungen. Nur mit einfachen Prinzipien hat man Erfolg. Ein Konzept muss innerhalb von zehn Minuten erklärbar und mit einer einfachen Skizze darstellbar sein. Andernfalls stiehlt man seiner Teilnehmerschaft nur die Zeit.

Service
Das Kursmodul Surgical Speed Shooting findet einmal pro Monat statt. Für die zwei Tage sind etwa 500 Schuss erforderlich. Aktuell sind für die Kurse in Königs Wusterhausen Anfang Mai und in St. Pölten Anfang Juli noch einige Restplätze frei.

Termine 

Artikel zum Originalkurs von Andy Stanford

Der 100-Meter-Simulationsdrill

Die Inkompetenz-Matrix

 

Samstag, 12. März 2022

Helikon-Tex: TRIP Shirt - Nylon Blend

 

Wenn Du glaubst, alles über Herrenoberhemden zu wissen und alles gesehen zu haben, kommt Helikon-Tex mit einer Produktinnovation aus der Kurve, die Dich in ernsthaftes Erstaunen versetzt. Das Nylon Trip Shirt aus der „Urban Line“ setzt qualitativ neue Maßstäbe



Von Arne Mühlenkamp

Als der polnische Ausrüster Helikon-Tex vor etwa 14 Jahren sein IWA-Debut hatte, war der Stand gerade einmal drei mal drei Meter groß und bot kaum etwas anderes als Military-Surplus Bekleidung; wenn auch damals schon sehr preisgünstig und zu guter Qualität. Seither sind die Messestände, so wie Helikon selbst, von Jahr zu Jahr gewachsen. Die Produktpalette wurde breiter und von immer besserer Qualität. Heute vertreibt Helikon-Tex acht verschiedene Produktlinien. Darunter unter anderem die „Patrol Line“ für militärische Bekleidung oder die „Bushcraft Line“ mit Ausrüstung, die zum Überleben in freier Natur dienlich sein kann. Die Oberhemden mit ihrem durchweg zivilen Erscheinungsbild gehören zur „Urban Line“. Nach eigenem Bekunden steht bei der Urban Line der „Low Profil“ Gedanke im Vordergrund. Die Kleidungsstücke sollen unauffällig aber dennoch modisch sein und nicht zuletzt einen taktischen Zusatznutzen für ihren Träger haben.
Einer Konstante, der Helikon-Tex trotz steter Weiterentwicklung über die letzten Jahre treu geblieben ist, sind die innovativen Produkte in höchster Verarbeitungsqualität zu einem günstigen Preis.

In der oberen Rückenpartie gibt es
aufwendig eingenähte Belüftungsöffnungen


Das Hemd neu definiert
Für manche Leute ist alles, was vorn Knöpfe hat und seitlich zwei Ärmel ein Hemd. Helikon-Tex definiert spätestens mit dem so genannten Trip Shirt den Begriff „Hemd“ neu. Ohne Übertreibung darf gesagt werden, dass das Modell Trip Shirt in den beiden Colorits Rot und Indigo neue Maßstäbe in Sachen Verarbeitungsqualität und Verarbeitungsmerkmalen setzt.

Die Knöpfe sind verlustsicher an
einem durchlaufenden Band angenäht


Grundware
Das Trip Shirt besteht aus einer leichten Nylon-Polyester-Mischung mit Elastan Anteil. Wodurch das atmungsaktive Hemd nicht nur zu einem idealen Begleiter für warme bis heiße Tage wird, sondern auch sehr pflegeleicht ist. Durch eine spezielle Appretur hat Helikon dem Shirt eine seidenähnliche Haptik gegeben.

Neben dem Colorit Rot gibt es das
Trip Shirt auch noch in Indigo Blau


Schnitt
Die Ellenbogenpartie des Langarmhemdes ist doppellagig ausgeführt. Die beiden Brusttaschen sind mit Reißverschlüssen verschlossen und haben jeweils einen seitlichen Zugriff. Sie sind groß genug für Dokumente im DIN A6 Format oder auch etwas größer, wie bspw. Notizbücher. Eine Stifttasche gibt es ebenfalls beidseitig. Die Knöpfe sind verlustsicher an einem durchlaufenden Band angenäht. Die Schulterpartie ist innen durch einen Mesh-Einsatz verstärkt. In der oberen Rückenpartie gibt es dafür aufwendig eingenähte Belüftungsöffnungen.
Auch der Bereich unter den Armen ist zur besseren Ventilation mit Mesh-Einsätzen versehen. Der Kragen offenbart beim Aufschlagen ein weiteres Extra: Er besitzt eine zusätzliche Falte. Im hochgeschlagenen Zustand schützt er bei Bedarf somit das Genick vor sengender Sonneneinstrahlung. Ein Extra, das man sich schon hin und wieder einmal gewünscht hätte, wenn man den ganzen Tag auf einer Schießbahn ohne jeden Schatten zubringt.

Mesh-Einsätze unter den Armen
verbessern die Ventilation


Versteckte Taschen
Zwei Taschen, die man nur findet, wenn explizit darauf hingewiesen wird, befinden sich an der Seitennaht des Hemdes im unteren Bereich und schließen mit dem Stoß ab. Die Taschen sind etwa drei Finger breit und ebenfalls Fingerlang.

Fazit
Versprochen: Es wird nicht beim Kauf von nur einem Nylon-Blend Trip Shirt bleiben. Hat man eines, kauft man sich die entsprechende Komplementärfarbe noch dazu. Die exklusive Haptik macht das Hemd zu etwas Besonderem. Genauso, wie zahlreichen Details und Extras.

Daten
Gewicht: 300 Gramm
Material: 52 Nylon / 42 Polyester / 6 Elastan
Stoffgewicht: 104 Gramm / m²
Farben: Indigo und Rot
Preis: ca. 68 Euro

Mehr dazu in „Die Waffenkultur“ Nr. 62

Freitag, 18. Februar 2022

Kleine Abzugskunde: Double-Action Only Abzüge

 

In der waffentechnischen Entwicklung von Abzugssystemen nimmt der Double-Action Only (DAO) Abzug eine Sonderstellung ein. Welche Vor- oder Nachteile haben DAO-Pistolen? Sind sie als Gebrauchswaffen oder zur Selbstverteidigung geeignet? Können DAO-Abzüge die Lernkurve im Training steigern?

Der österreichische Entwickler Gaston Glock perfektionierte
in den 1970er Jahren das Schlagbolzenschloss mit seinem
Patent des Safe-Action® Abzug, was auch als teilvorgespannter
Double Action Only Abzug beschrieben werden kann


Schlagbolzenschloss
Das Schlagbolzenschloss kann beschrieben werden als ein Zündsystem, bei dem der Schlagbolzen ohne Einwirken eines außen (oder inne) liegenden Schlagstücks, sondern nur durch Federkraft seinen Weg gen Zündelement nimmt. Frühe Schlagbolzenschloss Systeme waren zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts insbesondere in den zahlreichen Taschenpistolen weit verbreitet. Die Schlagbolzenfeder wurde dabei durch die Repetierbewegung des Schlittens (Verschluss) gespannt. Die meisten Pistolen dieses Typs hatten zumindest eine manuelle Sicherung, die mit dem Daumen umgelegt werden musste. Einige Modelle, wie bspw. die FN1910, hatten zusätzlich noch eine Griffrückensicherung. Bei den Ortgies-Pistolen diente die Griffrückensicherung in Doppelfunktion als Griffspanner. Erst durch Eindrücken der Griffrückensicherung wurde die Schlagbolzenfeder fertiggespannt.

Die SIG Sauer P250 ist eine typische Double Action Only
Pistole mit einer hervorragenden Abzugscharakteristik


Single Action
Bei einem Single Action Abzugssystem wird der Schlagbolzen durch die Energiezufuhr eines meist außen liegenden Schlagstücks beschleunigt. Ist das Schlagstück in vorderer Position angekommen, muss es erneut gespannt werden, was bei Pistolen dieses Systems ebenfalls durch die Repetierbewegung des Schlittens geschieht. Eine typische Vertreterin ist das Pistolenmodell Colt M1911 A1.

Ein Schuss und zwei Schuss pro Sekunde sind problemlos machbar.
Erst bei vier Schuss pro Sekunde gerät der permanent lange Weg
des DAO Abzugs zum Nachteil


Double Action / Single Action
Das Abzugssystem DA/SA fand seit Ende des 19. Jahrhunderts im Revolverbau Anwendung. Beim Single Action Abzug muss der Abzugsfinger keine Kraft aufbringen, um das Schlagstück zu spannen. Er löst die im Schlagstück gespeicherte Energie nur aus. Beim Double Action System hingegen überwindet der Finger teils deutliche Federkraft, um das Abzugssystem zu spannen und in direkter Folge auch auszulösen. Weshalb man auch vom sog. Spannabzug spricht. Als Vorteile des Spannabzug Systems wird vor allem genannt, dass die Schlagbolzenfeder nicht permanent unter Spannung steht und es somit zu keiner ungewollten Schussabgabe durch eine herunter fallende Waffe kommen könne. Eine Vertreterin dieses Systems, die es buchstäblich zu Weltruhm gebracht hat, ist die Pistole Walther PP aus dem Jahr 1929. DA/SA Pistolen haben typischerweise ein außen liegendes Schlagstück. Diese Konstruktion bringt eine weitere Notwendigkeit mit sich. Die Pistole muss über einen Entspann-Mechanismus verfügen, der gewährleistet, dass ein gespanntes Schlagstück jederzeit gefahrlos zurück in seine Ruherast gebracht werden kann. Bei den meisten DA/SA Pistolen passiert das über eine Doppelfunktion des Sicherungsflügels. Pistolenmodelle des Herstellers SIG Sauer bspw. haben als zusätzliches Bedienelement einen sog. „Entspannhebel“. Verfügen DA/SA Pistolen über keine Entspann-Möglichkeit, wie z.B. die Modelle CZ75, gelten sie aus Anwendersicht als reine Single Action Pistolen.
Welche Variante auch gewählt wird, DA/SA Pistolen erfordern immer einen Mehraufwand in der Ausbildung. Die Waffen verfügen über zwei grundverschiedene Abzugscharakteristiken, die vom Bediener erlernt werden müssen. Ebenso muss das Bedienen des Entspann-Mechanismus geübt werden, das es auch in Stresssituationen sicher funktioniert.

Leichte Abzüge machen weder die Waffe
noch den Schützen präziser


Teilvorgespannte DAO
Teilvorgespannte Double Action Only Abzüge sind eine Sondervariante, die dennoch eine weite Verbreitung gefunden haben. Die Schlagbolzenfeder im inneren des Systems wird durch das Zurücklaufen des Schlittens bereits vorgespannt. Dieses teilvorgespannte System wird erst durch das Betätigen des Abzugs fertiggespannt. Der Abzugsfinger überwindet also Federkraft, bevor der Schuss ausgelöst werden kann; was per vorheriger Definition als Double Action System zu bewerten ist.
Die bekannteste Vertreterin dieser Kategorie ist die Glock Pistole aus dem Jahr 1980 mit ihrem patentierten Safe-Action® Abzug. Abzugscharakteristik und Abzugsgewicht sind bei jedem Schuss identisch. Der Abzugsweg, den der Finger zurücklegen muss, ist relativ gering. Die Pistole verfügt über keine zusätzlichen externen Bedienelemente, wie Sicherungsflügel oder Entspannhebel. Dennoch ist sie aufgrund ihrer drei internen Sicherungen eine sehr sichere Waffe. Die Glock Pistole fällt gleichermaßen in Kategorie „Schlagbolzenschloss“. Im Vergleich zu ihren Vorgängerinnen vom Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts, ist das Schlagbolzenschloss jedoch weiterentwickelt und perfektioniert.

Die Standardübung 100-m-Simulation ist
auch mit schweren Abzügen zu erfüllen


DAO
Eine Sondervariante, die den Durchbruch im Pistolenbau nicht geschafft hat, ist der Double Action Only Abzug. Die Idee hinter dieser Konstruktion beruht auf einer Schwachstellenanalyse des DA/SA Abzugssystems: Um das Ausbilden von zwei grundverschiedene Abzugscharakteristiken zu vermeiden, werden DAO Pistolen nur mit einem Double Action Abzug ausgestattet. Das bedeutet, der Anwender überwindet bei jedem Schuss die maximale Federkraft des Spannabzugs und geht ebenfalls bei jedem Schuss den maximalen Abzugsweg und zwar bis zum Auslösen und wieder zurück. Eine typische Vertreterin ist die SIG P250 DAO.

Die Ortgies Pistole hatte, wie andere Pistolen ihrer Epoche
auch, vor einhundert Jahren schon ein Schlagbolzenschloss


Trainingseffekt
Abzüge, bei denen das Abzugsgewicht verringert wurde, machen weder die Waffe noch den Schützen präziser. Leichte Abzüge kaschieren lediglich einen vorhandenen Abzugsfehler, beseitigen ihn aber nicht.
Im Training regelmäßig Abzüge mit einem hohen Abzugswiderstand zu benutzen, führt hingegen zu mehr Konzentration auf das Abkrümmen, was der Entwicklung hin zu einer guten Abzugskontrolle eher dienlich ist. Testreihen beweisen, dass Standardübungen auch mit einem Abzugsgewicht von drei Kilogramm ohne Präzisionsverlust absolviert werden können.
Um diesen Trainingseffekt zu erreichen, können Glock-Schützen, zumindest zeitweise, einen New-York Trigger mit höherem Abzugsgewicht in ihre Glock Pistole einbauen.

Auch kleine Double Action Only Revolver können sinnvolle
Trainingsinstrumente zur Verbesserung der Abzugskontrolle
sein (Bild: Ruger LCR-22 in .22lfB)

Trotz kurzer Visierlinie, dem schweren DAO-Abzug und
minimaler Grifffläche des kleinen Taschenrevolvers,
ist der DotDrill relativ gut zu bewältigen


Fazit
Harte Abzüge sind ein hilfreiches Trainingstool für ambitionierte Pistolenschützen. Einige Trainingseinheiten mit einem deutlich schwereren Abzug zu bewältigen, schult die Abzugskontrolle, überwindet Trainingsnarben und kann letztlich zu einer Positiv-Konditionierung des Abzugsfingers führen. Wichtig ist dabei vor allem eine richtige und sorgfältige Durchführung der Trainingseinheiten. DAO-Abzüge sind daher auch eine Option für Gebrauchswaffen. Der einzige Nachteil liegt aufgrund des permanent längeren Abzugswegs bei schnellen Schussfolgen jenseits von zwei Schuss pro Sekunde.

Glock-Schützen können zumindest zeitweise einen New-York Trigger
mit höherem Abzugsgewicht in ihre Glock Pistole einbauen,
um einen höheren Trainingseffekt zu erreichen


Lernen auch mit schweren Abzügen 2 Treffer pro Sekunde anzubringen

Mehr dazu in „Die Waffenkultur“ Nr. 62

Freitag, 11. Februar 2022

Goldstandard: ELCAN Specter 1x/4x

 

„Was schraub` ich auf mein AR?“ Diese Frage stellen sich AR-15 Besitzer nicht nur einmal. Einsatzzweck und Budget können zwei hilfreiche Wegweiser im Optiklabyrinth sein. Wer eine universal einsetzbare Visiereinrichtung sucht ohne Nachteile in Kauf zu nehmen, muss tief in die Tasche greifen



Fast jeder hat schon einmal von der Premium Optik Specter 1x/4x des kanadischen Herstellers ELCAN gehört. Und alle möchten eine haben; bis der Blick auf das Preisschild fällt. Das ELCAN ist unverschämt teuer; aber gut. So die landläufige Meinung. Wer die Optik aber einmal in verschiedenen Einsatz- und Distanzbereichen getestet hat, gibt sie nicht wieder her. Die ELCAN Specter Optiken bilden in der Tat den Premiumbereich ab. Und die Bezeichnung Goldstandard trifft vermutlich auch auf die Wertstabilität der Anlage zu.

Die Seitenverstellung befindet sich am Gerät vorn und
kann mit einer Münzen oder Patronenhülse bedient werden.
Das Stellrad für die Höhe ist ohne Werkzeug handhabbar.
Es kann über eine Sperrklinke fixiert werden. Der Umschalthebel
von 4x zu 1x ist intuitiv mit dem Daumen bedienbar


ELCAN
Die kanadische Firma gehört zum 1922 gegründeten US-amerikanischen Rüstungskonzern Raytheon und ist spezialisiert auf die Produktion von optischen und elektronischen Bauteilen. Der Firmenname ELCAN setzt sich aus Ernst Leitz Canada zusammen. Das Unternehmen wurde 1952 unter Beteiligung der Ernst Leitz Firmengruppe Wetzlar im kanadischen Bundesstaat Ontario gegründet.
Die Specter® Zieloptiken sind dabei nur eine Fertigungslinie des Konzerns. Umgangssprachlich hat sich für die Optiken allerdings auch der Name ELCAN etabliert. Neben dem 1x/4x gibt es noch weitere Varianten. Nach oben wird die Linie durch das ELCAN Specter DR 1.5x/6x ergänzt. Nach unten existieren Varianten mit fixer 4-fach bzw. fixer 6-fach Vergrößerung sowie 1-fach vergrößernden Rotpunktoptiken. Die Abkürzung DR steht für Dual Role und gibt einen Hinweis auf die zwei Einsatzbereiche: Schießen in Nahdistanz mit 1-fach Vergrößerung und die Möglichkeit eines präzisen Schusses über größere Entfernungen aufgrund der 4-fach Vergrößerung.
Seit etwa 2018 auf dem Markt ist des Weiteren das ELCAN Specter TR 1/3/9. Beim Specter TR handelt es sich um ein schnell von 1x auf 3x und 9x Vergrößerung umschaltbares Zielfernrohr. Die Abkürzung TR steht dabei für Triple Role. Der Kaufpreis bewegt sich beim TR zwischen 3.500 und 3.800 Euro.

Bei ELCAN Zieloptiken ist eine Spannmontage von ARMS inkludiert.
Bei einem Zielfernrohr müsste sie extra beschafft werden. Die
Sperrklinke der Höhenverstellung ist im Bild entriegelt


Doppelrolle
Die unkomplizierte Umschaltbarkeit der Vergrößerung ist das Alleinstellungsmerkmal der ELCAN „Dual Role“ Linie. Kein anderer Hersteller hat etwas Vergleichbares im Programm. ELCAN bezwingt damit einen fortwährenden Kompromiss, zu dem Anwender genötigt werden. Bisher musste die Beschaffungsentscheidung für eine Optik an Prioritäten ausgerichtet werden. Erfolgt der Schusswaffeneinsatz überwiegend im Nahbereich bis zweihundert Meter, ist eine Vergrößerung nicht unbedingt erforderlich. Erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, auch Ziele im Distanzbereich des infanteristischen Halbkilometers bis zu 500 oder 600 Meter wirksam unter Feuer zu nehmen, ist eine 4-fache Vergrößerung zumindest zur Zielidentifikation hilfreich. Andere am Markt erhältliche Produkte versuchen diesen Kompromiss mit einem vorgeschalteten Vergrößerungsmodul (Magnifier) oder einem Zielfernrohr mit variablen Zoom zu glätten. Beide Optionen erreichen jedoch nicht einmal im Ansatz die Anwenderfreundlichkeit, wie ein ELCAN Dual Role.

Das Absehen erinnert an ein ZF. Der Nutzer hat die Wahl,
nur den Punkt zu beleuchten oder das Fadenkreuz


Specter DR 1x/4x
Die Ausführung DR 1x/4x ist etwa 15 Zentimeter lang, wird inkl. einer ARMS-Spannmontage ausgeliefert und wiegt 670 Gramm. Der Augenabstand beträgt sieben Zentimeter. Die Klickverstellung für Höhe und Seite wird vom Hersteller mit ½ MOA angegeben. Im Praxistest konnten diese Klickmaße nahezu exakt verifiziert werden.
Als Energiequelle dient eine DL 1/3 N. Die Betriebsdauer soll damit 3.000 Stunden betragen. Die neuen Ausführungen des ELCAN nehmen eine Batterie des Formats CR2302 auf.

Drei Hochleistungsoptiken, die unterschiedlich nicht sein
könnten: Das minimalistische Aimpoint Micro (unten) besitzt
keine Vergrößerung. Das Vortex 1-6x24 Razor HD ist stufenlos
von einfacher bis sechsfacher Vergrößerung verstellbar.
Das ELCAN 1x/4x vereint die Vorteile von einfach vergrößernden
Optiken mit denen von vierfach vergrößernden


Absehen
Das Absehen verfügt über ein Fadenkreuz mit ballistischen Haltemarken für 300 / 400 / 500 und 600 Meter. Die 200-m-Haltemarke wurde zu Gunsten einer besseren Übersichtlichkeit weggelassen. Bei 4-facher Vergrößerung entspricht die Breite jedes Haltemarkenstriches einer Zielbreite von 48 Zentimeter. Die Haltemarken für 700 / 800 / 900 und 1.000 Meter sind mit einem Kreis versehen. In der praktischen Anwendung dienen sie als Haltemarken für das Schießen mit einem MG oder die Feuerart „Schnelles Einzelfeuer“.
Kalibriert sind die ballistischen Absehen des Specter entweder für das Kaliber 5,56 mit einem 62 gr. schweren Vollmantelgeschoss oder für das Kaliber 7,62 mit einem 147 gr. Vollmantelgeschoss. Die Information, für welches Kaliber das jeweilige ELCAN konfiguriert ist, wird vom Hersteller zusätzlich mit ins Absehen eingeätzt.
Beleuchtet wird das Absehen mittels LED. Wahlweise kann das Fadenkreuz oder der Rotpunkt beleuchtet werden. Der Rotpunkt ist bei 4-facher Vergrößerung 1,5 MOA groß. Die Einschussdistanz des ELCAN Specter DR 1x/4x beträgt 100 Meter.
Darüber hinaus besitzt das Absehen den sog. „Vertical Subtention Optical Rangefinder“ (VSOR). Der geübte Gewehrschütze kann mit Hilfe dieser Strichplatte bei gewählter 4-fach Vergrößerung Entfernungen schätzen. Die Abstände entsprechen jeweils einer Zielhöhe von 76 Zentimeter.
Für Anwender, die bisher lediglich mit einer offenen Visierung oder mit einer Rotpunktoptik gearbeitet haben, wirkt das ELCAN-Absehen mit seiner Informationsflut anfangs etwas überfrachtet. Insbesondere beim Arbeiten auf kurze Entfernungen muss der Schütze lernen, diese zusätzlichen Informationen zu ignorieren. Die sprichwörtliche Brillanz des Absehens sowie die klare Kontur des Rotpunktes unterstützen den Schützen dabei deutlich.

Vorsicht Falle: Wird eine federgelagerte Klappkimme versehentlich
ausgelöst, drückt diese von unten gegen das ELCAN. Eine erhebliche
Treffpunktverlagerung ist hier die Folge


Praxistest
Das ELCAN absolvierte als Zieloptik auf der Langzeittestwaffe Black Label M4 über mehrere Monate fast 1.000 Schuss im Praxistest. Dabei wurde es auf Entfernungen zwischen fünf und 700 Meter eingesetzt. Geschossen wurden verschiedene Standardübungen, wie der 5/1 Drill, ½ & ½ Drill, Delta Drill oder die Übung Rifleman. Während Standardübungen auf kurze Distanz auch mit einer puristischen Eisenvisierung fehlerfrei erfüllt werden können, spielt das ELCAN mit der schnellen Umschaltbarkeit von 1x auf 4x Vergrößerung seinen größten Vorteil bei Präzisionsübungen, wie dem „Rifleman“ aus. Der Hebel dafür ist ergonomisch sinnvoll platziert.
Die ballistischen Haltemarken stimmen für das Kaliber 5,56 bei einem Geschossgewicht von 62 gr. auffallend. Die 500-m-Haltemarke erzeugt bei 500 Meter tatsächlich einen recht genauen Fleckschuss. Die besten Streukreise auf 500 Meter lagen bei 85 Millimeter. Das entspricht einer Systemstreuung von 0,2‰. Andere Streukreise lagen bei etwa 0,4‰, was für das M4 typisch ist und auf 500 Meter in Gruppen von 16 bis 24 Zentimeter resultierte. Genutzt wurde die 4-fache Vergrößerung.



Fazit
Wer eine Optik für alle Distanz- und Einsatzbereiche sucht und die Investition von 2.800 Euro nicht scheut, muss sich das ELCAN Specter DR 1x/4x kaufen. Als Anwender hält man sich damit eine absolut brauchbare und sinnvolle Visieroption für den infanteristischen Halbkilometer offen. Die Brillanz des Absehens sucht selbst bei Zielfernrohren der Premiumhersteller ihres Gleichen.

 

„Rifleman“: Das fehlerfreie Absolvieren dieser
Standardübung wird mit dem ELCAN zum Kinderspiel


Technische Daten
Hersteller: ELCAN
Modell: Specter DR 1x/4x
Absehen: ballistisch mit LED beleuchtet
Länge: 15 cm
Gewicht ohne Montage: 670 g
Augenabstand: 70 mm
Klickverstellung: ½ MOA
Einschießentfernung: 100 Meter
Energiequelle: DL 1/3 N oder CR2302
Preis (UVP): 2.999 Euro