Sonntag, 5. September 2021

Die Ortgies-Pistole: Die Glock der 1920er Jahre

 

Die Ortgies besitzt keine Schraube, kann ohne Werkzeug zerlegt werden und besteht aus gerade einmal 28 Einzelteilen. Die von Heinrich Ortgies um 1916 entwickelte und unter der Deutsche Werke AG produzierte Pistole ist wahrlich die Glock der 1920er Jahre



Nimmt man es genau, besitzt selbst eine Glock Pistole mindestens eine Schraube. Die Ortgies Selbstladepistole, die bis 1923 gefertigt wurde, dagegen keine einzige. Ein weiteres Merkmal der Ortgies ist die Zerlegbarkeit ohne Werkzeug und die Tatsache, dass dabei gerade einmal 28 Einzelteile entstehen; das Magazin nicht mitgerechnet. Vergleicht man die Ortgies mit anderen Pistolen ihrer Epoche, ist dieses Merkmal besonders beachtlich und zeigt die Fortschrittlichkeit der Gesamtkonstruktion. Darüber hinaus weist die Ortgies-Pistole kaum außenliegende Bedienelemente auf. Lediglich eine Sicherung, die gleichzeitig als Verschlussstücksperre (Zerlegeknopf) dient und die Handballensicherung wären zu nennen.

Zeitgenössische Darstellung der Ortgies-Pistole
im Kaliber 7,65 mm Browning


Laufwechselmöglichkeit
Ein Alleinstellungsmerkmal erfährt die Ortgies-Pistole aufgrund ihrer Laufwechselmöglichkeit. Im teilzerlegten Zustand kann der Anwender den .380 Auto Lauf mit einem Handgriff gegen einen Lauf des Kalibers 7,65 mm Browning austauschen. Der Lauf ist dabei das einzige Bauteil, welches getauscht werden muss. Ein Wechsel der Schließfeder ist nicht erforderlich. Und sogar das Magazin, welches in der Originalbeschreibung als „Laderahmen“ bezeichnet wird, ist für beide Kaliber kompatibel.

Die Ortgies-Pistole im Kaliber .380 Auto mit
Handballensicherung im gesicherten Zustand

Handballensicherung deaktiviert. Zum neuerlichen
Aktivieren muss der Sicherungsknopf gedrückt werden


Produktionsende 1923
Diese konstruktive Besonderheit der Laufwechselmöglichkeit wurde der Waffe und damit dem Hersteller zum Verhängnis. Pistolen im Kaliber neun Millimeter waren im Sinne des Versailler Vertrags als verbotene Gegenstände deklariert. Die Produktion dieser einzigartigen Waffe musste daher 1923 bei einer Gesamtstückzahl von etwa 446.000 Exemplaren eingestellt werden.

Die Ortgies teilzerlegt


Deutsche Werke AG
Die Deutsche Werke AG war eine Zusammenfassung von 13 ehemaligen Heeres- und Marinewerkstätten nach dem Ende des Weltkriegs, deren Produktion auf zivile Güter umgestellt wurde. In diesen Firmenbund integriert war auch die Gewehrfabrik Erfurt, die ab 1921 die von Heinrich Ortgies entwickelte Pistole mit Patent und auf den Maschinen der Firma H. Ortgies & Co. am Standort Erfurt weiterproduzierte.
Eine Fußnote der Weltgeschichte ist, dass später unter Beteiligung der AEG die Produktion auf Büromaschinen umgestellt wurde und ab 1937 das Schreibmaschinenmodell „Olympia“ und im Zweiten Weltkrieg die Chiffriermaschine Enigma hergestellt wurden.

Nur der Lauf muss gewechselt werden.
Schließfeder und Magazin sind kaliberkompatibel

Das Magazin nimmt sowohl die .380 Auto als
auch die 7,65 mm Browning auf



Varianten
Die Ortgies-Pistole gibt es in drei Kalibern: Als Taschenpistole im Kaliber 7,65 mm Browning (neun Schuss im Magazin) und im Kaliber neun Millimeter Kurz (.380 Auto) mit acht Schuss im Magazin. Die subkompakte Taschenpistole ist für das Kaliber 6,35 mm Browning eingerichtet und fasst ebenfalls acht Patronen.
Eine weitere Ausführung, die speziell für Polizeikräfte gefertigt wurde, besitzt eine zusätzliche Druckknopfsicherung auf der linken Waffenseite direkt oberhalb der Griffschale. Die Griffschalen wiederum sind mit Schrauben befestigt, wodurch sich die „Behördenausführung“ der Ortgies eindeutig abhebt. Bspw. wurden mit dieser Waffe Sicherheitskräfte der Tschechoslowakischen Republik ausgestattet.

Die Laufwechselmöglichkeit ergibt sich über eine
absolut spielfreie, bajonettartige Schwenkverriegelung


Produktbeschreibung
Die Gebrauchsanweisung der Ortgies äußert sich im Eingangstext wie folgt: „Die Ortgies-Pistole vereint in sich alle bisherigen Errungenschaften der Pistolentechnik. Die Mängel anderer Systeme sind bei ihr vermieden. Dazu sind Neuerungen aufgenommen, die in Verbindung mit sauberster Ausführung diese Pistole zu einer Verteidigungswaffe ersten Ranges machen.“
Und weiter: „Die Ortgies-Pistole gehört zur Gruppe der Selbstlader mit federndem Verschluss, sie hat also keine Verriegelung. Dieses System hat sich als das im Gebrauch bei weitem zuverlässigste erwiesen.
Die Vorzüge der Pistole:
1. Wenige und solide Teile
2. Gute Lage in der Hand
3. Festgelagerter und starkwandiger Lauf, daher größte Schussgenauigkeit
4. Auswechselbarkeit aller Teile
5. Weiche Vorholfeder, daher leichtes Spannen
6. Sicherung durch teilweises Entspannen der Schlagfeder und Festlegen der Stange: Keine andere Pistole hat diese Einrichtung
7. Sie ist im gesicherten Zustande sofort schussbereit. Man braucht in der Gefahr nicht an das Entsichern zu denken. Das Entsichern erfolgt durch festes Umfassen des Griffes. Nur bei den Pistolen, an denen auf besonderen Wunsch eine zweite Sicherung angebracht ist, muss diese erst ausgeschaltet werden, was durch einen bequem gelegenen Druckknopf leicht zu bewerkstelligen ist
8. Anzeigevorrichtung, dass die Pistole geladen, nicht, dass sie gespannt ist. Das Geladensein macht die Pistole gefährlich, nicht das Gespanntsein. Der geladene Zustand ist sichtbar und fühlbar. Die ungespannte Pistole lässt sich nicht sichern, weil es unnötig ist
9. Sie kann in gesichertem Zustande geladen und entladen werden
10. Nichtvorhandensein von Schrauben
11. Vornehmes und geschmackvolles Äußeres, keine vorspringenden Teile, keine Öffnungen, durch die Schmutz in das Innere eindringen könnte
12. Leichte Zerlegbarkeit in sämtliche Teile ohne Gebrauch eines Werkzeuges, daher bequemes Reinigen, desgleichen rasches und leichtes Zusammensetzen.“

Schlagbolzen mit Schlagbolzenfeder


Visierung
Die Visierung ist aus dem Vollen gefräst und somit weder austauschbar noch verstellbar. Sie genügt dem Anspruch an eine Taschenpistole zu Verteidigungszwecken vollkommen. Das Visierbild war ausreichend, um die Standardübung Dot Drill fehlerfrei zu schießen.

Die beiden Griffschalen können durch das Lösen
des Griffschalenhalters entfernt werden


Ladestandsanzeiger
Spätere Modelle der Ortgies-Pistole besitzen einen Ladestandsanzeiger. Befindet sich eine Patrone im Patronenlager, verriegelt der Verschluss nicht bündig. Er steht um 0,8 Millimeter nach hinten vom Griffstück ab. Diese Verschlussstellung ist sichtbar und fühlbar. Es handelt sich dabei keineswegs um eine Waffenstörung.

Auch nach einhundert Jahren ist die Ortgies noch
ein Handschmeichler in höchster Verarbeitungsqualität


Sicherung
Die Handballensicherung im Griffrücken ist für Pistolenmodelle der Epoche des beginnenden Zwanzigsten Jahrhunderts nichts Ungewöhnliches; die Colt M1911 A1 hatte sie ebenso wie die FN Modelle 1910 und 1922.
Die Ausführung an der Ortgies ist jedoch bemerkenswert. Wurde die Handballensicherung deaktiviert, aktiviert sie sich beim Loslassen nicht wieder automatisch von selbst. Erst durch das Drücken des Sperrknopfes wird die Sicherung wieder aktiviert. Ausführendes Bauteil für die Aktivierung der Handballensicherung ist die Schlagbolzenfeder.
Der Hersteller empfahl damals, die Waffe grundsätzlich ohne Patrone im Patronenlager zu führen. Aufgrund der Sicherung, wäre ein Führen im fertiggeladenen Zustand aber dennoch möglich. Dazu musste nach dem Zuführen einer Patrone lediglich der Knopf der Sicherungssperre gedrückt werden. „Was sich dem Ohr infolge des Zurückschnellens der Sicherung deutlich bemerkbar macht.“, so die Bedienungsanleitung. Im gesicherten Zustand ist die Pistole teilweise entspannt, wodurch die Schlagfeder stark entlastet wird. Keine andere Pistole der Epoche verfügte über dieses Merkmal.
Im Grunde handelt es sich hierbei um ein „teilgespanntes System“, das erst durch Drücken der Handballensicherung fertiggespannt wird.

Das Modell links zeigt die Ladestandsanzeige bei „Patrone im Patronenlager“
durch den 0,8 Millimeter überstehenden Verschluss. Die Griffschalen weisen
die Initialen des Firmengründers aus: H. O. für Heinrich Ortgies.
Am rechten Modell ist die aus dem Vollen gefräste Visierung zu erkennen


Druckknopfsicherung
Die zusätzliche Druckknopfsicherung der „Behördenausführung“ wirkt unmittelbar auf die Handballensicherung. Ein Deaktivieren der Handballensicherung ist unmöglich, solange die Druckknopfsicherung aktiviert ist.

Die subkompakte Taschenpistole wurde nur
im Kaliber 6,35 mm Browning gefertigt


Zerlegen
Das Zerlegen der Ortgies ist simpel und erfordert kein Werkzeug. Zuerst wird das Magazin (Laderahmen) entfernt und eine etwa im Lauf befindliche Patrone herausrepetiert. Nach Herstellerangabe ist sodann die Schlagfeder zu entspannen indem der Abzug abgeschlagen wird. Jetzt kann der Verschluss nach hinten abgezogen werden. Dazu greift die rechte Hand das Griffstück und drückt den Sperrknopf (Sicherungsknopf / Zerlegeknopf) ein. Die linke Hand zieht den Verschluss so weit zurück, bis der vordere Strich der Riffelung mittig über dem Sicherungsknopf liegt. Jetzt kann der Verschluss angehoben und nach vorn abgenommen werden. Wichtig ist: Der Daumen oder Zeigefinger der linken Hand sollte dabei auf der Rückseite der Verschlussbaugruppe liegen, um den Verlust der Schlagbolzenfeder zu vermeiden. Die Ortgies-Pistole kann grds. im gespannten Zustand zerlegt werden.
Der Lauf kann entfernt werden, indem er eine Vierteldrehung (90 Grad) nach links geschwenkt wird.
Die beiden Griffschalen sind geklemmt und können durch das Lösen einer Sperre (Griffschalenhalter), die sich im Magazinschacht befindet, entfernt werden.

Mit ihren 28 Bauteilen (ohne Magazin) und der kompletten Zerlegbarkeit
ohne Werkzeug ist die Ortgies ein Meilenstein im Pistolenbau


Waffentechnische Versuchsstation
Die Waffentechnische Versuchsstation Neumannswalde bescheinigte der Ortgies: Die Schussleistung und Funktionierung lassen nichts zu wünschen übrig. Die Pistole Ortgies stellt einen bedeutenden Fortschritt in der Waffentechnik dar.

Deutsche Versuchsanstalt für Handwaffen
Die Deutsche Versuchsanstalt für Handwaffen in Berlin-Halensee schreibt: Die Ortgies-Pistole ist eine sehr gut durchkonstruierte, sicher und zuverlässig arbeitende Waffe. Sie bedeutet einen Fortschritt der Waffentechnik. Sie ist als Taschenpistole für jedermann durchaus zu empfehlen.

Die Nomenklatur der Teile



Fazit
Die Ortgies-Pistole ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Einfachheit im Aufbau sowie der Handhabung deuten auf einen Weg im Waffenbau, der bis heute relevant ist. Es bedarf keiner Erwähnung, dass die Ortgies den Dot Drill fehlerfrei absolvieren kann. Trotz ihrer einfachen Visiereinrichtung. Die hohe Ausbringungsmenge von fast 500.000 Pistolen in einem relativ kurzen Produktionszeitraum von nicht einmal fünf Jahren, dürfte eine weitere Besonderheit für dieses Pistolenmodell darstellen.


Technische Daten
Modell: Ortgies
Hersteller: H. Ortgies & Co. und Deutsche Werke AG - Werk Erfurt
Produktionszeitraum: 1919 bis 1923
Waffenart: Selbstladepistole (feststehender Lauf, unverriegelter Masseverschluss)
Abzugssystem: Single-Action (teilvorgespanntes System)


Kaliber: 7,65 mm Browning und .380 Auto
Stückzahl: etwa 263.000
L x B x H: 165 x 21 x 110 Millimeter
Lauflänge: 91 Millimeter
Visierlinie: 140 Millimeter
Gewicht: 628 Gramm
Magazinkapazität: 9 bzw. 8 Patronen


Kaliber: 6,35 mm Browning
Stückzahl: etwa 183.000
L x B x H: 133 x 19 x 85 Millimeter
Lauflänge: 69 Millimeter
Visierlinie: 120 Millimeter
Gewicht: 390 Gramm
Magazinkapazität: 8 Patronen

Mehr dazu in Waffenkultur Nr. 59

Donnerstag, 12. August 2021

Fighting Fit: Hochintensivtraining (HIT)

 

Intensitätssteigerung ist eine Möglichkeit, im Fitnesstraining neue Impulse zu setzen und somit den Trainingserfolg zu erhöhen. Mit der Methode des Hochintensivtrainings gelingt das sogar, ohne zusätzliche Zeit investieren zu müssen aber dabei das Verletzungsrisiko dennoch gering zu halten

 

(Bild: U.S. Marine Corps)



Hochintensivtraining bietet eine Reihe von Vorteilen. Es ist vor allem zeiteffizient. In einer relativ kurzen Trainingssitzung von 20 bis 30 Minuten kann durch die Kombination sehr unterschiedlicher Übungen ein Ganzkörpertraining absolviert werden. Sauerstoffaufnahme und Fettverbrennung sind signifikant höher, als beim konventionellen Training. Die regelmäßige Durchführung von HIT Einheiten hat ein messbares Absenken der Ruheherzfrequenz zur Folge.
Durch die Kombinationsmöglichkeiten aus einer Vielzahl von Grundübungen entsteht Variantenreichtum, bei dem das Training auch langfristig niemals langweilig wird. Außerdem besteht so die Möglichkeit, an bestehenden Verletzungen „vorbei zu trainieren“, aber dennoch regelmäßig ein Ganzkörpertraining zu absolvieren. Der Platzbedarf entspricht der Fläche eines großen Bade- oder Handtuchs. Teure Fitnessgeräte oder gar „High-End“ Maschinen sind nicht erforderlich.
Und: Man muss kein „Fitnesssportexperte“ sein, um HIT Einheiten durchzuführen. Schon mit einfachen Übungen stellt sich ein anfänglicher Trainingserfolg ein. Nennenswerte Nachteile birgt die HIT Methode nicht.


Kettlebell, Sandsack und TRX-Schlingentrainer
(hier TRX Force Kit) sind im Fachhandel erhältlich und
aufgrund ihrer Unzerstörbarkeit eine einmalige Investition



Der HIT Zirkel
Ein HIT Zirkel ist eine Aneinanderreihung verschiedener Grundübungen, von denen beliebig viele Runden (Zirkel) absolviert werden können. Diese Grundübungen sollten bewusst einfach gehalten sein, eine bestimmte Wiederholungszahl besitzen und ohne nennenswerte Pause absolviert werden. Alternativ zu einer festgelegten Wiederholungszahl kann auch für jede Übung ein bestimmter Zeitansatz (bspw. 20 bis 60 Sekunden) gewählt werden.
Üblich sind drei bis zehn verschiedene Grundübungen. Wurde der Zirkel einmal durchlaufen, beginnt man von vorn. Man spricht dabei auch von Runden.
Besteht der Zirkel aus lediglich drei Übungen, können durchaus acht bis zehn Runden geturnt werden. Beinhaltet der Zirkel hingegen acht bis zehn Übungen, genügen auch zwei oder drei Runden. Ein Hochintensiv-Zirkeltraining sollte demnach gesamt 20 bis 30 Minuten dauern. Im Ausnahmefall und dem Trainingszustand entsprechend auch länger.
Die Fitnessübung „The Murph“ (Hier) ist in diesem Sinne auch ein HIT Zirkel; wenn auch auf Fortgeschrittenenniveau.


Im Combat Fitness Test (CFT) hat der U.S. Marine eine
ca. 15 Kilogramm schwere Munitionskiste in zwei Minuten
mindestens 67 Mal zu stemmen (weibliche Marines: 30 Mal)
(Bild: U.S. Marine Corps)



Altersgerechte Belastung
Hochintensivtraining bedeutet nicht zwangsläufig Training an der Belastungsgrenze. Ganz im Gegenteil: Die Auswahl der Übungen ermöglicht eine altersgerechte Belastung. Ab einem bestimmten Lebensalter und entsprechend zahlreichen Vorverletzungen ist das Trainingsziel nicht mehr unbedingt der Aufbau, sondern der Erhalt einer Grundfitness. Je nach Allgemeinzustand des Bewegungsapparates lassen sich auch mit einer altersgerechter Belastung unabwendbare Operationen noch einige Jahre hinauszögern.


Übergroße LKW-Reifen zu bugsieren, bringt ungeahnte Belastungen
und macht Spaß. Erfordert aber auch ein entsprechend großes
Trainingsareal (Bild: U.S. Marine Corps)



HITT Methode
Wem die minimalistische HIT Methode für zu Haus nicht mehr ausreicht, der fügt ein weiteres „T“ hinzu. Aus Hochintensivtraining wird High Intensity Tactical Training (HITT). Eine gute Grundfitness und ein stabiler Bewegungsapparat sind hier Voraussetzung. In den Trainingszirkel können neben reinen Körpergewichtsübungen diverse Zusatzgeräte integriert werden. Kettlebell, Sandsack oder ein TRX-Schlingentrainer sind dabei die erste Wahl für einen Privathaushalt und den ambitionierten Freizeitsportler. Diese Trainingsutensilien sind im Fachhandel erhältlich und aufgrund ihrer Unzerstörbarkeit eine einmalige Investition.
Für die Mietwohnung im Mehrfamilienhaus eher weniger geeignet sind übergroße LKW-Reifen, Vorschlaghammer oder Lastschlitten.



(Bild: U.S. Marine Corps)



Trainieren wie die U.S. Marines
Mit High Intensity Tactical Training wird versucht, typische Bewegungsmuster des militärischen (taktischen) Alltags zu simulieren, um eine gezielte Kräftigung des soldatischen Bewegungsapparates zu erreichen sowie das Verletzungsrisiko im Dienst zu verringern. Die HITT Methode des U.S. Marine Corps beinhaltet daher u.a. das Stemmen oder beidhändige Tragen von Munitionskisten (etwa 15 Kilogramm) oder das Wegschleifen eines Verwundeten. Die Entstehung von HITT beim U.S. Marine Corps reicht zurück ins Jahr 2006. Es wurde nach Wegen gesucht, Fitnesstraining grundsätzlich besser in den Dienstalltag zu integrieren und dabei funktionale Übungen zu verwenden, welche die körperliche Belastung im Kampfgeschehen eher unterstützen.
Diese Entwicklung führte zu vollausgestatteten „HITT Centers“ an den einzelnen Standorten der Marines und zu sog. „HITT Lockers“. Diese Trainingscontainer sind mit allem ausgestattet, was zum funktionalen Training erforderlich ist und können mit in das Einsatzgebiet verbracht werden.

Ressourcen
Anregungen für sinnvolle Körpergewichtsübungen sind leicht zu finden. An erster Stelle seien die Fitnessbücher von Mike Diehl „Bodyweight Training“ und „Fitter – Stärker – Schlanker“ und „Einfach Fit. Training ohne Geräte“ empfohlen. Das Buch „Military Fitness: Trainieren wie die Kampfschwimmer“ von Torsten Schreiber und Andreas Aumann gehört ebenfalls zur Standardliteratur in diesem Bereich.
Die „HITT Methodology“ kann ebenso wie das „CFT Prep Guidance“ der U.S. Marines als gleichnamige .pdf im Internet frei heruntergeladen werden.







Fazit
Die Kombination einfacher Körpergewichts-Grundübungen sowie eine Übungsabfolge ohne nennenswerte Pausen, ist das Geheimnis des Erfolgs von Hochintensivtraining. Das Verletzungsrisiko bleibt gering. Zeit- und Geräteansatz sind minimalistisch.

Service
https://www.fitness.marines.mil//



Freitag, 6. August 2021

Fighting Fit: Pilates-Training


Die Trainingsmethode „Contrology“ des Joseph Hubertus Pilates ist heute nur noch landläufig als „Pilates“ bekannt, massenweise interpretiert und oft falsch verstanden. Richtig angewandt ist das mittlerweile einhundert Jahre alte Konzept ein hocheffizientes Ganzkörpertraining




Joseph Pilates (1883 bis 1967) gehörte zu den großen Vordenkern in Sachen Körperkultur, Breiten- und Fitnesssport. Seine Ideen waren revolutionär und sein Konzept findet heute noch Anwendung. Pilates hinterließ nach seinem Tod am 9. Oktober 1967 kaum Aufzeichnungen. Alles musste aus dem spärlich vorhandenen Archivmaterial bzw. den zwei kurzen Publikationen von Joseph Pilates rekonstruiert werden. Heute existieren zahlreiche Lehrmeinungen zum Pilates-Training. Was allen gemeinsam ist, sind die sechs grundlegenden Prinzipien: Atmung, Konzentration, Zentrierung, Kontrolle und Präzision sowie Bewegungsfluss. Pilates-Training vertritt demnach zwar auch eine Verknüpfung von Körper und Geist, wer sich dafür aber nicht geeignet hält, filtert den rein körperlichen Aspekt der Methode für sich heraus und konzentriert sich auf die Muskelarbeit und die anatomisch korrekte Ausführung der Übungen. Pilates-Training ist kein Dogma.

Effizienz
Was Pilates-Training so effizient werden lässt, ist die Durchführbarkeit an jedem Ort und zu jeder Zeit. Gerätschaften sind nicht erforderlich, der Platzbedarf ist minimal und entspricht dem eines großen Badetuchs und Turnbeutelvergesser können sich nicht herausreden, dass sie keine Sportkleidung dabei hätten; die ist nämlich nicht nötig. Freizeitkleidung ist völlig ausreichend.

Beginn
Will man sich der Pilates-Methode nähern, gibt es zwei Wege. Entweder man sucht sich einen Trainer, dessen Kompetenz man mehr oder weniger einschätzen kann oder man tut es autodidaktisch anhand von Fachliteratur. Die ist zahlreich. Ein sehr empfehlenswertes Buch kommt von Copress Sport aus dem Stiebner Verlag in Grünwald und heißt Pilates Anatomie.

Pilates Anatomie
Das Buch gliedert sich in insgesamt zehn Kapitel. Die ersten drei Kapitel gehen auf die Grundsätze der Methode ein, die Ausrichtung des Körpers, auf die Muskeln und die Bewegungsanalyse.
Die Beschreibung der so genannten Mattenarbeit beginnt ab Kapitel vier. Mattenarbeit bedeutet im Pilates die eigentliche Ausführung der Übungen.
Im Buch werden diese Übungen unterteilt in die Kapitel Bauchmuskelübungen (5), Feinartikulation der Wirbelsäule (6), Brückenübungen für die Wirbelsäule (7), Übungen in Seitenlage (8) und Streckübungen (9). Jedes dieser Kapitel besitzt die gleiche Struktur und folgt einer gleichen Systematik, welche vorab in Kapitel drei erklärt wurde. Zum besseren Verständnis sollte daher vorm autodidaktischen Übungsbeginn Kapitel drei gelesen worden sein.

Struktur und Systematik
In jedem Kapitel sind Einzelübungen beschrieben, welche die drei Schweregrade Basis / Mittelschwer und Fortgeschritten ansprechen.
Jede Einzelübung wird ausführlich dargestellt. Auch dabei ist die Struktur gleichbleibend: Die Ausführung wird beschrieben, Zielmuskeln und Nebenmuskeln werden aufgeführt, ergänzenden Erläuterungen zur Technik folgen Übungshinweise und abschließend werden noch Varianten der Übungen gezeigt, sofern vorhanden.
Das Besondere am Buch Pilates Anatomie sind aber die durchgehend farblich illustrierten anatomischen Zeichnungen.



Nutzung und Ziel
Pilates Anatomie ist sehr gut als Handbuch zur Anleitung für das eigene Training nutzbar. Anhand dieser detaillierten Darstellungen ist es auch für Beginner machbar, die Mattenarbeit anatomisch korrekt auszuführen. Und im weiteren Verlauf eigene Trainingsprogramme zu erstellen. Im zehnten und letzten Kapitel werden dazu tabellenartige Vorschläge unterbreitet.
„Um Bewegungen sanft und fließend durchführen zu können, musst du dich in jedem Moment auf jeden einzelnen Punkt, jeden Muskel deines Körpers konzentrieren. Nur so gelingt es, die Kontrolle über jeden Aspekt eines jeden Trainingsmoments zu erlangen.“, soll Joseph Pilates einmal gesagt haben.

Pilates im Leistungssport
Die Anhängerschaft der Pilates-Trainingslehre hat sich seit der Jahrtausendwende vervielfacht. Schon lange nicht mehr ist Zielgruppe begrenzt auf den Freizeit-oder Reha-Sport. Auch Leistungssportler weltweit ergänzen ihr eigenes Trainingsprogramm mit Pilates. Bekannt sind bspw. der Golfspieler Tiger Woods, Christiano Ronaldo (Fußballspieler bei Juventus Turin), Harry Kane (Fußballspieler bei Tottenham Hotspurs) oder der Tennis-Profi Roger Federer.

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Buchdetails
Pilates Anatomie: Illustrierter Ratgeber für Stabilität und Balance
von Rael Isacowitz und Karen Clippinger
Taschenbuch: 208 Seiten
Verlag: Copress (August 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3767910669
Preis: 24 Euro


Montag, 2. August 2021

Tasmanian Tiger Maine Jacket

 

Die Softshell Jacke Tasmanian Tiger Maine ist ultraleicht und Slim und kommt in höchster Verarbeitungsqualität daher. Die Produktneuheit aus deutschen Landen könnte mit ihrem modischen Schick und dem geringen Packmaß durchaus auch Softshell-Skeptiker überzeugen

Die Tasmanian Tiger Maine Jacket in
steingrau-oliv (Foto: Hersteller)



Von Arne Mühlenkamp

Der Begriff Softshell Jacke ist genauso dehnbar, wie die Jacken selbst. Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Allerdings hat jeder Outdoor-Hersteller meistens zwei Modelle in seiner Angebotspallette. Eine gefütterte und eine leichte, ungefütterte Variante. Softshell Jacken stehen im Ruf, alles zu können, aber nichts davon richtig. Sie sind nie absolut wasserdicht, nie völlig windabweisend und als warme Außenschicht für Extremtemperaturen keine reale Alternative. Hier liegt die Abgrenzung zu den so genannten Hardshell Jacken. Eine Hardshell ist auf einen oder mehrere Einsatzzwecke hin optimiert. Sie hält Regenwetter länger stand und ist winddicht, was meist mit einer geringeren Wasserdampfdurchlässigkeit erkauft wird. Oder die Hardshell ist eine Jacke mit hohem Wärmerückhalt für „Extreme Cold Weather Conditions“ (ECWC) mit einem Einsatzbereich für unter minus zwanzig Grad Celsius, was sie für alle anderen Temperaturbereiche untragbar werden lässt.

Softshell Einsatzspektrum
Eine Softshell hingegen hat ihr Einsatzspektrum eindeutig im Freizeitbereich und bei unbeständigen aber sonst meist gnädigen Mitteleuropamischwetter. Jacken dieses Typs werden als äußere Schicht getragen und verkraften schon mal einen leichten Regenschauer, etwas Wind und je nach Dicke der untergezogenen Mittelschichten auch Temperaturen bis nahe an den Gefrierpunkt. Sie sind daher ideale Begleiter für alle Freizeitaktivitäten, bei denen der Anwender weiß, dass er nach einigen Stunden ohnehin wieder ein Dach über dem Kopf haben wird, auch wenn die Regensäule des Obermaterials dem Platzregen nicht standgehalten hat.
Der Freizeitzielgruppe entsprechend sollen die Jacken natürlich auch modisch schick aussehen. Da sich Softshell Jacken herstellerübergreifend im Preisbereich um die einhundert Euro plus/minus Zwanzig Euro bewegen, spaltet sich die markenkonditionierte Anwenderschaft am sehr individuellen Punkt des modischen Schicks.



Einen kleinen Regenschauer verträgt die Softshell Jacke,
auch wenn sie keine ausgewiesene Regenjacke ist


Tasmanian Tiger
Der deutsche Hersteller Tasmanian Tiger ist bekannt für seine professionelle Militär- und Polizeiausrüstung und die anwenderorientierte Entwicklungsarbeit. Die neue Softshell im Programm heißt Maine Jacket. Sie ist ungefüttert und daher besonders leicht. Gerade einmal 350 Gramm bringt die Kapuzenjacke auf die Waage. Entsprechend klein ist ihr Packmaß, was sie wiederum zu einem perfekten Gefährte im Rucksack oder der Handtasche werden lässt.

Slim Fit Passform
Die Passform ist modisch an „Slim Fit“ angelehnt. Zu Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit kommt es jedoch nicht. Das Material ist 4-Wege-elastisch und macht sprichwörtlich jede Bewegung mit. Beim Erstkontakt entsteht berechtigte Skepsis, ob das Obermaterial mit seiner Leichtigkeit und filigranen Haptik überhaupt eine nennenswerte Schutzfunktion ausüben kann. Die Zweifel verfliegen beim ersten Tragen. Die windabweisende Funktion ist sofort spürbar. Die Jacke eignet sich hervorragend als Außenschicht auch über kurzärmeliger Kleidung, wenn der Sommerwind wieder einmal unerwartet kalt zieht. Zu dem bekannt unangenehmen Feuchtegefühl auf der Haut aufgrund mangelnder Wasserdampf-Undurchlässigkeit kommt es jedenfalls nicht.
Der durchgängige Reißverschluss geht in die Kapuze über, wodurch die Hals- und Kinnpartie bei Bedarf Hoch geschlossen werden kann. Zusätzlich ist der Reißverschluss zum besseren Windschutz mit einer Leiste unterlegt.
Die Ärmel münden in elastische Bündchen und sind lang genug. Die TT Maine Jacket kann auch von hochgewachsenen Personen getragen werden.


Die Flauschklettflächen an beiden Oberarmen sind
in X-Form geschnitten



Taschenkonfiguration
Die Jacke hat zwei Frontschubtaschen Links / Rechts auf Bauchhöhe. Die Taschenbeutel sind aus Mesh-Gewebe gefertigt und auf der Jackeninnenseite so abgenäht, dass zwei Innentaschen entstehen, in denen bspw. eine faltbare Wanderkarte untergebracht werden kann.
Die Flauschklettflächen an beiden Oberarmen sind ein interessantes Detail. Für eine Gewichtsreduzierung sind diese nicht rechteckig, sondern in X-Form geschnitten. Damit tragen sie auf den Jackenärmeln auch nicht so dick auf.  

Packbeutel
Der mitgelieferte Packbeutel nimmt die Softshell bequem auf und hat ein Packmaß vom Volumen einer 1-Liter-Trinkflasche.

Fazit
Viel Knowhow in einer ultraleichten Jacke. Kritiker, die bisher meinten, eine Softshell kann nichts und nicht einmal das richtig und dem Jackentyp deswegen eher ablehnend gegenüber standen, dürfen sich mit der TT Maine Jacket eines Besseren belehren lassen.

Service
https://www.tripleaction.de/tasmanian-tiger-maine-jacket/


Freitag, 30. Juli 2021

Die Waffenkultur – Ausgabe 59 (Juli/August 2021)

 

Ausgabe 59 (Juli/August 2021)


Die Juli/August Ausgabe hat folgenden Inhalt:

Infanterieporträt (2): Die U.S. Marines in Korea
Ortgies-Pistole: Die Glock der 1920er Jahre
Harte Jungs haben harte Abzüge: Der New-York-Trigger
Kenne das Limit: Munitionswechsel bei der Flinte
Standardübungen (21): Double-Distance-Drill
Virtus: Die SIG Sauer MCX in 11,5“
Einfachheit: Bedienkonzepte für Taschenlampen
Windbreaker: Tasmanian Tiger Maine Jacket
Masseuse für daheim: Nackenmassagegerät NM-089
Fighting Fit: Pilates-Training
Das Kalenderblatt: 70 Jahre Korea-Konflikt

http://waffenkultur.com

 

Mittwoch, 28. Juli 2021

Kurzvorstellung: Walther PDP (9x19)

 

Walthers Performance Duty Pistol hat die ersten eintausend Schuss hinter sich gebracht und ein Lächeln in das Gesicht des Testers gezaubert. Weitere eintausend Schuss folgen. Im September kommt der vollständige Artikel zur Walther PDP



Bisher genutzt wurde die Fullsize-Ausführung mit dem 4,5“ Lauf im Kaliber 9x19 und insgesamt 18 Schuss im Magazin.
Die Abmessungen der Pistole sind: 202 Millimeter Länge, 34 Millimeter Breite und 143 Millimeter Höhe. Das Gewicht mit leerem Magazin beträgt 760 Gramm. Die Visierlinie 176 Millimeter. Der Polygon-Lauf ist 115 Millimeter lang.
Als striker-fired pistol (Schlagbolzenschloss) besitzt die PDP den sog. Performance Duty Trigger mit einem Abzugsgewicht von etwa 2,5 Kilogramm.
Die Walther PDP ist für eine LPV-Montage vorbereitet und ist Co-Witness fähig. Der UVP beträgt 798 Euro

Die Walther PDP absolvierte bisher verschiedene Standardübungen:

Natürlich den 100-m-Simulationsdrill, fehlerfrei



Den 5/1-Drill



und den 3/3/3/3




Technische Daten (Quelle: Firma Carl Walther)




Mittwoch, 21. Juli 2021

Einsatzdistanzen bei Flinten

 

„Man muss die maximalen Einsatzdistanzen seiner Flinte kennen.“, ist bei 0/500® ein oft gehörtes Resümee nach einem Schießkurs Flinte Homedefense. Das betrifft sowohl Buck Shot als auch Flintenlaufgeschosse. Übungsintensiv wird es, wenn im praktischen Einsatz zudem noch ein Munitionswechsel erforderlich wird


Bis zu welcher Entfernung würde ich Buck Shot in einer
Verteidigungssituation mit mehreren bewaffneten Angreifern einsetzen?



Mit etwas praktischer Erfahrung endet der Einsatzbereich einer Flinte bei 30 Meter. Die Glattrohrwaffe in Verbindung mit einer manchmal rudimentären Visierung birgt jenseits der 30 Meter ein zu hohes Risiko für Fehlschüsse und damit für Kollateralschäden. Nur wenige Flintenmodelle besitzen eine Büchsenvisierung, mit der ein Mindestpräzisionsanspruch umgesetzt werden kann. Selbst die beliebten Ghost-Ring Visiere bedeuten schon einen Kompromiss. Mit der Visieroption „Perlkorn und sonst nichts“, werden sogar die erwähnten 30 Meter zu einer Herausforderung, die im Ernstfall nicht angenommen werden sollte.

Alles bleibt anders
Ein Umstand, der bei diesen Betrachtungen oft vernachlässigt wird: Jede Flinte erreicht mit jeder Munitionssorte andere Ergebnisse. Mitunter sind die Resultate von ein und derselben Munitionssorte verschossen aus zwei baugleichen Flintenmodellen komplett verschieden. Wie ein Versuch mit zwei Remington 870 Express und Postenschrotmunition von GECO zeigt.
Die Wirkungszonenmethode absolviert aus den Distanzen 5 / 7 / 10 / 12 / 15 und 17 Meter erzeugte ab der Entfernung zwölf Meter grundsätzlich andere Buck Shot Gruppierungen. Während die eine Remington 870 die Gruppen noch relativ eng beieinander hielt, vergrößerten sich Gruppen mit der zweiten Remington 870 ab zwölf Meter deutlich. Beide Flinten waren mit einem handelsüblichen Glattrohrlauf ohne Choke aber mit Büchsenvisierung bestückt.
Am Ende ist es Aufgabe des Anwenders, die beste Einsatzmunition individuell für seine Flinte zu finden und diese auch bei jedem Training zu nutzen.
Die Wirkungszonenmethode ist dabei das methodische Gerüst, um sehr praxisorientiert die maximale Einsatzdistanz von Buck Shot zu ermitteln.


Im typischen Nahbereich von fünf bis sieben Meter liefert
das Postenschrot der Munitionssorte GECO faustgroße Streukreise
(Waffe: Remington 870 Express)

Bei zehn und zwölf Meter sind die Gruppen zwar
etwas größer aber zueinander identisch

Erst bei 15 und 17 Meter verlassen
einzelne Posten das Blatt der Größe A4



Wechsel der Munitionssorte
Wird im Feuerkampf die Maximaldistanz für Buck Shot überschritten, muss ein Munitionswechsel auf Slug; also Flintenlaufgeschosse erfolgen.
Dieser Munitionswechsel ist ein schießtechnisches Element, das unbedingt in die Ausbildung und ins Training integriert werden muss. Die erforderlichen Waffenmanipulationen unterscheiden sich zum einen zwischen Repetier- und Selbstladeflinten. Zum anderen wird relevant, ob zum Zeitpunkt des Munitionswechsels das Röhrenmagazin komplett gefüllt ist oder bereits geschossen wurde.
Vergisst der Anwender den Munitionswechsel von Posten auf Slug, nimmt er eine nicht kalkulierbare Umfeldgefährdung aufgrund der Postenstreuung in Kauf. Mit der Standardübung Nr. 21 „Double-Distance-Drill“ kann der Munitionswechsel sinnvoll ins Training integriert werden.

Eine zweite Remington 870 Express liefert mit
der gleichen Munitionssorte schon ab zwölf Meter
signifikant größere Streukreise

Auf 15 und 17 Meter sind die Streukreise trotz
baugleicher Waffe deutlich größer als mit der
Remington 870 aus Testreihe 1



Praktikable Einsatzdistanz Slug
Durch die Verwendung von Flintenlaufgeschossen erhöht sich zwar die Einsatzdistanz, dennoch sollte die Flinte nicht in die Rolle eines Gewehrs gepresst werden. Im Training sollte wiederum eine Maximaldistanz für das Verschießen von Slugs definiert werden. Der Übungsaufbau dazu ist einfach: Beginnend bei zehn Meter erhöht der Anwender die Entfernung zum Ziel jeweils um weitere zehn Meter und gibt jedes Mal einen präzisen Einzelschuss aus einer Schießposition seiner Wahl ab. Als Zielmedium dient eine 10er-Ring-Scheibe. Erfahrungsgemäß und Flintenmodellübergreifend verlassen jenseits der 30 Meter die Flintenlaufgeschosse den inneren Teil der Scheibe. Flinten mit einer ordentlichen Büchsenvisierung oder einem LPV (Leuchtpunktvisier) haben hier Vorteile. Die Erfahrung lehrt darüber hinaus, dass sich Streukreise unter Stress und dem Einfluss von Angst mindestens verdoppeln. Wird im Training gerade noch so die 10er-Ring-Scheibe getroffen, reicht es im Einsatz vielleicht noch für Körpertreffer.

Bei zehn und 20 Meter liefert die Rem 870 saubere Fleckschüsse.
Aus 30 und 40 Meter wären Treffer im inneren Bereich noch machbar.
Spätestens ab 50 Meter wird der präzise Einzelschuss zu einem Wagnis.
(Der Treffer links tief ist ein Schützenfehler mit groben Reißen am Abzug)

Trotz guter Büchsenvisierung auf der Mossberg 590 A1
verlassen die Slugs jenseits der 30 Meter die
schwarze Zone der Ringscheibe



Rechts / Links
Wie beim Schießen mit der Kurzwaffe auch, sollte das Trainingsziel die ambidextere Waffenhandhabung sein. Das heißt, alle Waffenmanipulationen mit einer Flinte sollten sowohl aus der rechten Schulter als auch aus der linken Schulter heraus geübt und beherrscht werden. Das Kursprogramm eines Homedefense Trainings sollte diesem Aspekt spätestens ab Tag 2 Rechnung tragen.

Mindestpräzisionsanspruch: Die Remington 870 (oben)
besitzt eine hervorragende Büchsenvisierung



Fazit
Kenne das Limit. In Situationen, in denen es ums Ganze geht, muss man die Einsatzentfernungen seiner Flinte kennen. Bis zu welcher Distanz kann ich Buck Shot einsetzen? Bis zu welcher Entfernung ist ein präziser Schuss mit einem Flintenlaufgeschoss überhaupt machbar?

Mehr dazu in „Die Waffenkultur“ Nr. 59 ab dem 30. Juli 2021



Montag, 5. Juli 2021

Langzeittest: OA-15 M5 (Nr. 02)

 

Erster Gewehrkurs

Gesamtschusszahl: 60 + 110 = 170
Davon mit SD: 0

Störungen Typ I: 0
Störungen Typ II: 0
Störungen Typ III: 0
Störungen Typ IV: 0





Die OA-15 M5 erlebte ihr Debut auf einem Gewehrkurs von Akademie 0/500. Die Waffe wurde sowohl mit offener Visierung als auch mit dem ELCAN Specter 1x/4x geschossen.

2-Promille-Drill
Den 2-Promille-Drill absolvierte die OA-15 mit Kimme und Korn mit acht von zehn Schuss auf Daumengröße.



Einschießen ELCAN 1x/4x
Beim Einschießen auf 25 Meter produzierte die Waffe mit dem ELCAN und 4-fach Vergrößerung auf Anhieb eine exzellente 3-Schuss-Gruppe.
Das ELCAN sollte gem. Herstellerangabe mit einem 100-m-Fleckschuss eingeschossen werden, um das ballistische Absehen nutzen zu können. Eine genaue Verifizierung erfolgt, sobald eine 100-m-Bahn zur Verfügung steht.
Die Schussgruppe auf dem Bild zeigt einen 50-m-Fleckschuss.



Rifleman
Wie auf Gewehrkursen von 0/500 üblich, wird die Standardübung Rifleman geschossen. Das ELCAN offenbart hier die Vorteile der 4-fach Vergrößerung.
Gemäß Auswertungsrichtlinie gilt beim Rifleman ein Ziel als getroffen, wenn das Einschussloch der 5,56 mit einem 7,62-Projektil das Ziel angerissen hätte. Die schwarz umrandeten Treffer zählen. Die Übung gilt somit als fehlerfrei absolviert.



Archiv
Nr. 00 (Erstvorstellung)
Nr. 01 (Einschießen Offene Visierung)
Nr. 02 (Erster Gewehrkurs)