Samstag, 7. September 2013

ZF-Gewehr (6): Tarntape


Schwarz ist keine natürliche Farbe. Schwarze Gegenstände fallen immer auf: Im urbanen Umfeld gleichermaßen wie im Gelände. Bei Tag genauso, wie bei Nacht. Um das unnatürliche Schwarz zu neutralisieren, werden Waffen mitunter besprüht. Wir gingen einen anderen Weg und beklebten die Tikka T3 mit RealTree® Tarnklebeband


Gesamtschusszahl: ca. 300


Der so genannte „Paint Job“ wurde in den vergangenen Jahren relativ populär. Nicht zuletzt aufgrund der allgegenwärtigen Medienpräsenz militärischer Spezialeinheiten, welche die Farben ihrer Waffen dem jeweiligen Einsatzgebiet anpassen. Eine Gepflogenheit, die ursprünglich nur bei Scharfschützen angewandt wurde, um einen besseren Tarneffekt für das Gewehr zu erreichen, wird mittlerweile auch weit verbreitet bei Infanterieeinheiten genutzt. Dabei wird mittels Sprühdose Farbe auf die Waffe gebracht. Bewährt hat sich hierfür Krylon. Die Vor- und Nachteile der Sprühmethode sollen im folgenden Artikel nicht beschrieben werden.

RealTree® Tarnklebeband
Ein anderer Weg, eine Waffe zu tarnen ist das Bekleben mit einem Tarnklebeband. Die Kleberollen sind handelsüblich in verschiedenen Tarnschemen erhältlich. Die Entscheidung fiel auf das Tarnmuster RealTree® APG. Beschafft wurde das Klebeband zu einem Preis von etwa 8 Euro pro Rolle. Zum Tarnen eines Repetiergewehrs der Größe einer Tikka T3 mit Zielfernrohr sind mindestens zwei Rollen á 3 m erforderlich. Darüber hinaus sollte eine Rolle für Ausbesserungsarbeiten vorgehalten werden.






Durchführung
Zum Bekleben sollte die Waffe zerlegt werden. Zumindest sollten System und Lauf vom Schaft getrennt werden. Zu beklebende Metallteile sind vorher zu entfetten, bspw. mit Bremsenreiniger. Kunststoffteile, wie der Tikka-Schaft können mit etwas Fitwasser abgewaschen werden.
Das Bekleben an sich ist ein relativ einfacher Vorgang, bei dem wenig falsch gemacht werden kann. Wenn das Resultat einmal nicht gefällt, weil es Falten wirft, wird das Klebeband wieder entfernt und neu aufgebracht.





Lauf, Schaft, ZF
Für gewöhnlich beginnt man am Lauf und arbeitet sich nach hinten zur Systemhülse. Hier entsteht auch der einzige kritische Punkt, der beachtet werden sollte: Das Freischwingverhalten des Laufs muss gewährleistet bleiben. Anderenfalls kann es zu erheblichen Präzisionseinbußen kommen. Kontaktstellen zwischen Lauf und Schaft sind daher zu vermeiden. Empfehlenswert ist, im hinteren Bereich des Laufs die Unterseite nicht zu bekleben. Diese Stelle des Laufs verschwindet am Ende ohnehin wieder im Schaft und bedarf daher auch keiner Tarnung.




Im zweiten Schritt folgt das Bekleben des Schaftes. Den Vorderschaft von vorn nach hinten in Längsrichtung zu bekleben, macht am wenigsten Arbeit. Der Kolben wird einfach mit Klebeband umwickelt. Vorher ist die höhenverstellbare Schaftbacke abzunehmen. Ebenso wie die Schrauben für die Riemenösen. Diese können bei Bedarf gleich an die linke Waffenseite geschraubt werden. Auch beim Bekleben des Schaftes ist auf das Freischwingverhalten des Laufs zu achten.
Das Griffstück erfordert etwas mehr Materialeinsatz, da es durch seine konkave und konvexe Formgebung öfters umwickelt werden muss. Diese Stelle unterliegt einer hohen Grifffrequentierung. Sie wird daher häufiger ausgebessert werden müssen.
Zum Schluss ließe sich noch der Kammerstengel abtarnen; oder auch nicht. Das ist wie alles dem Gusto des Anwenders überlassen.


Mehr darüber ab dem 30. September 2013 in Waffenkultur 12

Dienstag, 27. August 2013

Aimpoint Optiken


Aimpoint gehört zu den führenden Herstellern von Zieloptiken weltweit. 1975 stellte das schwedische Unternehmen eine bahnbrechende Technologie vor: Das Rotpunkt Reflexvisier. Heute sind diese „Red Dots“ im Anwenderbereich weit verbreitet.


Von Peter Schmidtke und Henning Hoffmann

Vor 38 Jahren wurde die Welt der Schützen revolutioniert. Die Firma Aimpoint stellte 1975 eine bahnbrechende Technologie vor: Das Rotpunkt Reflexvisier. Es ist heute zur Selbstverständlichkeit geworden und aus der Schützenwelt nicht mehr wegzudenken. Das Unternehmen ist seitdem Marktführer in diesem Segment. Zu Recht – die Rotpunktvisiere aus dem südschwedischen Malmö bieten einen höchsten Grad an Zuverlässigkeit und Robustheit. Die Leistungsfähigkeit der Visiere wurde stetig gesteigert. Ein bedeutender Meilenstein war die Einführung der ACET-Technologie (Advanced Circuit Efficiency Technology). Der Energieverbrauch der Red Dot Sights konnte durch die Effizienz der ACTE Diode drastisch gesenkt werden. Auf Helligkeitsstufe 8 erreichen Micro Visiere bei Raumtemperatur eine ununterbrochene Betriebszeit von 50.000 Stunden. Das sind über fünf Jahre – einzigartig in der Branche. Diese von Aimpoint zum Patent angemeldete Technologie ist für viele Anwender ein kaufendscheidendes Argument. Der Hauptvorteil der Leuchtpunktvisiere besteht darin, dass lediglich der reflexartig erfassbare Leuchtpunkt auf das Ziel platziert werden muss. Des Weiteren können beide Augen offen gehalten werden, was ein instinktives Schießen generiert. Gerade in dynamischen, zeitkritischen Situationen kann das Leistungspotenzial der Zieloptiken voll ausgeschöpft werden. Präzise Treffer können mit einer sehr hohen Geschwindigkeit angebracht werden. Daher werden Red-Dot Visiere von Jägern vorzugsweise bei Bewegungsjagden eingesetzt. Die Kombination aus Präzision und Geschwindigkeit, Robustheit und Zuverlässigkeit machen sie auch bei professionellen Anwendern äußerst begehrt.


Aimpoint PRO

Aimpoint PRO
Das Aimpoint PRO wurde 2011 im Markt eingeführt. Es wird inklusive Montagevorrichtung für Picatinnyschienen geliefert. Diese hausintern als QRP2-Mount bezeichnete Montage verfügt über eine Rändelschraube mit Drehmomentfunktion. Somit ist ein schneller An- und Abbau der Optik möglich und ein Überdrehen der Schraube wird zuverlässig verhindert. Während des SIG 516 Langzeittest war das Aimpoint PRO neben der offenen Eisenvisierung die am meisten genutzte Optik. Es erfüllte alle gestellten Aufgaben und lieferte problemlos Treffer zwischen drei und 500 m. Dabei wurde das Aimpoint nie ausgeschaltet. Die Herstellerangabe von drei Jahren permanenter Laufzeit konnte nicht ganz erreicht werden. Aber selbst ein Permanentbetrieb von mehr als zwei Jahren ist beachtlich.
Das PRO wird mit einem so genannten „Spacer“ geliefert, welcher die Visierlinie um neun mm anhebt. Wird dieser Spacer entfernt, erreicht die Optik beim Betrieb auf AR-15 Gewehren einen Co-Witness. Das heißt, die Visierlinie von Leuchtpunkt und offener Visiereinrichtung liegen auf einer Ebene.
Das Aimpoint PRO ist eine Waffenkultur-Kaufempfehlung.


Aimpoint Comp M4s

Aimpoint CompM4s
Die Markteinführung des CompM4 in 2007 bzw. des CompM4s in 2008 wurde begleitet von der Meldung, dass die US Army über 500.000 Stück dieser Optik unter dem Name M68 CCO beschaffen werde. Die beiden Versionen M4 und M4s unterscheiden sich in der Positionierung des Batteriefachs. Dieses liegt beim M4 auf 2 Uhr (rechts oben) und beim M4s auf 5 Uhr (rechts unten). Ansonsten sind beide Versionen identisch. Auch das CompM4s wird komplett mit Montagevorrichtung geliefert. Serienmäßig handelt es sich dabei wie beim Aimpoint PRO auch um die QRP2-Mount. Das CompM4 wird nicht über eine Knopfzelle gespeist, sondern über eine weit verbreitete und kostengünstige AA-Batterie. Nach Herstellerangaben soll die Optik damit bis zu 50.000 Stunden Permanentbetrieb aushalten. Es besitzt sieben Nachtsichtstufen und neun Helligkeitsstufen für Tageslicht.



QRP2-Montage inklusive

Aimpoint Hunter H34S
Die Hunter-Serie unter den Aimpoint Optiken hat eindeutig eine jagdliche Zweckbestimmung. Insbesondere für Jäger, denen andere Aimpoint Geräte zu progressiv erscheinen. Die Kontur ähnelt eher einem kurzen Zielfernrohr, als einer Leuchtpunktoptik. Es gibt insgesamt vier Ausführungen. Das Hunter ist entweder in den Mittelrohrdurchmessern 30 oder 34 mm erhältlich sowie in Lang- bzw. Kurzausführung. Eine Montage ist nicht inkludiert und muss somit extra bestellt werden. Die Batteriegesamtlaufzeit wird vom Hersteller mit 50.000 Stunden angegeben. Die Optik ist mit 250 g sehr leicht.





Fazit
Die Lieferung inklusive einer Montage mit Drehmomentschraube, die präzise und leichte Justierbarkeit, die langlebige Batterie und nicht zuletzt das hervorragende Preis-Leistungsverhältnis sind Kaufargumente für das Aimpoint PRO. Es gibt derzeit kaum eine andere Rotpunkt-Optik, die in allen Kategorien gleichermaßen punkten kann.



 

Donnerstag, 15. August 2013

SIG 516 Langzeittest – Woche 76 bis 85


Sommerpause, Urlaubszeit. Die SIG 516 blieb für einige Wochen in der Waffenkammer stehen. In KW33 wurde sie u.a. benutzt, um neue Übungen zu schießen. Darunter auch „Light The Fuse“ nach Pat McNamara.


Gesamtschusszahl: 7.300 + 100 = 7.400

Störungen Typ I: 6
Störungen Typ II: 0
Störungen Typ III: 0
Störungen Typ IV: 2


Es gibt verschiedene Varianten den „Light The Fuse“ zu schießen. In dieser Trainingssitzung war der Ablauf identisch zum Video weiter unten.
Der Schütze startet mit geladener Waffe auf Höhe des Ziels. Er rennt zur 25-m-Linie, wo er einen Schuss abgibt. Die Waffe wird gesichert. Der Schütze rennt weiter zur 50-m-Linie, 75-m-Linie und 100-m-Linie, wo er jedes Mal einen Schuss abgibt. Von 100 m rennt er zurück auf 25 m und gibt wiederum jeweils einen Schuss bei 75 m, 50 m und 25 m ab. Die Waffe wird jedes Mal gesichert. Die Schießposition ist immer stehend freihändig. Gesamtschusszahl: 7

In den ersten beiden Durchgängen wurde die SIG 516 mit dem Aimpoint PRO geschossen. Im dritten Durchgang mit Eisenvisierung. Zielmedium war die Box der CSAT-Scheibe mit 15x35 cm.

Ergebnis
1. Durchgang (Aimpoint PRO): 83,47 sec, 2 Fehlschüsse
2. Durchgang (Aimpoint PRO): 79,68 sec, 2 Fehlschüsse
3. Durchgang (Eisenvisierung): 78,94 sec, 2 Fehlschüsse



Aus allen Distanzen in stehend freihändiger Position zu schießen ist anspruchsvoll. Dass das Zielmedium von 15x35 cm nicht immer getroffen wurde, möge man mir nachsehen. Die Größe des Metallziels im Video ist nicht genau zu erkennen. Vermutlich ist es geringfügig breiter als die rechteckige Box auf der CSAT-Scheibe.

Rotpunkt vs. Iron Sights
Interessant für die fortwährende Diskussion zu Vor- und Nachteilen von Rotpunktoptiken gegenüber einer offenen Eisenvisierung ist die Ergebnisbetrachtung. Der dritte Durchgang mit Eisenvisierung brachte weder einen Zeitnachteil noch eine signifikante Verschlechterung bei der Trefferlage. (Und das obwohl ich vor dem dritten Durchgang schon zwei 200-m-Sprints in den Knochen hatte ;-)

Wichtig ist bei dieser Übung bspw. eine Waffentragehaltung anzuwenden, die nicht nur den 4 Sicherheitsregeln genügt, sondern insbesondere auch den Schießstandsicherheitsregeln.





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Montag, 12. August 2013

Neue Kurse im Oktober


Akademie 0/500 hat für das Wochenende Tag der Deutschen Einheit drei neue Kurse in Berlin angesetzt. Im Einzelnen:

Donnerstag, 03.10. Glock Werkstattkurs (halbtags von 14 bis 18 Uhr)
Freitag, 04.10. Pistole 1
Samstag, 05.10. AR-15 Armorer mit DAR

Das wäre die letzte Möglichkeit, in 2013 noch an einem Kurs Pistole 1 teilzunehmen.

Glock Werkstattkurs
Der Glock Werkstattkurs ist mit einer Dauer von vier Stunden als Halbtageskurs angesetzt. Bei diesem Seminar werden alle notwendigen Arbeiten zur Reinigung und Wartung des Waffensystems Glock vermittelt. Darüber hinaus wird das komplette Zerlegen der Waffe geübt. Die Teilnehmer lernen die Teile zu benennen und Verschleißteile auszutauschen. Erforderliches Werkzeug wird gestellt. Nach Absprache können auch Leihwaffen für die Dauer des Seminars zur Verfügung gestellt werden.
Es handelt sich hierbei jedoch nicht um die Ausbildung zu einem „Glock Armorer“. Diese darf nur unmittelbar von der Firma Glock selbst durchgeführt werden.

AR-15 Armorer
Dieser Tageskurs vermittelt grundlegende und weiterführende Fertigkeiten im Zerlegen und dem Zusammenbau des AR-15 sowie im Austausch von Teilen. Wir gehen auf die Geschichte des Waffensystems ein, erläutern Unterschiede zwischen dem „direct impingement“-System und Kolben-Systemen und geben Hinweise für Armorer-Werkzeuge und sinnvolle Zubehörteile. Kursteilnehmer werden u.a. in die Lage versetzt, einen Lower Receiver selbstständig komplett zu bestücken. Die notwendigen Einzelteile können vorher im Handel erworben und zum Kurs mitgebracht werden.

Siehe dazu auch Waffenkultur Ausgabe 09, ab Seite 38

Kursinhalte:
Historische Entwicklung und Funktionsprinzip des AR-15
Nomenklatur
Feldmäßiges Zerlegen
Technische Inspektion und Hinweise zur Reinigung und Pflege
Funktions- und Sicherheitsüberprüfung
Vorstellen sinnvoller Armorer-Werkzeuge
Komplettes Zerlegen/Zusammenbau des Lower Receiver
Weiterführendes Zerlegen des Upper Receiver (gem. Hersteller & Varianten)
Optionen der Visiereinrichtung
Unterschiede zwischen direct impingement und Piston-Systemen

In Zusammenarbeit mit Dynamic Arms Research (DAR). (Kursinhalte gem. Gesetzeslage)

Anmeldung bitte über:
http://www.0-500.org/anmeldung.html




Donnerstag, 8. August 2013

Storacell – Die Reservebatterie-Box


Organisation ist das halbe Leben. Die andere Hälfte kann an der Verfügbarkeit einer funktionstüchtigen Reservebatterie für Funkgerät, Taschenlampe oder GPS hängen. Ein pfiffiger Organisationshelfer kommt von der Firma Storacell.



Wer kennt das Problem nicht? Reservebatterien liegen einzeln oder in halbvollen Verkaufsverpackungen herum. Im Haushalt rollen sie in Küchenschubladen hin und her. Für den Transport im Rucksack werden sie auch schon einmal mit Klebeband fixiert. Ein Organisationssystem kommt von der US-amerikanischen Firma Storacell.


 
Farbvarianten
Storacell ermöglicht das professionelle Lagern und Transportieren von Batterien aller gängigen Größen. Erhältlich sind die Produkte in vier Farbvarianten: In den zwei gedeckten Farben schwarz und olivgrün, in Alarmfarbe orange und auch in einer Variante aus nachleuchtenden Kunststoff.


(Foto: Storacell.de)


Modelle
Die kleinste Ausführung heißt Slimline. Diesen einreihigen Caddy gibt es entweder für 6 Stück AAA Batterien, oder für 4 Stück AA bzw. 4 Stück CR123. Auch für 9-V-Blockbatterien, für C4- und D4-Batterien sind einreihige Slimline-Caddys erhältlich.
Zweireihige Storeacell-Boxen gibt es für 12 Stück AA-Batterien.
Der so genannte Original Battery Caddy nimmt ein ganzes Konvolut an Batterien auf:
12 Stück AA Batterien
4 Stück AAA Batterien
2 Stück C Batterien
1 Stück 9V Blockbatterien



(Foto: Storacell.de)


Anwendungsgebiete
Die Anwendungsbereiche sind vielfältig und treffen jeden, der schon einmal eine Batterie wechseln musste: Der Fotograph, der sein Blitzlicht neu bestücken muss, Wanderer, Einsatzkräfte oder jeder andere, der auf Taschenlampenlicht oder ein GPS angewiesen sein kann. Nicht zuletzt jeder Haushalt.




(Foto: Storacell.de)




 
Service
Händleranfragen erwünscht!


Mittwoch, 31. Juli 2013

Leseempfehlungen (3)



Sentinel von Pat McNamara
Taschenbuch: 128 Seiten, 15 Abbildungen (schwarz/weiß)
Format: 13 x 20 cm
Verlag: iUniverse,  Ausgabe 2012
ISBN: 978-1475960495
Preis: 11,30 Euro




„If I am out in public and you see me with shower shoes on, please walk up to me and jam a pencil in my eye. I deserve it.”

Mit dem Buch “Sentinel” möchte der Autor Pat McNamara Tipps geben, wie das eigene Leben sicherer und unabhängiger gestaltet werden kann. McNamara bildet dabei seine Erfahrungen, die er in mehr als 20 Jahren in militärischen Spezialverwendungen sammeln konnte, auf den Schutz der eigenen Familie ab. Wer allerdings erwartet, nach der Lektüre der 120 Seiten ein Geheimagent zu sein, wird enttäuscht werden. Neben Flipp-Flopp-Trägern sollten auch die Cool-Aid-Trinker, die immer schon alles wussten und aus dem Buch „nichts Neues erfahren konnten“, von der Lektüre absehen.
Pat McNamara verrät nicht das eine große Geheimnis, sondern gibt viele kleine nützliche Hinweise, wie man vorausschauend kritischen Situationen aus dem Weg gehen kann und nicht permanent auf sein Glück vertrauen muss oder darauf, dass einem andere helfen. So gesehen ist das Buch ein weiterer und wichtiger Schritt hin zur individuellen Resilienz.

Interessant ist auch seine Gegenüberstellung von Outcome-based Training und Performance-based Training und weshalb alle Outcome-based Sportarten Trainingnarben hinterlassen. Dieser Aspekt ist insbesondere bei taktischen Weiterbildungen relevant.

Im Abschnitt zu Schießausbildung teilt Pat McNamara den modernen Ansatz: Das Training von Grundfertigkeiten sollte deutlich überwiegen. Er verweist „Deutschießen“ in die engen Grenzen, die dieser Technik zustehen und erklärt „70/30“ oder „60/40“ Abzugs- und Grifftechniken als praxisfremde Gimmicks.

Auf der Top-25-Liste an Fachbüchern, die man gelesen haben sollte, ist „Sentinel“ von Pat McNamara in jedem Fall dabei.








T.A.P.S. - Tactical Application of Practical Shooting von Pat McNamara
Taschenbuch: 152 Seiten, 64 Abbildungen (schwarz/weiß)
Format: 13 x 20 cm
Verlag: iUniverse,  Ausgabe 2008
ISBN: 978-1440109591
Preis: 11,90 Euro




„Du hast nur zehn Patronen für Deine Trainingssitzung. Welche Übung würdest Du schießen?“ Diese Frage stellt der Autor gleich am Anfang. Er wendet sich damit konträr zur Meinung, Schießen sei nur durch Munitionsverbrauch erlernbar; allerdings ohne diese Meinung im weiteren Verlauf vollends zu verwerfen. Das Buch richtet sich an erfahrene Waffenanwender. Effizienzsteigerung im eigenen Training ist ein Schwerpunkt.

„Die taktische Anwendung von praktischem Schießen.“, meint keineswegs das, nach was es im ersten Moment klingt. Wir reden nicht über IPSC und der Autor Pat McNamara ist ausdrücklich nicht der Meinung, dass IPSC aus jedem Schützen einen besseren Schützen macht. Es gibt kein Zauberelixier und weder durch taktischen Klett noch durch Molletaschen wird man besser. Sondern nur durch Training und fortgesetztes (richtiges) Üben der richtigen Fundamente.

In der ersten Hälfte beschreibt Pat McNamara in kurzen Kapiteln seine Trainingsphilosophie. Im zweiten Teil liefert er Ratschläge für diverse Parcoursaufbauten und Übungsabläufe.
Der ganzheitliche Ansatz im Buch wird unterstrichen durch das Einbinden eines Kapitels zur körperlichen Fitness. Mit seinem „Combat Strength Training“ Programm (CST) folgt McNamara der gleichen Idee, wie auch Waffenkultur mit der Rubrik „Fighting Fit“: Wenn Ihr Sport treiben wollt, tut es nicht in einem Fitness-Studio, sondern findet Eure eigenen Wege. „If you are going to a Fitness Center and working a routine, you are going to specific place for a non specific amount of time to perform a non specific series of motions while looking in a mirror.“





Dienstag, 30. Juli 2013

Die Waffenkultur – Ausgabe 11 (Juli/August 2013)




Ausgabe 11 (Juli/August 2013)


Wer Waffenkultur herunterlädt, nimmt eine kostenfreie Dienstleistung in Anspruch. Punkt. Waffenkultur ist in diesem Sinne nicht nur kostenlos, sondern sogar absolut barrierefrei. Nicht einmal eine Anmeldung oder Registrierung ist erforderlich. Das gesamte Projekt wird von einigen Idealisten getragen, die viel Freizeit in die Entstehung und die pünktliche Veröffentlichung investieren.
Wem nicht gefällt was hier publiziert wird oder wer das Konzept von Waffenkultur nicht mag, verzichtet einfach auf den Download. Unseren restlichen 50.000 Lesern wünsche ich viel Spaß und eine Lektüre mit waffenkulturellem Erkenntnisgewinn.



Die Juli / August Ausgabe hat folgenden Inhalt:

Aloha 1911: Mit Machete und Hawaii-Hemd
Linkshandtraining: Mehr als ein notwendiges Übel
Einjustieren eines Zielfernrohrs: In 10 min zum Erfolg
Scharfschützengewehr des kleinen Mannes: Tikka T3 TAC
Für ein paar Dollar mehr: SIG SSG 3000
SIG 516 Langzeittest: 800 Meter sind machbar
Aimpoint Optiken: PRO, CompM4 und Hunter H34S
Standardübungen (5): 3/3/3/3
Ausrüstung: Tragesysteme von Hazard 4
20 min Minimalprogramm (2): Körpergewichtsübungen
Recht: Nichtletale Waffen
Buchrezension: T.A.P.S. - Tactical Application of Practical Shooting von Pat McNamara, Sentinel von Pat McNamara, 160 tödliche Treffer – Der beste Scharfschütze des US-Militärs packt aus von Chris Kyle, Four Ball One Tracer. Commanding Executive Outcomes in Angola and Sierra Leone von Roelf van Heerden und Andrew Hudson





Montag, 15. Juli 2013

ZF-Gewehr (5): Tikka T3 TAC


Die T3 absolvierte bisher zwei Trainingssitzungen, wobei die Waffe „eingebrochen“ und eingeschossen wurde und Entfernungen bis zu 500 m überbrückt hat.

Gesamtschusszahl: ca. 300

„Einbrechen“ des Laufs
Im Umgang mit Feuerwaffen gibt es viele Legenden. Das Einbrechen eines Laufs ist vergleichbar mit dem Einfahren eines Verbrennungsmotors bei einem Neuwagen. Einige schwören darauf. Für andere ist es anachronistischer Humbug aus einer Zeit, in der Fertigungstechnologien bei weitem nicht den hohen Qualitätsstandard hatten, wie heut zu Tage. Der Verfasser konnte sich von dem Voodoo auch nicht ganz lösen und hat den Lauf seiner T3 „eingebrochen“, obwohl Reinigungsarbeiten an Waffen nicht zu seinen dominant ausgeprägten Eigenschaften gehören. Das Prozedere begann mit einer Detailreinigung: Brunox-Öl in den Lauf, zehn Hübe mit einer Bronzebürste, VFG-Laufreinigungsfilzpfropfen bis kein Schmutz mehr am Filz zu sehen ist. Im Anschluss wurden drei Schuss abgegeben und das Reinigungsprozedere erneut in gleicher Weise durchgeführt. Dieser Ablauf wiederholte sich insgesamt dreimal, sodass insgesamt drei Mal drei Schuss abgegeben wurden und jeweils eine Detailreinigung erfolgte.








Die Optik
Die Wahl fiel hier ein Produkt der Firma Kahles aus Guntramsdorf in Österreich. Das K312 II besitzt eine variable Vergrößerung von 3-fach bis 12-fach und einen Objektivdurchmesser von 50 mm. Ausgestattet ist das ZF mit einem nicht beleuchteten MilDot-Absehen in erster Bildebene. In das Absehen wurde eine Skala zum Entfernungsschätzen integriert. Die Verkaufsbezeichnung des Absehens lautet Mil 2. Auch die Klickverstellung des K312 II arbeitet im Mil-System mit 1 cm pro Klick. Die Turmdrehrichtung ist jeweils im Uhrzeigersinn („clockwise“ / cw). Dieser Umstand begünstigt eine stresssichere Handhabung (siehe Waffenkultur 09, Seite 36). Eine Besonderheit ist der Parallaxenausgleich von 30 Meter bis unendlich. Der Mittelrohrdurchmesser beträgt 34 mm und das Gewicht 790 g.
Das Kahles K312 II erfüllt alle Anforderungen an ein modernes taktisches Zielfernrohr und ist eine Kaufempfehlung.





Fazit
Die T3 TAC erfüllt alle Anforderungen an ein Scharfschützengewehr des kleinen Mannes. Selbst in Kurzlaufausführung im Kaliber .308 Win. liefert die Waffe auf 800 m reproduzierbare Treffer auf eine F-Scheibe. Versteht der Steuermann hinter der Waffe sein Handwerk in Bezug auf Schießtechnik, Ermitteln der Basiselemente und Ballistik, sind auch Treffer bis 1.000 m kein Hexenwerk.
Das Selbstauferlegte Budget von 2.000 € für die Waffe wurde nur knapp überschritten. Ein Zielfernrohr mit den gestellten Anforderungen im Budgetrahmen zu finden, war nicht möglich. Für nicht ganz 600 € mehr wurde ein Kahles K312 II beschafft, was gemessen an unseren Anforderungen die beste Wahl darstellt.



Technische Daten
Modell: Tikka T3 TAC
Waffenart: Repetierer mit Drehzylinderverschluss
Kaliber: .308 Win.
Lauflänge: 51 cm
Drall: 1:11“, rechts
Magazinkapazität: Einsteckmagazin für 5 Patronen
Visierung: keine offene Visierung
Optik: Kahles K312 (3-12x50)
Abzugsgewicht: 1.900 g
Gesamtlänge: 102 cm
Gewicht: 3,5 kg (o. Optik)
Gewicht: 4,4 kg (mit Optik)
Preis Waffe: 2.157 Euro
Preis Optik: 2.190 Euro