Dienstag, 11. August 2020

IWI Masada (9x19): 1.000 Schuss später


Seit ihrem Debut im Mai 2020 absolvierte die Masada eintausend Schuss. Sie entpuppt sich, wie erwartet, als solide Gebrauchswaffe und arbeitet störungsfrei und mit hohem Präzisionspotential


Die Masada erfüllt den 100-Meter-Standard


Seit Ihrer Erstvorstellung in Ausgabe 52 absolvierte die Masada einige Schießkurstage mit insgesamt etwa eintausend Schuss. Die Waffe wurde dabei zwischenzeitlich weder gereinigt noch geschmiert. Als Vertreterin der Kategorie „Moderne Gebrauchswaffe“ sollte die Masada Reinigungsintervalle von eintausend Schuss problemlos überstehen. Was sie auch tat. Gleichwohl ist es nicht erstrebenswert, eine Schusswaffe mit überlangen Reinigungsintervalle zu malträtieren.


Feldmäßig zerlegt. Verschmutzung nach eintausend Schuss


Eigenpräzision
Ein praxisorientiertes Testverfahren, ob eine Schusswaffe über ausreichend Eigenpräzision verfügt, kann der 100-Meter-Simulationsdrill sein. Aus fünf Meter Entfernung werden zehn Schuss abgegeben. Die Schussgruppe sollte sich am Ende mit dem Daumen abdecken lassen. Gelingt das, ist die Pistole geeignet, auf einhundert Meter ein Mannziel zu treffen. Über ein höheres Präzisionspotential muss eine Kurzwaffe nicht verfügen. Anders ermittelte Streukreise haben bestenfalls nur theoretische Aussagekraft.
Die Masada jedenfalls erfüllt den 100-Meter-Standard.


Verschlussbaugruppe zerlegt. 
Vermutlich hätte die Waffe noch weitere tausend Schuss störungsfrei gearbeitet


Abzug
Als eine striker-fired Pistol verfügt die Masada über das typische Schlagbolzenschloss moderner Gebrauchspistolen. Obwohl das Prinzip herstellerübergreifend identisch ist, unterscheiden sich die Abzugscharakteristiken der einzelnen Modelle mitunter deutlich.
Die Masada besitzt einen relativ langen Abzugsrückweg. Bedeutet, der Schütze hat nach dem Schuss einen verhältnismäßig weiten Weg bis zum Trigger-Reset-Punkt; der automatischen Abzugsrückstellung; zu gehen. Das ist weder negativ noch positiv zu bewerten. Es ist einfach nur ein Merkmal, mit dem der Anwender arbeiten muss.
Darüber hinaus besitzt der Masada-Abzug eine angenehme Charakteristik, mit der Anwender schnell Vertrautheit gewinnen können.


Schlagbolzenbaugruppe zum Reinigen zerlegt


Reinigung
Der Verschmutzungsgrad ist typisch für eintausend Schuss. Vermutlich hätte die Waffe noch weitere eintausend Schuss störungsfrei gearbeitet. Das weiterführende Zerlegen von Verschluss- und Schlagbolzenbaugruppe ist daher ehestens nach zwei- bis dreitausend Schuss erforderlich.
Die Abzugseinheit lässt sich ebenfalls einfach zerlegen. Dazu wird der Zerlegehebel nach links aus dem Griffstück gezogen und die komplette Abzugseinheit noch oben entnommen. Das Griffstück selbst ist kein wesentliches Waffenteil. Es kann, farblich je nach Wochentag oder an das Outfit des Schützen angepasst, getauscht werden.
Wer an der Abzugseinheit nach polierten Flächen sucht, sucht vergebens. Alle Metallteile, die keinen wesentlichen Einfluss auf die Funktion der Waffe haben, sind gebrauchsorientiert-robust gehalten. Die Konstrukteure haben auf Maximale Funktionalität Wert gelegt.


Auch das Griffstück lässt sich mit wenigen Handgriffen zerlegen und reinigen


Fazit
Wie vermutet entpuppt sich die IWI Masada als eine solide Gebrauchswaffe ohne Anlass zur Kritik. Im erweiterten Lieferumfang sind je nach Kundenwunsch drei Magazine, Kydex-Magazintaschen und Kydex-Holster inkludiert.

Service
Importeur www.fenix.de
Hersteller https://iwi.net/masada/
Erstvorstellung: Hier 


Technische Daten
Modell: Masada™
Hersteller: Israel Weapon Industries (IWI)
Europa-Importeur: Fenix GmbH, Hückelhoven, DEU
Waffenart: Selbstladepistole mit Schlagbolzenschloss
Kaliber: 9 mm Luger (9x19)
L x B x H: 185 x 31 x 135 Millimeter
Lauflänge: 104 Millimeter
Visierlinie: 160 Millimeter
Abzugssystem: striker-fired (Schlagbolzenschloss)
Abzugsgewicht: je nach Ausführung 2,5 kg bis 3,2 kg
Gewicht: 675 Gramm (ohne Magazin)
Magazinkapazität: 17 Patronen
EVP: 699 Euro


Freitag, 7. August 2020

Die Inkompetenz-Matrix


Unbewusste Inkompetenz ist für viele Menschen alltäglicher Dauerzustand. Des Bedauerns wert ist das nur bedingt, denn sie selbst wissen nicht um ihr Defizit, da sie sich dessen nicht bewusst sind. Die Inkompetenzmatrix ist ein modellhafter Erklärungsversuch und kann auch zur Selbsteinordnung dienen


Von Arne Mühlenkamp

Kompetenz beschreibt Fähigkeiten und Fertigkeiten ganz allgemeiner Art. Um Kompetenz von Begabung oder Talent abzugrenzen, wird Kompetenz gemeinhin als erlernbar und trainierbar; also veränderlich, eingeordnet. In der Matrix wird Kompetenz als Wert auf der y-Achse abgebildet. Die Matrix unterscheidet der Einfachheit halber lediglich zwischen kompetent oder inkompetent.
Die x-Achse gibt das Bewusstsein wieder. Unterschieden wird dabei nur zwischen unbewusst oder bewusst; im Sinne von unwissentlich oder wissentlich. Somit ergeben sich vier Quadranten.



Erster Quadrant
Unbewusste Inkompetenz: Der Ignorant.
Inkompetent sein, ohne es wahrzunehmen. Grundsätzlich eine ungünstige Lage für jemanden, der Schusswaffen besitzt. Der notwendige Schritt ist die Selbsterkenntnis, dass man immer etwas dazulernen kann. Im Folgeschritt sucht man einen Anbieter, bei dem man Kompetenz erwerben kann.

Zweiter Quadrant
Bewusste Inkompetenz: Der Suchende.
Wissen, dass man etwas nicht kann. Nach Ausbildung suchend und an Ausbildung teilnehmend. Jeder, der freiwillig an einer Aus- oder Weiterbildung teilnimmt, ist dem Zweiten Quadranten zuzuordnen.

Dritter Quadrant
Bewusste Kompetenz: Fachmann (nicht zu verwechseln mit der Fachkraft).
Wissen, was man kann und was man nicht kann. Gelerntes anwenden können, wenn man daran denkt. Dieser Zustand stellt sich nach dem Besuch einer kompetenten Ausbildung ein; nicht nach dem Besuch einer inkompetenten Ausbildung.

Vierter Quadrant
Unbewusste Kompetenz: Experte.
Der Anwender ist konditioniert und verfügt über Automatismen. Gelerntes wird richtig angewendet, ohne darüber nachzudenken. Der vierte Quadrant kann nur durch Praxis und Training erreicht werden; mitunter auch durch Talent und Begabung. Unbewusste Kompetenz ist erforderlich, um Techniken, Taktiken oder Verfahren weiterentwickeln zu können. Hier liegt der Unterschied zwischen einem Profi und einem Amateur; zwischen einem Experten und dem Rest.

Praktische Bedeutung
Manchmal ist es erforderlich, zwei Schritte zurück zu gehen, um einen Schritt nach vorn machen zu können. In einem Umfeld, in dem sich jeder für einen Experten hält, sollte hinterfragt werden, ob Gelerntes wirklich konditioniert und automatisiert angewandt werden kann. Ist das nicht der Fall, müssen diese Defizite verstärkt trainiert werden. Man geht zurück in den 3. Quadrant.
Werden Fähigkeits- oder Kompetenzlücken festgestellt, muss ein Schritt zurück in den 2. Quadranten erfolgen. Man sucht Aus- oder Weiterbildung.
Weiß man um die Bedeutung der Inkompetenzmatrix und hat eine grundlegende Bewusstheit erworben, ist ein Rückfall hin zum Ignorant in den ersten Quadranten kaum möglich.