Oberland Arms bietet in einer Kleinserie eine Retro-Variante des ikonenhaften XM177E1 an, die äußerlich kaum Unterschiede zum Original aufweist. Wir haben ein OA-15 XM177 angeschafft und führen es in einen weiteren Langzeittest. Bei den ersten Trainingssitzungen bestach die Oldschool-OA durch ihr geringes Gewicht und den Flair des Ungewöhnlichen
Die Geschichte eines kurzen M16 Sturmgewehrs nahm seinen Anfang Mitte der 1960er Jahre und es sollten knapp 25 Jahre vergehen, bis daraus die Waffe entstanden war, die wir heute als modernes „M4“ kennen. Einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung hin zum M4 hatte wieder einmal das U.S. Marine Corps. Die U.S. Marines waren schon Mitte der 1980er Jahre maßgeblich an der Modifikation des M16A1 beteiligt. Woraus schließlich das M16A2 hervorging.
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| Die Weiterentwicklung M16A2 wurde vor allem durch Vorschläge aus dem U.S. Marine Corps beeinflusst |
Das M4
Wodurch sich das M4 von seinen Vorgängervarianten unterschied, waren Picatinny-Rails, die als Schnittstelle zum Anbau anderer Visiereinrichtungen, Zielhilfen oder diverser Vordergriffe dienen konnten. Die Option, etwas zusätzlich an sein Gewehr zu basteln, wird heutzutage gemeinhin als Vorteil verstanden. Egal, ob das Anbauteil gebraucht wird oder ob es sinnvoll ist oder nicht. Der Platz ist vorhanden, also muss da etwas hingeschraubt werden. So, wie der Fuchsschwanz am Manta.
Die meisten Anwender unterschätzen dabei ihre gegebenen Fähigkeiten, auch ohne zusätzliche Anbauteile einen präziser Treffer anbringen zu können.
Der Purist
Hält man das OA-15 XM177 in den Händen, fällt zuerst auf, dass es nicht eine Picatinny Schiene gibt. Auf den zweiten Blick werden dann auch kleine Unterschiede zum Ur-Vater der MACV-SOG Einheiten im Vietnam der 1960er deutlich.
Upper Receiver
Das Obergehäuse besitzt die typische A1-Visiereinrichtung, die nicht abnehmbar ist und in die auch keine Möglichkeit der Höhenverstellung integriert ist. Die Waffe verfügt über den „Forward Assist“, dürfte aber keinen „Brass Deflector“ haben. Derartige Upper Receiver gab es lediglich beim Model 733 als Export-Variante. Die Suche nach einer Original-Schließhilfe mit einem tropfenförmigen anstatt einem runden Knopf kann zu einer Aufgabe für den geneigten Sammler werden.
A1 / A2 / A3?
Upper Receiver lassen sich anhand der Baureihen A1 bzw. A2 oder A3 relativ leicht klassifizieren. A1 bedeutet fest mit dem Obergehäuse verbunden. Die Visiereinrichtung besitzt keine Rändelschraube zur Höhenkorrektur.
A2: Die Visiereinrichtung ist immer noch fest mit dem Obergehäuse verbunden. Allerdings ist hier die Möglichkeit der Höhenkorrektur vorhanden. Diese Stellschraube wird aber keineswegs zum Einjustieren der Waffe genutzt. Es war vielmehr eine Forderung der U.S. Marines, um auch Ziele außerhalb des durchgehenden Visierbereichs von dreihundert Metern bekämpfen zu können.
Diese sog. A2-Visiereinrichtung war eines der wesentlichen Merkmale des Upgrade vom M16A1 zum M16A2.
A3: In der Modellreihe A3 spricht man auch vom Flat-Top Receiver. Die Visiereinrichtung / Tragegriff ist abnehmbar. Was wiederum zu einem typischen Merkmal der M4-Sturmgewehre werden sollte. Auf dem Obergehäuse befindet sich eine Picatinny-Schiene, die jede Art von Visiereinrichtung aufnehmen kann.
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| Nur Modelle mit dem Zusatz E1 hatten überhaupt einen „Forward Assist“ (Schließhilfe) und dieser war tropfenförmig |
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| Runde Schließhilfen kamen ebenfalls erst mit dem Upgrade zum M16A2 |
Lower Receiver
Die ersten XM177 hatten nur eine Verstärkungsrippe am Lower Receiver parallel unter dem Hülsenauswurf verlaufend. Diese Untergehäuse waren typisch für die ersten Produktionschargen des XM16 und wurden auch als „Slabside Mag Well“ bezeichnet. Die Verstärkungsrippen um den Magazinauslöser herum, wie sie das OA-15 XM177 aufweist, waren erst bei späteren Produktionslosen bzw. letztlich mit dem Upgrade zur A2-Version in den 1980er Jahren serienmäßig.
Schubschaft
Der Schubschaft am Oberland XM177 dürfte, ebenso wie das Griffstück, ein Originalbauteil sein. Der Schaft rastet nur in zwei Positionen ein: Ganz ausgezogen oder ganz eingeschoben. M4-typische Zwischenrastungen gibt es nicht.
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| An der Universalhalterung UH-1C (C für Coyote) ist bei der Testwaffe ein längenverstellbarer 2-Punkt-Riemen von Blue Force Gear angebracht |
Kornträger
Der Kornträger verfügt über ein Bajonett-Lug. Gemäß Colt Nomenklatur hatten die Kornträger erst ab dem Export Modell 723 serienmäßig eine Bajonettaufnahme. Zeitgenössische Fotos zeigen jedoch auch hier Ausnahmen; ähnlich wie im Fall der Verstärkungslippen am Magazinschacht.
Kurzer Lauf
Das CAR-15 war der erste Versuch, das Stoner Gassystem mit einem zehn Zoll kurzen Lauf zu betreiben. Glaubt man zeitgenössischer Literatur, reduzierte sich die Anfangsgeschwindigkeit des Projektils um mindestens zehn Prozent. Unverbranntes Treibladungspulver erzeugte signifikantes Mündungsfeuer. Ein weiterer Nebeneffekt war, dass unverbranntes Pulver über die Gasabnahme ins Gasrohr gedrückt wurde, sich dort festsetzte und zu Funktionsstörungen führte. Begünstigt wurde dieser Effekt in der Vietnamkriegsära durch Munition mit korrosiven Treibladungspulver und durch klimatische Bedingungen, die allen Schusswaffe zusetzte.
Infolgedessen kam es zu der landläufigen Meinung, M16 Gewehre seien per se unzuverlässig in der Funktion und 10“-Läufe seien zu kurz für die Funktionssicherheit des Stoner Systems.
Auf dem Schießstand
Das OA-15 XM177 absolvierte bisher zwei störungsfreie Trainingssitzungen mit über einhundert Schuss gesamt. Im direkten Vergleich zu einem sog. Rifle-length Gassystem, spürt der Anwender die schnellere Rücklaufgeschwindigkeit des Verschlusses aufgrund des kurzen Gassystems der zehn Zoll Variante.
Die Lochkimme kann M16-typisch geklappt werden. Mit Einführung der A2-Visiereinrichtung konnte zwischen zwei unterschiedlich großen Diopter-Löchern gewählt werden. Die große Diopter-Öffnung wurde für den Nahbereich von Null bis zweihundert Meter genutzt. Die kleine Diopter-Öffnung für Ziele jenseits der zweihundert Meter.
Bei der A1-Visierung, wie sie das XM177 besitzt, waren beide Diopter-Löcher noch gleich groß. Das hintere Diopter-Loch allerding sitzt etwas höher, hebt damit die Treffpunktlage etwas an könnte daher für weitere Schüsse genutzt werden.
Was ich nicht habe, brauche ich auch nicht
Der Schütze hat gar keine andere Wahl, als sich mit der offenen Visierung von Lochkimme und M16-Korn anzufreunden.
Die Visiereinrichtung kann nicht getauscht werden. Um dennoch einen hohen Präzisionsanspruch zu erreichen, gewinnen schießtechnische Elemente, wie ein wiederholgenauer Anschlag und vor allem eine reproduzierbare Kopfposition große Bedeutung. So gesehen gerät ein XM177 zu einem großartigen Trainingsgerät. Wer mit einem Oldschool XM177 trifft, trifft auch mit jedem anderen Gewehr.
Die Standardübung des 2-Promille-Drill (Zehn Meter, zehn Schuss, stehend freihändig) konnte fehlerfrei absolviert werden.
Bei der Rifleman-Übung über fünfundzwanzig Meter scheiterte der Schütze am altersschwachen Auge.
Die Fabriklaborierung der GECO Target 63 Grain verließ den 10,5 Zoll Lauf mit durchschnittlich 795 Metern pro Sekunde.
Außerdem ist die Waffe mit ihren 2,8 Kilogramm ein Leichtgewicht, dass einen ganzen Tag lang am Trageriemen führen lässt. Und nicht zuletzt hat die XM177 natürlich den Retro-Charme, für den man mitunter gern mal etwas mehr Geld investiert.
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| Das Griffstück ist ein Originalteil der M16A1 Baureihe. Der runde Vorderschaft hat einen geringeren Durchmesser als die M4-Schäfte, wie sie bspw. an den Black Label Gewehren von Oberland verbaut wurden |
Technische Daten
Waffe: OA-15 XM177
Hersteller: Oberland Arms
Kaliber: .223 Remington (5,56x45 mm)
Länge: 74 bis 82 Zentimeter
Gewicht ohne Patronen: 2,8 Kilogramm
Lauflänge: 10,5“ (27 Zentimeter)
Visierlänge: 37 Zentimeter
Magazinkapazität: alle gängigen AR-15 Magazine
Preis: 3.100 Euro













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