Dienstag, 21. Februar 2012

SIG 516 Langzeittest – Woche 06 und 07

Die SIG 516 wurde auf einem Gewehrkurs der Akademie 0/500 zum Vorschießen aller Übungen genutzt. …und machte wieder zweimal „klick“.


Gesamtschusszahl: 390

Störungen Typ I: 2
Störungen Typ II: 0
Störungen Typ III: 0
Störungen Typ IV: 1

Verschleißteile: keine



Wenn das lauteste Geräusch ertönt, das es gibt, wenn man ein „Bumm“ erwartet, nämlich ein „Klick“, dann ist das ein sicheres Zeichen für einen Störungstyp I. Auch bekannt als „failure to fire“. Die Ursachen sind entweder ein Zündversager oder ein leeres Patronenlager. Das Patronenlager war in beiden Fällen aber keineswegs leer, sondern bestückt mit Munition der Marke GECO .223 Rem. Target 63 gr. (Die Standardmunition für unseren Test).

Während beim ersten „Klick“ die Patrone noch problemlos herausrepetiert werden konnte, musste bei Störung zwei mit dem Hinterschaft etwas Beschleunigung in Richtung Erdboden aufgebaut werden; bei gleichzeitigem Ziehen am Spannschieber. Anders ließ sich die Patrone nicht aus dem Lager entfernen. Die beiden Patronen selbst zeigten keine Beschädigungen. Beide Störungen traten innerhalb von fünf Schuss auf und innerhalb eines Magazins. Wobei man das Magazin als Ursache weitgehend ausschließen kann.

Die Waffe war zu diesem Zeitpunkt nicht übermäßig stark beansprucht. Sie war weder verschmutzt noch heiß. Sie sollte lediglich fünf Schuss aus dem Liegendanschlag abfeuern und fünf Schuss aus dem Kniendanschlag.
Auch die Umwelteinflüsse waren nicht extrem. Es herrschten etwa 5°C (Raumschießanlage).

Zündversager oder Waffenstörung?
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit von zwei Zündversagern quasi hinter einander bei Qualitätsmunition? Oder wurden die Störungen doch waffenbedingt hervorgerufen?
Die Zündhütchen beider Patronen zeigten einen Abdruck. Dieser war aber nicht so tief, wie bei gezündeten Patronen üblich. Beide Ladungen zündeten beim nächsten Abschlagversuch nachdem sie wieder aufmunitioniert worden waren.

Fazit

Waffenstörungen nerven. Wir warten ab, was Woche 08 bringt.


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Sonntag, 19. Februar 2012

OA-10 DMR von Oberland Defence

Pünktlich zur IWA wird die Oberland Defence GmbH einen neuen Selbstlader im Kaliber .308 Win. vorstellen. Der Gasdrucklader basiert auf dem direct impingement System.

Der 18“-Lauf besitzt eine Dralllänge von 1:11 und ein Mündungsgewinde der metrischen Größe 15/1. Ausgeliefert wird die Waffe mit einem 2-Kammer-Kompensator.

Die Picatinnyschiene auf dem Gehäuse ist durchgehend und ermöglicht somit die sinnvolle Montage optischer und optoelektronischer Zielhilfen.

Ist der 6-Positionen-Schiebeschaft ganz eingeschoben, beträgt die Länge der Waffe 94 cm. (102 cm bei ausgezogenem Schaft)

Das Gewicht der Waffe beträgt ohne Optik 4,3 kg. Beim Oberflächenfinish kann man zwischen schwarz oder dark earth brown wählen.

Leider wird diese Waffe nicht ihren Weg in den Privatmarkt finden. Nach Herstellerangaben wird sie ausschließlich für Behörden gefertigt.








General technical specification:
cal.: 7.62mmx51 / .308 Win.
operation: gas operation, rotating bolt, semi automatic
material: F53 aluminium hardcoat, F50 stainless steel
barrel: stainless steel, with flutings and cooling thread
barrel chamber: Match / CIP .308
barrel length: 457mm /18 inch
twist: 178mm /1-11 inch
total Length: 1020mm
total length, with collapsed Stock: 940mm
weight without magazine and access.: 4.3kg
magazine capacity: 20`rd
top rail receiver: MilStd1913, Picatinny
4-rail handguard: MilStd1913, Picatinny
trigger system: semi automatic two stage match trigger
dustcover: yes, opens automatically
brass deflector: yes
muzzle device: 2-chamber compensator, metric 15/1 thread
grip: ergonomic rubber
stock: adjustable stock (6 positions), heavy buffer, rubber-butt-plate:

Further details:
- Adjustable gas block with / without silencer
- long Picatinny rail connecting upper receiver and handguard
- integrated flip-up rear sight and front sight
- Zeiss Hensoldt 4-16x56, Mildot reticle illuminated, first focal plane, Cover for Scope
- Scope mount, quick-detach for 34mm-tube scope
- High quality bolt carrier group with heavy carrier
- Heavy buffer – H3
- Easily operated trigger guard
- Ambi Safety-Lever – 45°
- Big charging handle (gas deflecting), with big latch
- Gun finish in black or coated in dark earth brown

Accessories & Sling:
- 5x 20rd Magazine, OA-Mag with chrome silicone spring, Dust Cover and Indication Window
- Operating Instruction in English or German.

Kontakt: http://www.oberland-defence.com/

Mittwoch, 8. Februar 2012

SIG 516 Langzeittest – Woche 03 bis 05

Witterungsbedingt und aufgrund knapper Zeit konnte die SIG 516 in den vergangenen zwei Wochen nicht die Übungen absolvieren, die eigentlich vorgesehen waren.
Die Zuschriften zum Langzeittest waren jedoch sehr zahlreich. Eine zentrale Frage dabei dreht sich immer wieder um die optimale Dralllänge für das Kaliber .223 Rem.



Dieses Thema wird in Anwenderkreisen kontrovers diskutiert und mitunter auch missverstanden. Die Behauptung, dass eine Dralllänge von 10“ für .223er Büchsen „unbrauchbar“ sei, ist schlichtweg falsch und wohl eher eine Internetlegende.

Richtig ist, dass es beim Kaliber .223 Rem. einen „grünen“ Bereich gibt. Sozusagen einen Allroundbereich. Dieser Bereich kann auf die Dralllängen von 10“ bis 7“ ausgedehnt werden und auf die Geschossgewichte von 55 gr. bis zu 69 gr.
Das bedeutet, alle Geschossgewichte aus diesem Spektrum können aus Waffen mit Dralllängen von 10“ bis 7“ ohne Nachteile verschossen werden.

Greift der Anwender zu Geschossgewichten schwerer als 69 gr., sind die Projektile meist auch länger. Dadurch werden zur besseren Stabilisierung kürzere Dralllängen (bspw. 7“) erforderlich. Hingegen besteht bei relativ leichten Geschossen mit weniger als 55 gr. oder 52 gr. in Verbindung mit kurzen Dralllängen die Gefahr einer Deformation oder gar Fragmentierung. Diese Faustregel darf aber nicht als lineare Funktion missverstanden werden, wonach jeder Geschossgewichtserhöhung auch eine Reduzierung der Dralllänge folgen muss.

Als Beispiel hierfür steht das Schweizer Sturmgewehr 90 mit seiner Dralllänge von 10“ aus dem die Militärpatrone GP90 mit einem Gewicht von 63 gr. sehr erfolgreich verschossen wird.
In der Kaliberklasse .223 Rem. muss man sich nur tiefere Gedanken zur Dralllänge machen, wenn feststeht, dass sehr schwere Geschosse (70 gr. und darüber) Verwendung finden werden.

Die SIG 516 besitzt einen 10“ Drall. Im Test verwenden wir hauptsächlich die GECO Patrone .223 Rem. mit einem 63 gr. Geschoss. Präzisionsverluste waren bisher nicht feststellbar.




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Dienstag, 31. Januar 2012

Die Waffenkultur – Ausgabe 02 (Januar/Februar 2012)

Das Jahr 2012 hatte mit der SHOT Show in Las Vegas aus waffenkultureller Sicht einen grandiosen Auftakt. Nach Angaben der National Shooting Sports Foundation, dem Veranstalter der SHOT, brach die diesjährige Messe alle Rekorde. Mehr als 61.000 Besucher darunter fast 2.500 Medienvertreter sowie Aussteller aus 100 Ländern gaben sich ein Stelldichein auf der größten Waffenmesse weltweit.

Die Stimmung in der Szene ist ausgesprochen gut und optimistisch. Mit einem Jahresgesamtumsatz von 4.000.000.000 USD ist die Waffen-, Zubehör- und Ausbildungsbranche ein heller Lichtschein in der sonst eher depressiven US-Wirtschaft. Bleibt zu hoffen, dass die Welle des Optimismus aus Übersee im März bis auf die IWA schwappt und sich die deutsche Leitmesse stark und selbstbewusst präsentieren wird.



Ausgabe 02 (Januar/Februar 2012)


Die Januar/Februar Ausgabe hat folgenden Inhalt:

- Nachtschicht: Der Night-Fighter Kurs mit Kyle Lamb
- SHOT Show 2012 in Las Vegas
- Larry Vickers im Interview
- Die SIG 516 Patrol in .223 Rem.
- Die Springfield Armory M1A National Match
- Die Seitengewehre der NVA der DDR
- Das Militärhistorische Museum in Dresden
- SureFire M3LT CombatLight
- Recht: Kommt ein Verbot „militärischer“ Halbautomaten?
- Buchempfehlungen: „Kriegs-Kultur“ und „Deep Survival“



Zum .pdf-Download: http://waffenkultur.com/



Oder über das Portal: www.waffenkultur.com

Sonntag, 15. Januar 2012

SIG 516 Langzeittest – Woche 02

Die SIG 516 hatte ihren ersten Auftritt auf dem Schießstand. Die Waffe wurde eingeschossen und absolvierte zwei Standardübungen aus dem Programm von Kyle Lamb. Und erlebte ihre erste Störung.


Gesamtschusszahl: 240

Störungen Typ I: 0
Störungen Typ II: 0
Störungen Typ III: 0
Störungen Typ IV: 1

Verschleißteile: keine



Einschießen
Beim ersten Ausflug auf den Schießstand wurde die SIG 516 nur mit offener Visierung geschossen. Die werksseitig mitgelieferte Klappvisierung A.R.M.S. #71 aus Polymerkunststoff wurde gegen ein Aluminium Flip-Up Korn von Samson (Bezugsquelle: Oberland Arms) ausgetauscht. Beim Einschießen von AR-15 Systemen wird die Höhenanpassung grundsätzlich am Korn vorgenommen. Ein Klick im Uhrzeigersinn, also eine Viertel Drehung am Korn, verlagert den Treffpunkt auf 100 Meter um 8,3 mm nach oben.

Als Kimme wird eine MaTech Lochkimme mit einer Haltepunktanpassung bis zu 600 Meter verwendet. Die MaTech besitzt eine Seitenrastung von ½ MOA; das heißt 15 mm auf 100 Meter. Eine Rechtsdrehung bewirkt hier eine Treffpunktverschiebung nach rechts.
Folgt man der Gebrauchsanweisung, muss der Hebel zur Höhenjustierung auf dem Strich zwischen der 300 und 400 Markierung stehen, wenn das AR-15 auf 25 Meter Fleck angeschossen wird.

Nach Montage der Visiereinrichtung waren nur minimale Verstellarbeiten notwendig. Was auf sehr präzise gefräste Picatinnyrails schließen lässt.





„400“
Eine Schießübung aus dem Programm von Kyle Lamb ist der „Test 400“. Begonnen wird auf 100 Meter aus liegender Position mit zehn Schuss, dann von 75 Meter aus sitzender Position mit zehn Schuss, gefolgt aus 50 Meter zehn Schuss kniend und schließlich aus 25 Meter zehn Schuss stehend. Am Ende sollten 40 Treffer auf der Scheibe sein. Diese Übung bietet dem Schützen die Möglichkeit, vier wichtige Schießpositionen sinnvoll zu üben. Gesucht ist dabei nicht ein Loch-in-Loch Streukreis, sondern eine Gesamtgruppe, die sich im vorgegebenen Zielmedium befindet. Der Schütze sollte die Übung so schnell wie möglich absolvieren. Außerdem zeigt sich hier mitunter, dass es einen Unterschied zwischen einem „statischen Zero“ (also dem Einschießen der Waffe vom Sandsack aus) gibt und einem realen „Zero“, welcher sich beim Nutzen diverser anderer Schießpositionen zeigt.





½ & ½ Drill
Beim ½ & ½ Drill wird aus drei Entfernungen geschossen: 20 Meter / 10 Meter / 5 Meter. Jeweils zehn Schuss. Die Vorgabezeit halbiert sich genau so, wie die Entfernung. Soll heißen: Bei 20 Meter stehen 10 Sekunden zur Verfügung, bei 10 Meter noch 5 Sekunden und bei 5 Meter lediglich 2,5 Sekunden, um die jeweils zehn Schuss ins Ziel zu bringen.
Das Zielmedium kann die A- oder C-Zone einer IPSC-Scheibe oder eine vergleichbar große Fläche sein. Kyle Lamb macht hier keine genauen Vorgaben. Die Box unserer Scheibe entspricht etwa der A-Zone von Lamb.




Die Störung
Beim ½ & ½ Drill erlebte die SIG 516 auch ihre erste Störung. Klassifizieren könnte man die als Zuführstörung: Der Verschluss / die Verschlussfeder waren nicht stark genug, die Patrone aus dem Magazin ins Patronenlager zu drücken. Es war kein Double-Feed (Typ III) und auch keine Auswurfstörung (Typ II). Am ehesten ließe sich die aufgetretene Störung als Typ IV klassifizieren.
Die Ursache konnte nicht vollends geklärt werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war sie jedoch magazinbedingt. Das Magazin wurde gekennzeichnet und steht unter Beobachtung.
Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass die Schließfeder in der Tat zu schwach ist.





Fazit
Die SIG 516 ist eine sauber verarbeitete Waffe mit einem präzise funktionierenden (wenn auch relativ harten) Abzug. Das Abzugsgewicht von 3,9 kg steht schnellen Schussfolgen jedoch nicht im Weg.


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Freitag, 6. Januar 2012

SIG 516 Langzeittest – Woche 01

Die SIG 516 war eine der großen Neuheiten auf der IWA 2011. Seit letztem Sommer ist sie erhältlich. Das Besondere an diesem AR-15 von SIG Sauer ist das Kurzhubgassystem. Im Gegensatz zum traditionellen Stoner-System werden hier keine Pulvergase in den Verschluss geleitet.



direct gas impingement
Alle AR-15 Selbstladegewehre haben ihren Ursprung im so genannten Stoner-System. Eugen Stoner, US-amerikanischer Waffenkonstrukteur, entwickelte in den 1950er Jahren das „direct gas impingement“ System weiter. Diese Art den Nachladevorgang einer automatischen Waffe in Gang zu setzen, basiert auf einer Gasentnahmebohrung im Lauf und der Weiterleitung der Gase über ein Gasrohr auf den Verschlussträger. Dort verrichten die Pulvergase ihre Arbeit, indem sie den Verschlussträger über die Entriegelungssteuerkurve zurückschleudern. Die Entwicklung Stoners wurde in den 1960er Jahren unter der Bezeichnung M16 als Standardwaffe bei den US-amerikanischen Streitkräften eingeführt. Stoner war keineswegs Erfinder dieses Systems, er hat es nur weiterentwickelt. Bereits im Jahr 1942 führte die schwedische Armee das Ljungman-Selbstladegewehr AG-42B ein, welches nach demselben Prinzip funktionierte. Auch bei den französischen MAS-49 Selbstladern werden die Gase direkt auf den Verschluss geleitet. Die Vorteile dieses kolbenlosen Systems liegen im geringeren Waffengesamtgewicht und insbesondere bei der geringeren bewegten Masse in der Waffe während des Schusses. Als Nachteil wird von Kritikern gern der höhere Verschmutzungsgrad angeführt, der durch die Ablagerung von Pulverschmauch im Verschluss entsteht.




Gaskolbensystem
Neben dem „direct gas impingement“ System kennt der Waffenbau bei Gasdruckladern noch das Gaskolbensystem. Bekannte Waffenmodelle, die mit diesem System arbeiten sind beispielsweise das amerikanische M1 Garand, die Kalaschnikow AK-47, AKM und ihre Varianten und das Schweizer Sturmgewehr 90 bzw. die Baureihe SIG 550 aber auch das G36 der Bundeswehr. Bei diesem System werden die Pulvergase nicht bis in den Verschlussträger geleitet, sondern auf einen Kolben (auch Piston genannt). Der Kolben drückt über ein Gestänge auf den Verschlussträger. Die SIG 516 ist ein „short stroke“ System. Hierbei läuft der Kolben nicht über die volle Länge des Verschlussweges zurück. Der deutsche Fachbegriff Kurzhubgasdrucklader bezeichnet das „short stroke“ System sehr treffend.
Die Verschmutzung entsteht beim Gaskolbensystem weniger im Verschluss, dafür aber im Arbeitsbereich des Kolbens. Diese Stelle sollte gelegentlich einer Reinigung unterzogen werden.






Gasventil
Das Gasventil der SIG 516 ist verstellbar und arbeitet in vier Positionen.
Position 1 (Ventilkopf steht senkrecht) ist normaler Betrieb.
Position 2 (folgende Stellung gegen den Uhrzeigersinn bei Draufsicht) kann bei starker Verschmutzung der Waffe verwendet werden. Hierbei wird eine größere Menge Gas gegen den Kolben freigegeben. Der Hersteller warnt aber bei Dauergebrauch in Pos. 2 vor höherem Verschleiß der Waffe und rät zu einer Reinigung.
Position 3 (weiter gegen den Uhrzeigersinn) steht für „Suppressed“; also die Verwendung mit Schalldämpfer. Der Ladevorgang wird durch einen reduzierten Gasdruck an den Schalldämpferbetrieb angepasst.
Position 4 (Drehung aus Pos. 1 im Uhrzeigersinn, Ventilkopf steht waagerecht) verschließt das Gassystem. Die Waffe funktioniert als Einzelschusswaffe ohne Verschlussbewegung.

Zerlegen
Das Zerlegen des Gassystems ist denkbar einfach. Aus Pos. 4 heraus wird das Ventil weiter in Richtung Uhrzeigersinn gedreht (bei Draufsicht), bis es entriegelt. Das Ventil mit Gestänge und Feder kann jetzt nach vorn aus der Waffe entnommen werden. Zerlegearbeiten am Handschutz sind dazu nicht erforderlich. Der Einbau ist ebenso unkompliziert. Das Gestänge besitzt im unteren Bereich, auf sechs Uhr, eine Aussparung. Nur in dieser Weise passt der Piston wieder in die Waffe.




A3-Gehäuse und Visierung
Im Gegensatz zu einem A2-Gehäuse, bei dem die hintere Visiereinrichtung fest mit dem Gehäuse verbunden ist, besitzt die SIG 516 ein A3-Gehäuse. Diese Modellvariante wird auch als „Flattop-Receiver“ bezeichnet. Auf der MIL-Standard-1913-Picatinnyschiene können mühelos andere Zielvorrichtungen angebracht werden. Im Lower Receiver befindet sich ein kleiner Pin. Dieses federnd gelagerte Druckstück hat die Aufgabe, das Spiel aus dem Obergehäuse (Upper Receiver) und dem Griffstück (Lower Receiver) zu nehmen. Die Waffe wird dadurch steifer.

Im Lieferumfang enthalten sind Klappkimme und -korn des Typs A.R.M.S. #71. Diese sind aus widerstandsfähigem Polymer gefertigt. Der Hersteller empfiehlt dennoch, das Korn nicht direkt über der Gasentnahme zu montieren. Es könnte durch die Hitzentwicklung seinen Aggregatszustand ändern und unbrauchbar werden. Wird das Korn nach hinten versetzt auf dem Handschutz montiert, beträgt die Visierlinie gerade noch 31 cm. Gegenüber einem vergleichbaren AR-15 mit 16“-Lauf und mid-length-Gasabnahme, opfert der Anwender mindestens 10 cm Visierlinie. Natürlich spielt dieser Umstand keine tragende Rolle, wird die SIG mit einem Schmidt & Bender Short Dot oder einem Aimpoint ausgestattet. Unterstellt man aber, dass jedes Gewehr eine funktionierende Notvisierung haben sollte, mit der zumindest 300 m überbrückt werden können, sind 31 cm nicht viel.




Wir entschieden uns dazu, die offene Visierung komplett auszutauschen und gegen ein Klappkorn von Samson zu ersetzen. Das Aluminiumbauteil ist weniger hitzeanfällig und kann direkt auf dem Gasblock montiert werden. Die Visierlinienlänge wächst dadurch auf 35 cm. Außerdem verwenden wir die Klappkimme von MATECH mit einer Haltepunktanpassung bis zu 600 Meter.
Ein gelegentlicher Austausch der Visiereinrichtungen wird die einzige Modifikation sein, welche die SIG 516 im Langzeittest erfahren wird. Ansonsten bleibt die Waffe, wie aus der Verpackung entnommen.




Lauf und Verschluss
Die Lauflänge beträgt 42 cm, wodurch die Waffe auch für bundesrepublikanische Sportschützen erwerbbar wird. Es gibt zwei Dralllängen. Die Version 1:7 ist nur für Export bzw. militärische Aufträge vorgesehen. Die Zivilversion besitzt einen Drall 1:10. Mit dieser Dralllänge sollte die Waffe sowohl mit 55 gr. als auch mit Geschossen bis 69 gr. gut zurechtkommen. Der A2-Feuerdämpfer sitzt auf einem Gewinde der Größe ½ x 28 TPI und ist gegen einen Schalldämpfer austauschbar.

Der Lauf ist als Freischwinger konzipiert, was der Präzision zu Gute kommt.
Was beim Zerlegen der Waffe sofort auffällt, ist die Haptik des Verschlussträgers. SIG Sauer arbeitet hier mit einer Beschichtung namens DLC. DLC steht für diamond-like Carbon und ist eine Beschichtung mit besonders reibungs- und verschleißmindernden Eigenschaften.
Der komplette Verschlussträger wiegt 310 Gramm. Das sind 5 Gramm weniger als der Standardverschluss eines XR-15.

Ausstattungspaket
Die SIG 516 wird in einem hochwertigen Ausstattungspaket geliefert, welches für ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis sorgt. Geliefert wird die Waffe in einem verschließbaren Hartschalenkoffer, indem zwei Gewehre bis zu 114 cm Gesamtlänge transportiert werden könnten. Waffenreinigungsset mit zerlegbarem Putzstock und ein 20-Schuss-GMAG-Magazin mit Limiter für 10 Schuss sind ebenfalls dabei.
Das beiliegende Schussbild verspricht auf 100 Meter eine Gruppe von 18 mm. Angeschossen wurde die Waffe vom Werk mit der GECO Target in 55 gr.
Darüber hinaus befindet sich wie schon erwähnt die A.R.M.S. Klappvisierung des Typs #71 mit im Paket. Diese erzeugt Co-Witness mit den gängigen Leuchtpunktzielgeräten von Aimpoint, Trijicon oder EO Tech.
Die SIG 516 besitzt ein MagPul MOE-Griffstück und den MagPul MOE-6-Positionen-Schiebeschaft.

Fazit
Wenn ein Schwergewicht wie SIG Sauer einen Selbstlader anbietet, hat das langfristig vor allem einen positiven Effekt für die Anwender. Mit den Verkaufserfolgen der SIG 516 sollte die Unternehmensleitung bei SIG Sauer auch erkennen, wie wichtig der Privatmarkt ist. Und dass es in der heutigen Zeit nahezu unerlässlich ist, massive Lobbyarbeit zu betreiben. Wir, die „Selbstladerfraktion“, kaufen diese Waffen gern. Am liebsten von jedem Hersteller ein Modell. Für uns würde mit Verboten oder Restriktionen ein großes Stück Waffenkultur wegbrechen.


Technische Daten
Modell: SIG 516 Patrol
Hersteller: SIG Sauer GmbH; Eckernförde, BRD
Waffenart: Selbstladebüchse (Kurzhubgasdrucklader mit Drehverschluss)
Kaliber: .223 Rem
Lauflänge: 42 cm
Drall: 1:10“, rechts
Magazinkapazität: 10 Schuss und alle gängigen Magazine
Visierung: Offene Visierung mit Klappkimme und Klappkorn
Visierlinie: 31 cm / 35 cm
Abzugsgewicht (bei Testbeginn): 3.900 g
Gesamtlänge: 84 bis 92 cm
Gewicht: 3,475 kg
Preis: 2.100 Euro

Mehr dazu ab 30. Januar 2012 auf waffenkultur.com


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Montag, 2. Januar 2012

Neujahr

2011 ist vorüber. Ich möchte allen Lesern dieser Seite, allen Lesern der WAFFENKULTUR und allen Kursteilnehmern von Akademie 0/500 ein gutes Jahr 2012 wünschen.

Unser Open Source Magazin WAFFENKULTUR wurde am Markt sehr gut angenommen. Wir werden versuchen, in diesem Jahr noch eine Schippe drauf zu legen.

Beginnend mit der Kalenderwoche 01 werden wir den neuen Kurzhubgasdrucklader aus dem Hause SIG Sauer einem Langzeittest unterziehen. Die SIG 516 wird uns auf Trainingssitzungen und zu Schießkursen begleiten. Wir werden die Gesamtschusszahl dokumentieren, aber auch etwaige Störungen bzw. verschlissene Bauteile. Dieser Langzeittest vollzieht sich unabhängig; soll heißen ohne Einfluss des Herstellers, da die SIG 516 käuflich erworben wurde.

Kursteilnehmern unserer Gewehrkurse steht die SIG 516 als Leihwaffe zur Verfügung. Wahlweise kann die Waffe mit einer Leuchtpunktoptik von Aimpoint (Comp M4s oder Aimpoint PRO) ausgestattet werden.

An dieser Stelle geht besonderer Dank an alle Kursteilnehmer der Akademie 0/500. Ihr habt das Jahr 2011 zum erfolgreichsten Jahr bisher werden lassen. Manche Kurse waren mehrere Monate vorab ausgebucht. Der Erfolg lässt sich aber nicht nur an Teilnehmerzahlen messen.
Auch das hohe Niveau an Lernbereitschaft und Handhabungssicherheit im Umgang mit Schusswaffen, was durch Privatwaffenbesitzer an den Tag gelegt wurde, ist beispielhaft. Das ist gelebte Waffenkultur. Mein Eindruck, dass Privatwaffenbesitzer ein überdurchschnittliches Maß an Eigenverantwortung besitzen, hat sich erhärtet (und stand nie in Frage).

In 2012 werden wir mit Akademie 0/500 einige der Kooperationen umsetzen und verfestigen, über die wir schon berichtet haben. Im April laufen die ersten Kurse mit NDS in der Schweiz. Diese beiden Tage waren ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht. Weitere Kurse mit NDS werden im zweiten Halbjahr folgen. Wir arbeiten daran, in 2012 mindestens einen US-amerikanischen Trainer in die Bundesrepublik zu holen.

Vorsätze für 2012?
Nicht mehr so viel mit den Jungs draußen rumhängen…




Jetzt übrigens auch auf Facebook:

Feuerkampf & Taktik

DIE WAFFENKULTUR

Akademie 0/500

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Zwischen den Jahren

21. / 22. Dezember – Sonnenwende. Heute endet das Sonnenjahr, bzw. astronomisch korrekt endet es in 2011 am 22. Dezember in den frühen Morgenstunden. Die Tage werden wieder länger. Das Sonnenjahr dauert von Wintersonnenwende zu Wintersonnenwende und misst exakt 365,25 Tage.

Dem gegenüber steht das Mondjahr mit seinen 12 Mondmonaten. Jeder Mondmonat hat 29,5 Tage; das Mondjahr demzufolge 354 Tage. Die Differenz von 11 Tagen und 12 Nächten nennt man auch die Zeit zwischen den Jahren. Für die Altvorderen waren diese 12 Rauhenächte von großer Bedeutung. Die Geschehnisse jeder einzelnen Nacht stehen symbolisch für einen Monat des kommenden Jahres. Rudimentär hat sich dieser Brauch im Bleigießen zu Silvester erhalten.
Die Zeit zwischen den Jahren soll eine Zeit der Besinnung und Ruhe sein und eine Zeit des Kraftschöpfens, um den Herausforderungen des neuen Jahres gewachsen zu sein.

In dieser Beziehung steht uns Privatwaffenbesitzern einiges bevor. Leichter werden die Zeiten nicht. Antifreiheitliche Kräfte betreiben schon seit geraumer Zeit Initiativen zur schleichenden Entwaffnung des Bürgers; egal, ob in der Schweiz, in Österreich oder der Bundesrepublik. Ein Patentrezept, wie diesen Umtrieben entgegenzuwirken sei, gibt es kaum.




Kauft Euch so viele Waffen, wie Euch gem. der gesetzlichen Regelungen zustehen. Jetzt.
Kauft Euch so viel Magazine und Munition wie Ihr kriegen und lagern könnt. Jetzt. (Bitte auch hier die gesetzlichen Bestimmungen des jeweiligen Landes beachten.)
Achtet beim Kauf bitte darauf, ob und in wie weit sich Hersteller und Händler für den Erhalt des Privatwaffenbesitzes einsetzen. Wer sein Heil einzig im Behördenmarkt sucht, soll seine € auch dort generieren.



Vielleicht erwächst in der besinnlichen Zeit bei manch einem auch der Wunsch, sich im neuen Kalenderjahr stärker zu engagieren und sich zu organisieren.

Werdet Mitglied bei proTell, IWÖ und Forum Waffenrecht.

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Forum Waffenrecht



Ich wünsche allen Lesern und Kursteilnehmern
eine ruhige und besinnliche Zeit zwischen den Jahren.
Henning Hoffmann

Waffenkultur.com
Akademie 0/500

Freitag, 9. Dezember 2011

Trainingsgutscheine

Noch kein Weihnachtsgeschenk? Wie wäre es mit einem Trainingsgutschein für Akademie 0/500?

Der Gutschein kostet 200 € und berechtigt zur Teilnahme an einem Schießkurs (Tageskurs) mit Akademie 0/500.
Die Gültigkeitsdauer beträgt 18 Monate. Es gelten die Teilnahmebedingungen von Akademie 0/500. ( http://www.0-500.org/fragen.html )

Kontakt über: http://www.0-500.org/kontakt.html

Aktuelle Termine: Hier

Dienstag, 29. November 2011

Die Waffenkultur – Ausgabe 01 (November/Dezember 2011)

Der Waffenkultur-Server registrierte bis heute fast 25.000 Zugriffe. Auf der calameo-Plattform blätterten mehr als 8.260 Leser in der Pilotausgabe. Diese Resonanz ist für ein Newcomer Projekt spektakulär. Das haben wir Euch zu verdanken.

Magazine werden an ihrer verbreiteten Auflage oder der Abonnentenzahl gemessen. Online-Magazine an ihren Zugriffszahlen. Die Zahl 30.000 war unser erklärtes Ziel für das Frühjahr 2012. Der Zuspruch, den Waffenkultur am Markt erfahren hat, übertrifft alles, was wir uns erhofft hatten. Das äußert sich nicht nur in virtuellen Klicks. Neben unzähligen Kommentaren und Leserzuschriften haben auch über ein Dutzend Internetforen unser Open-Source-Magazin positiv reflektiert und verlinkt.

Waffenkultur scheint das Format zu sein, auf das alle gewartet haben. Für uns, das Netzwerk hinter Waffenkultur, ist das Ansporn und Verpflichtung gleichermaßen. Wir hoffen daher mit der echten Ausgabe 01 auch wieder Euren waffenkulturellen Nerv zu treffen und Euch den einen und anderen weiterbildenden Beitrag liefern zu können.

Waffenkultur ist da. Die Pilotausgabe ist raus. Es gibt kein zurück. Ab Ausgabe 01 werden wir besser und größer. Das geht gar nicht anders, denn wir sind Open Source.


Ausgabe 01 November/Dezember 2011


Als Portal steht jetzt die Internetseite www.waffenkultur.com zur Verfügung.


Die November/Dezember Ausgabe hat folgenden Inhalt:

- 1-1000: 5-tägiger Scharfschützenkurs in der Schweiz
- Gedämpft: MFD für SIG-Büchsen
- Der Ziehvorgang und seine Varianten
- Die Ruger Gunsite Scout Rifle
- Das Böker Sniper Blade Works S2
- 7 Tipps für schnelle Schussfolgen
- Das X-Bionic Combat Energizer
- Recht: Verbotene Waffen und Gegenstände
- Buchempfehlungen




calameo: http://www.calameo.com/read/000704571b904a428a4e7



Werbepartner:

- Helikon-Tex.com
- Surefire.com
- Partisan Verlag
- 0-500.de – Akademie 0/500
- vikingtactics.de
- brunox.com
- aimpoint.com
- riversandrocks.com
- sierra-313.de

Dienstag, 8. November 2011

Leseempfehlungen (2)

Handwaffen und Panzerabwehrhandwaffen der Bundeswehr – Geschichte, Taktik, Technik
von Jan-Phillipp Weisswange


208 Seiten gebunden mit Schutzumschlag
Verlag: E.S. Mittler & Sohn GmbH
ISBN-13: 978-3813209327
Format: 21 x 27 cm
Preis: 24,95 €

Direktlink

Der renommierte Autor Dr. Jan-Phillipp Weisswange stellt mit dieser Neuveröffentlichung ein Standardwerk vor und füllt gleichzeitig eine seit mittlerweile zehn Jahren bestehende Lücke im Fachbereich Handwaffen. Der letzte Titel zum Thema erschien 2001 durch das Autorenteam Abresch / Wilhelm im Report Verlag. Zehn Jahre in denen sich mit der sicherheitspolitischen Lage auch die Anforderungen an Ausbildung und Bewaffnung geändert haben – in Teilbereichen sogar grundlegend.

Jan-Phillipp Weisswange nähert sich dem Untersuchungsgegenstand „Handwaffen“ aus verschiedenen Perspektiven. Zum einen unterteilt er die Phasen der Bundeswehrbewaffnung in sechs Epochen. Chronologisch beginnend bei der Aufstellungsphase, dem Kalten Krieg, der Wendezeit, der Transformation zur Einsatzarmee über die Armee im Gefecht und einem Zukunftsblick. Für jede Epoche schildert er sicherheitspolitische und militärstrategische Rahmenbedingungen, um schließlich die jeweils eingeführten Waffen detailliert vorzustellen.

Zum anderen begeht Weisswange den notwendigen Spagat einer Betrachtung aus der taktischen Perspektive heraus. Der Leser erhält dadurch einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn. Für den Autor besitzt der Soldat selbst eine Schlüsselstellung. Die mentale Einstellung zum Kampf bezeichnet Jan-Phillipp Weisswange als taktischen Kampfkraftmultiplikator.

Der dritte Teil des Buches beleuchtet technische Aspekte etwas genauer: Die Verschlusstechnik von Handwaffen, die Leistungsfähigkeit von Munition sowie Optik und Optronik.

Vereinzelt greift Weisswange auf Gastautoren zurück. Beispielsweise auf Peter Dannecker, einem deutschsprachigen Kompetenzzentrum in Sachen Verschlusstechnik oder Oliver Mark Baumann, einer treibenden Kraft hinter dem neuen Schießausbildungskonzept der Bundeswehr.

Das Buch ist darüber hinaus hochaktuell und lässt auch die jüngsten Entwicklungstendenzen im Bereich „DMR 7,62“ nicht aus.

Im Fazit bleibt festzustellen: Auch im Zeitalter der "Vernetzten Operationsführung" durch hochkomplexes militärisches Großgerät haben der Fußsoldat und sein Gewehr immer noch entscheidenden Einfluss auf das Kampfgeschehen.







Verdammt und geliebt - Erinnerungen eines Fremdenlegionärs
von Wolf-R. Barthel


348 Seiten
Verlag: Epee Edition e.K.
ISBN-13: 978-3943288018
Preis: 19,90 €

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Wolf-R. Barthel nimmt den Leser mit in die Zeit des Algerienkriegs, den er als junger Fremdenlegionär aus Deutschland erlebte. Sein autobiographischer Erlebnisbericht beginnt Ende des Jahres 1957 mit seinem Weggang aus seinem Elternhaus in Berlin als Halbstarker und endet 1962 mit seinem Vertragsende und dem darauf folgenden Schritt ins Zivilleben.
Bei „Verdammt und geliebt“ handelt es sich um eine schnörkellose und ehrliche Abrechnung mit einem Lebensabschnitt voller Abenteuer, Entbehrungen, Kameradschaft und Leid.
Nicht die politischen Ereignisse und Hintergründe, welche zum Algerienkrieg führten, stehen im Mittelpunkt, sondern der Mikroorganismus des „Soldat seins“. Meine Kameraden, meine Vorgesetzten, meine Einheit, die Legion – meine Heimat.
Die distanzlose Darstellung und die kurzweilige Erzählweise machen das Buch sehr empfehlenswert.







Tödlicher Irrtum – Die Geschichte der RAF
von Butz Peters


Taschenbuch: 863 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt;
3. Aufl. (Juni 2007)
ISBN-13: 978-3596172658
Preis: 12,95 €

Direktlink

Egal was man über die RAF wissen möchte, auf den 860 Seiten von Butz Peters wird man fündig.
Das Buch gliedert sich in sieben Abschnitte. Drei davon bilden die drei Generationen ab. Ein Abschnitt widmet sich dem Thema RAF und MfS und einer den Nachwirkungen der Selbstauflösung im Jahr 1998. Butz Peters erzählt chronologisch. Dennoch kann das Buch auch abschnittsweise oder kapitelweise ohne Informationsverlust gelesen werden. Was besonders gefällt: Jede involvierte Person wird mit einem kurzen Lebenslauf in die Erzählung eingeführt. Dem Leser fällt es somit leicht, den Überblick zu behalten. Der Autor verrät, dass bis heute weitgehend unbekannt ist, wer zur 3. Generation der RAF gehörte, dass es eine RAF-Angehörige gibt, deren Identität zwar bekannt ist, die aber bisher nicht gefasst werden konnte. Ebenso ist die Tatwaffe, mit der Hanns Martin Schleyer und Gerold von Braunmühl erschossen wurden immer noch spurlos verschwunden.

Samstag, 29. Oktober 2011

Die Ruger Gunsite Scout Rifle (2)

Im ersten Teil des Berichts ging es um Jeff Coopers Scout-Rifle-Konzept und welche Vorgaben er an die Waffe hatte. Im zweiten Abschnitt werden ein paar Details der Waffe näher betrachtet.


Lauf und Feuerdämpfer
Eingerichtet für das Kaliber .308 Win. besitzt der Lauf eine Dralllänge von 1:10. Zumindest auf dem US-Markt ist die Repetierbüchse sowohl in Rechts- als auch Linkshänderausführung lieferbar.
Der Mündungsfeuerdämpfer der US-Ausführung besitzt ein UNF-Gewinde der Größe 5/8“-24. Das bedeutet, das Feingewinde hat einen Außendurchmesser von 5/8 Zoll und eine Gewindesteigung von 24 Umdrehungen pro Zoll. Der MFD ist abnehmbar und kann durch einen Schalldämpfer ersetzt werden. Was vermutlich der Grund für die Exportbeschränkung ist.
Gefüttert wird die Waffe über ein abnehmbares Kastenmagazin von zehn bzw. fünf Schuss. Waffenanwender, die jetzt hoffen, die Feuerkraft ihrer vorhandenen M77-Büchsen durch Austausch des Triggerguard und Magwell zu erhöhen, werden enttäuscht sein. Die Abzugs- und Magazinaufnahme der Gunsite Scout Rifle ist nach Herstellerangaben nicht mit anderen M77, M77 Mk.II oder M77 Hawkeye Büchsen kompatibel.


Foto: Sturm, Ruger & Co. Inc.



Die Visierung
Die Gunsite Scout besitzt verschiedene Visieroptionen. Zum einen die Ghost-Ring-Eisenvisierung. Die Lochkimme ist in Höhe und Seite justierbar. Sie bietet ein überaus brauchbares Visierbild und ermöglicht Treffer auf einer 10er-Ringscheibe bis zu mindestens 100 Metern. Von einer Rucksackauflage über 75 Meter Entfernung geschossen, ließen sich ohne größere Anstrengung Streukreise von 4 cm halten.
Darüber hinaus besitzt die Scout Rifle ganz der Idee Jeff Coopers folgend, eine 15 cm lange Picatinnyschiene, auf der eine nach vorn verschobene optische Zielhilfe in Form von Rotpunkt oder ZF montiert werden kann.


Foto: Sturm, Ruger & Co. Inc.


Seitenjustierung und Höhenkorrektur
Das Justieren der Lochkimme ist mit etwas Glück verbunden. Soll der Treffpunkt nach rechts verschoben werden, muss zuerst die rechte Verstellschraube gelöst werden. Eine viertel Drehung ist hier ausreichend. Danach wird über dieselbe Schraube die eigentliche Verstellung vorgenommen. Eine komplette Linksdrehung (d.h. entgegen dem Uhrzeigersinn) bewirkt auf 100 m eine Treffpunktverlagerung um ungefähr 12,5 cm (5 inch) nach rechts.
Nachdem die Seiten entsprechend korrigiert wurde, wird die Lochkimme über die linke Verstellschraube wieder festgezogen. Die linke Schraube drückt somit gegen die rechte und die Lochkimme ist fixiert.
Für die Höhenkorrektur muss wiederum zuerst die rechte Verstellschraube gelöst werden. Empfohlen wird hierbei, eine komplette Drehung zu vollziehen. Dadurch ist gewährleistet, dass die bereits vorgenommene Seitenjustierung erhalten bleibt. Die Lochkimme kann jetzt um jeweils halbe Drehungen bewegt werden. Eine halbe Drehung im Uhrzeigersinn hat auf 100 m eine Treffpunktverlagerung um etwa 3 cm nach unten zur Folge (1,25 inch / 100 yards). Ist die Höhe korrigiert, wird die Lochkimme über dieselbe Feststellschraube wieder fixiert, mit der sie auch gelockert wurde. Im Idealfall ist das eine Umdrehung und die Seitenjustierung bleibt gleich.
Zum Lösen der Schrauben ist ein Inbusschlüssel der US-amerikanischen Dimension 5/64 erforderlich. Europäische Schlüsselgrößen würden die Verstellschrauben ruinieren.

Aimpoint Hunter H34S
Zum Testschießen bekam die Waffe ein Aimpoint Hunter H34S verpasst. Die entsprechende Montage stellte Oliver Falk von vikingtactics.de zur Verfügung. Die Entscheidung fiel auf eine ERA-TAC Blockmontage mit 34 mm Mittelrohrdurchmesser und Hebelbefestigung. Diese Montage zeichnet sich durch hervorragende Wiederholgenauigkeit aus. Eine Treffpunktverlagerung ist praktisch nicht wahrnehmbar. Die ERA-TAC Montage ist auch mit einer 20 MOA Vorneigung erhältlich und empfiehlt sich daher als Verbindungsglied zwischen einem Scharfschützengewehr und einem Zielfernrohr.

Das Aimpoint Hunter H34S ist eine seit etwa zwei Jahren verfügbare Rotpunktoptik, welche speziell jagdlichen Erfordernissen angepasst wurde. Es existieren insgesamt vier Varianten: Mit 30 bzw. 34 mm Mittelrohrdurchmesser sowie eine lange und kurze Ausführung. Der Punkt ist zwei MOA groß. Die Leuchtkraft lässt sich über zwölf Stufen regeln. Die Justierung des Aimpoint ist denkbar einfach. Und als Werkzeug werden lediglich die Verschlusskappen der Verstelltürme benötigt.
Natürlich wird die Zielerfassung mit einer Rotpunktoptik wie dem Aimpoint etwas erleichtert. Allerdings erhöht sich in dieser Konfiguration auch das Gewicht der Waffe um 560 g. Und nach Ansicht von Puristen geht der Charme der Scout Rifle dabei etwas verloren.





Die Zielgruppe
Die Zielgruppe wurde durch Jeff Cooper klar definiert: Jeder.
Als Jagdbüchse ist die Waffe geeignet. Sportschützen werden die offene Visierung in Form der Lochkimme und die 10 Schuss im Magazin mögen. Und als ständiger Begleiter auf einem Trail ist die leichte, robuste und feuerstarke Waffe gerade zu ideal.
Eine zusätzliche Käuferschicht könnte auf dem Schweizer Markt erschlossen werden, würde die Scout Rifle im Kaliber GP11 (7,5x55 Swiss) angeboten. Ob Sturm, Ruger & Co. Inc. in Newport ein paar Tausend Schweizer für ihre Marketingpolitik als wesentlich erachtet, ist eine andere Frage. Zumal Absatzprobleme in der aktuellen Konfiguration der Scout Rifle kein Thema sind.




In einem Punkt weicht die Gunsite Scout Rifle jedoch vom Cooper-Konzept ab: Die Ruger besitzt am Vorderschaft nicht die dritte Riemenöse zur Aufnahme des Ching Sling. Einem Drei-Punkt-Riemen entwickelt von Eric Ching und von Jeff Cooper favorisiert.

Fazit
Die Gunsite Scout Rifle ist „The one rifle to have, if you can have only one.”


Technische Daten
Modell: Ruger Gunsite Scout Rifle
Hersteller: Strum, Ruger & Co. Inc., Newport, NH, USA
Importeur: Testwaffe gestellt von Albrecht Kind GmbH
Waffenart: Repetierbüchse mit Zylinderverschluss
Kaliber: .308 Win.
Lauflänge: 46 cm
Drall: 1:10“
Magazinkapazität: 10 Schuss (5 Schuss), abnehmbar
Visierung: Offene Visierung mit Lochkimme und Picatinnyschiene
Sicherung: Dreistellungssicherung
Gesamtlänge: 97 cm
Gewicht: 3,4 kg
Preis: 1.190 Euro
Optik: Aimpoint Hunter H34S
Montage: ERA-TAC Blockmontage mit Hebelbefestigung



Ruger Gunsite Scout Rifle Teil 1

Sonntag, 16. Oktober 2011

Eine Woche Waffenkultur

Seit nicht ganz einer Woche ist die Pilotausgabe der Waffenkultur online.
Die Resonanz übertraf alles, was wir uns erhofft hatten.
In den ersten sechs Tagen erfolgten etwa 4.700 Einzeldownloads der .pdf-Ausgabe vom Waffenkultur-Server. Insgesamt registrierte unser Server über 10.000 Zugriffe.

Zusätzlich blätterten etwa 3.900 Leser in der iPad-optimierten Version bei calameo ( http://de.calameo.com/browse/formats/magazines/categories/school/dialects/de/?o=0&w=DESC ), was uns zur meistgelesenen Publikation auf dieser Plattform werden ließ.
http://de.calameo.com/read/00070457156e9cd47cda2



Der Internetauftritt unter waffenkultur.com wird in den nächsten Tagen fertig gestellt.

Die Waffenkultur und Akademie 0/500 sind jetzt auch bei Facebook:
http://www.facebook.com/pages/Die-Waffenkultur/168858039867369?sk=wall


http://www.facebook.com/pages/Akademie-0500/135284946572087

Montag, 10. Oktober 2011

Die Waffenkultur – Pilotausgabe

Dürfen wir uns vorstellen?
Angenehm; Die Waffenkultur! – Das deutschsprachige Open Source Magazin für Waffenanwender.
Wir sind neu und kommen jetzt öfter.
Alle zwei Monate und kostenlos, um genau zu sein.



Einige Akademie 0/500 Teilnehmer wussten es schon. Einige Gerüchte waren zu hören. Nach monatelanger intensiver Arbeit liegt das Resultat jetzt vor.
Die Waffenkultur ist nicht nur ein neues Waffenmagazin, sondern im deutschsprachigen Raum ein völlig neues Format. Wir sind komplett elektronisch und für den Leser kostenlos. Das Ganze kommt im professionellen Layout und mit interdisziplinärem Anspruch.
Erscheinungszeitpunkt ist jeweils das Ende jeden ungeraden Monats.



Pilotausgabe September/Oktober 2011



Die Pilotausgabe hat folgenden Inhalt:

- Wir über uns
- Ausbildung & Taktik: Die Triangel der Schießausbildung
- Ausbildung & Taktik: 0/500 – Der infanteristische Halbkilometer
- Ausbildung & Taktik: Der ECQC mit SouthNarc
- Hieb & Stich: Genesis des Messers
- Zubehör: Die GECO .223 Rem.
- Recht: 2 Jahre verdachtsunabhängige Kontrollen
- Vorschau auf Ausgabe 01 November / Dezember

Das .pdf kann hier herunter geladen werden:
http://waffenkultur.com








Zur Ausgabe 01 (November / Dezember 2011)

Montag, 26. September 2011

Die Ruger Gunsite Scout Rifle (1)

Sie entstand aus einem Konzept, dass Jeff Cooper 1983 verfasste. Sie ist 96 cm lang und 3,36 kg schwer. Sie ist für das Kaliber .308 Winchester eingerichtet. Vor allem aber ist sie eins: Die Waffe des Jahres 2011


Coopers Konzept

Die Entstehung des Konzepts ist relativ zuverlässig auf das Jahr 1983 datiert. Jeff Cooper, legendärer Schießausbilder und Gründer der Gunsite Range in Arizona, befasste sich intensiv mit der Konzeption einer „General Purpose Rifle“ – einem Mehrzweckgewehr für alle Lebenslagen. Die Waffe sollte sowohl auf der Jagd Verwendung finden können, als auch im taktischen Bereich, zur Selbstverteidigung oder als „Überlebensgewehr“. Auch Coopers Definition ist zuverlässig überliefert:

„A general purpose rifle is a conveniently portable, individually operated firearm, capable of striking a single decisive blow on a live target of up to 400 kilos in weight, at any distance at which the operator can shoot with the precision necessary to place a shot in a vital area of the target.”

Da Jeff Cooper der Ansicht war, alle modernen Langwaffenkaliber sind wirkungsvoll genug, wenn sie nur von einem guten Schützen verschossen werden, wurde beim Bau der Waffe von Beginn an der Fokus auf die Plattform gelegt und weniger auf das Kaliber.


Die Version mit Mündungsfeuerdämpfer ist nur auf dem US-Markt erhältlich



Coopers Vorgaben
Das Gewehr darf nicht länger als 39“ sein und ungeladen nicht schwerer als 6,6 Pounds.
Der Lauf sollte so leicht und so kurz wie möglich sein, und dennoch die ballistische Leistungsfähigkeit des noch zu wählenden Kalibers gewährleisten.
Der Verschluss sollte ein Mausersystem sein.
Das Magazin sollte abnehmbar sein und eingearbeitete Schultern sollten verhindern, dass sich die Patronenspitzen beim Rückstoß verformen.
Der Schaft sollte leicht aber trotzdem stabil sein. Er sollte die Aufnahme eines Zweibeins ermöglichen.
Der Gewehrriemen sollte sowohl zum Tragen der Waffe geeignet sein als auch unterstützend beim Schießen wirken.
Und das Gewehr sollte über zwei Visiereinrichtungen verfügen. Neben der Eisenvisierung sollte auch die Montage einer Optik in Form von ZF oder Rotpunktvisier möglich sein.



Die Exportversion mit 46 cm Lauf



RUGER GUNSITE SCOUT
Die Testwaffe wurde uns vom Deutschlandimporteur AKAH - Albrecht Kind GmbH, Gummersbach zur Verfügung gestellt. Die Exportausführung unterscheidet sich von der US-amerikanischen Version durch den fehlenden Mündungsfeuerdämpfer und den dadurch 4 cm längeren Lauf.
Aufgrund von Exportbeschränkungen seitens der USA ist es nicht möglich, die US-Variante mit Feuerdämpfer zu erwerben.




Der Abzug
Die Ruger Gunsite Scout gehört zur Modellreihe M77. Die derzeitigen M77-Ausführungen haben den verbesserten LC6-Abzug, welcher ein leichteres Abzugsgewicht haben soll und trockener bricht als die bisherigen Serienabzüge in Rugerbüchsen.
Der Abzug der Testwaffe ist makellos und löst mit ausgesprochen angenehmer Charakteristik bei etwa 1,7 kg aus.


Die Visierung
Die Gunsite Scout besitzt verschiedene Visieroptionen. Zum einen die Ghost-Ring-Eisenvisierung. Die Lochkimme ist in Höhe und Seite justierbar. Sie bietet ein überaus brauchbares Visierbild und ermöglicht Treffer auf einer 10er-Ringscheibe bis zu mindestens 100 Metern. Von einer Rucksackauflage über 75 Meter Entfernung geschossen, ließen sich ohne größere Anstrengung Streukreise von 4 cm halten.
Darüber hinaus besitzt die Scout Rifle ganz der Idee Jeff Coopers folgend, eine 15 cm lange Picatinnyschiene, auf der eine nach vorn verschobene optische Zielhilfe in Form von Rotpunkt oder ZF montiert werden kann.
Bei weiteren Testschießen wird die Waffe mit einem Aimpoint Hunter H34S und einem Schmidt & Bender Short Dot ausgestattet.




Fazit
Die Gunsite Scout Rifle ist Rugers Umsetzung von Jeff Coopers Konzept. Durch die Kooperation mit Gunsite ist die Waffe nach fast 30 Jahren wieder an den Ort ihres Ursprungs zurückgekehrt.
Die Waffe ist qualitativ hochwertig gearbeitet und bot bei ersten Testschießen eine gute Präzision, die noch mehr Potential erwarten lässt.
Vor allem aber sieht die Ruger Gunsite Scout Rifle gut aus und macht eine Menge Spaß.


Ruger Gunsite Scout Rifle Teil 2

Donnerstag, 21. Juli 2011

Akademie 0/500

Die dwj Verlags-GmbH hat aus internen Gründen entschieden, dass Projekt DWJ-Akademie vorerst nicht weiter fortzuführen. Einhergehend mit der Trennung erfolgt auch unsere Umbenennung in Akademie 0/500.

Somit machen wir ein Konzept zum Name. 0/500 steht für eine ganzheitliche Schießausbildung, welche die Entfernungen von Null bis 500 Meter anspricht. Natürlich werden auch weiterhin der Sportschütze und der Jagdscheininhaber von unseren Kursen profitieren können. Privatwaffenwaffenbesitzer bleiben nach wie vor die Hauptzielgruppe.

Der Name ändert sich, aber die hohe Qualität der Kurse bleibt. Ebenso unsere Kundennähe und das individuelle Eingehen auf alle Teilnehmer – ganz gleich aus welcher Sparte sie kommen.

Mit Akademie 0/500 werden wir unser Kursangebot sogar noch erweitern. Neben reinen Schießkursen werden wir in Zukunft verstärkt Waffenmeisterkurse (sog. Armorer-Kurse) anbieten.

Kooperationen mit ausländischen Schießschulen, wie z.B. NDS aus der Schweiz oder US-amerikanischen Schulen sind ebenfalls geplant.

Beachtet bitte unsere neue Internetseite:
http://www.0-500.org

Freitag, 17. Juni 2011

0/500 – Der infanteristische Halbkilometer

Der infanteristische Halbkilometer ist mehr als nur eine Entfernungsangabe. Er ist eine Philosophie, die der Ausbildung von Soldaten – insbesondere Infanteristen – zu Grunde liegen sollte.


Der Halbkilometer steht für die ersten 500 Meter Kampfentfernung. Beginnend bei der Kontaktdistanz bis zur Grenze der Wahrnehmungsfähigkeit des unverstärkten menschlichen Auges. Der Infanterist sollte dazu befähigt werden, die ihm zur Verfügung stehenden Mittel im gesamten Bereich effektiv einzusetzen. In den allermeisten Fällen wird das Einsatzmittel mit der größten Wirkung das Sturmgewehr sein. Das einfachste Mittel werden seine Hände sein, gefolgt von einem Messer und der Kurzwaffe.

In der Ausbildung werden Distanzen von Null bis 3 Meter und jenseits der 300 Meter gern vernachlässigt. Entweder stehen keine adäquaten Schießbahnen zur Verfügung oder beim Training in Kontaktdistanz überwiegt die Angst vor Verletzungen bei sich oder dem Gegenspieler. Rechnerisch werden somit über 40% des Halbkilometers ausgeklammert. Das Resultat ist ein rudimentäres Ausbildungskonzept, welches die Teilnehmer in einer trügerischen Sicherheit ob ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten wiegt. Nur weil man etwas nicht trainiert, heißt das nicht, dass man es nicht braucht.

Schema der fünf Ringe
Wir dürfen nicht in Kategorien wie „Schießstand“ und „Schießsportentfernung“ denken. Draußen haben wir es grundsätzlich mit unbekannten Entfernungen zu tun und mit einer 360°-Umgebung. Waffensicherheit wird zu einem Faktor.
Die Schweizer Armee vermittelt ihren Soldaten innerhalb der Triangel der Schießausbildung ein Konzept, dass man als Schema der fünf Ringe bezeichnen könnte. In dieser schematischen Darstellung symbolisiert jeder Ring eine mögliche Entfernung zum Gegner, der eine spezielle, charakteristische Abwehrhandlung erfordert. Im innersten Kreis befindet sich der Kopf, oder die Psyche. Im englischen wird dieser Teil auch als Mindset bezeichnet. Der zweite Kreis entspricht der Armlängendistanz, gefolgt von der Messer- und Spraydistanz. Beim vierten Kreis spricht man von der Pistolendistanz. Der fünfte Kreis reicht bis zu einer Entfernung von 500 m und symbolisiert die Einsatzentfernung des Sturmgewehrs.

Sturmgewehr bleibt Primärwaffe
Das Sturmgewehr ist und bleibt (voraussichtlich noch sehr lange) die Primärwaffe des Fußsoldaten. Er muss sein Gewehr im 0/500-Bereich sicher einsetzen können. Den Fokus der Schießausbildung aber auf so genanntes „Nahbereichsschießen“ zu legen, ist kontraproduktiv. Zu allem Übel findet dabei meistens auch noch eine sehr freie Interpretation des Begriffs „Nahbereich“ statt. Dieser spielt sich nämlich nicht im Entfernungsbereich 30 oder 50 Meter ab. Der Nahbereich endet in der Gewehrausbildung bei 200 Metern.

Natürlich kann eine Langwaffe auf kurze Distanz sehr effektiv eingesetzt werden. Sie sollte aber nicht als Surrogat für eine Pistole und als Wirkmittel für einzig diesen Entfernungsbereich missverstanden werden. Ein Gewehr dient dazu, das Kampfgeschehen auf Distanz zu halten.

Verlorenes Wissen
Es waren u.a. die US Marineinfanteristen, die Anfang des 20. Jh. mit ihrer Schießausbildungsvorschrift einen Maßstab setzten, der bis heute gilt. Jeder US Marine ist zu allererst ein „Rifleman“ und als solcher befähigt, einen präzisen Manntreffer auf mindestens 500 Meter anzubringen. Das US-amerikanische Marineinfanteriecorps manifestierte mit seiner Ausbildungsvorschrift eine Entwicklung, die ihren Ursprung im deutschen bzw. Schweizer Sprachraum des 19. Jh. hatte.

Allerdings müssen wir uns den Vorwurf gefallen lassen, dass im ausgehenden 20. Jh. und auch zu Beginn des 21. Jh. mit einer Fokussierung auf technische Hilfsmittel und auf „Spezialeinsatzkräfte“ querschnittlich in der Schießausbildung viel Wissen verloren ging.
Mancherorts wurde versucht, durch neue Körperhaltungen und bizarr anmutende Gewehrhaltetechniken das Rad neu zu erfinden. Im Ergebnis ist das nur eine unnötige Spezialisierung, welche eine Einschränkung von Universalität zur Folge hat.

Fazit
Schießen ist nicht wie Eiskunstlauf, wo es um Pirouetten und Grazie geht. Es ist eher wie Eishockey: Im Kollektiv unter Druck und ständiger Einwirkung des Gegners ein Ziel zu treffen.
Und wieso schießen wir 0-500? Weil wir es können…

Verbindlichsten Dank in die Schweiz für die Inspiration zu diesem Beitrag!