Dienstag, 21. November 2017

SIG 516 Langzeittest – Oktober 2017



Leihwaffe für Larry Vickers und Daryl Holland

Gesamtschusszahl: 13.000 + 500 = 13.500

Störungen Typ I: 10
Störungen Typ II: 0
Störungen Typ III: 0
Störungen Typ IV: 2


Nachdem der Verschlusskopf und insbesondere der Schlagbolzenkanal gründlich gereinigt worden sind, läuft die SIG 516 wieder störungsfrei. Die Lehre aus diesem Vorfall ist, dass auch Piston-betriebene AR-15 Gewehre eine aufs Detail bedachte Pflege brauchen.
Im Oktober 2017 stand die Waffe den beiden US-amerikanischen Ausbildern Larry Vickers und Daryl Holland als Leihgerät zur Verfügung. Darüber hinaus wurde sie von einem 0/500-Teilnehmer auf einem Gewehrkurs benutzt.
Die weitere Dokumentation des SIG 516 Langzeittestes erfolgt künftig der besseren Übersichtlichkeit halber im Monatsrhythmus.


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Montag, 13. November 2017

Ultrakompakte Wasserfilter



Leistungsfähige Wasserfiltersysteme werden mit jeder Generation kompakter und günstiger. In den letzten Jahren hat die Konkurrenz vor allem im Ultrakompaktsegment zugenommen und ist nun selbst für gelegentliche Anwender eine Anschaffung wert. Marktüberblick mit Katadyn Be-Free, LifeStraw und Sawyer Mini

Von Christian Väth
 
Wenn jemand im deutschsprachigen Raum von "Disaster Preparedness" spricht schwimmt er wahrscheinlich auf einer modisch-urbanen Pseudo-Survivalwelle. Wer sich jedoch ernsthaft vorbereitet spricht von Bevölkerungs- oder Zivilschutz, im staatlichen Rahmen auch von Katastrophenschutz. Jedermann (ganz besonders Familienväter) sollte über ein grundsolides Wissen und zumindest über eine minimalistische Ausrüstung verfügen. Das erste und wichtigste Thema in allen Krisenzeiten ist stets anlassunabhängig: Wie komme ich an sauberes Trinkwasser?


Life Straw, Sawyer Mini und Katadyn Be-Free

Klein und leicht soll es sein
Grundsätzlich ist es möglich mit einem Mehrzwecktuch und Materialien aus der Natur (Kiesel, Sand, etc.) oder kleineren Ergänzungen (zum Beispiel Kohle) Wasser bis zu einem gewissen Grad zu filtern. Eine solche Methode ist einfach und jederzeit mit minimalen Mitteln anwendbar, allerdings von geringer Effektivität und damit stets ein Notbehelf. Solche Techniken fallen in den Bereich einer Überlebensausbildung, die vor allem Personen ohne jegliche militärische Erfahrungen auf anderem Wege erlangen sollten. Oberhalb dieser Notfähigkeiten (ohne materielle Ausstattung) ist die Rucksackarbeit angesiedelt. Angelehnt an ein militärisches Sturmgepäck, wie es grundsätzlich jede professionelle Infanterieeinheit dieser Welt verwendet, enthält ein speziell vorbereiteter Rucksack tragbare Ausrüstung, die den Anwender für eine gewisse Zeit unabhängig von jeglicher Versorgung macht. Um die Vorgabe "tragbar" auch bei höherer physischer Belastung zu erfüllen, sollte das auserwählte Gepäckstück nicht mehr als 35 Liter Fassungsvermögen haben. Daraus ergibt sich ein minimalistischer Ansatz hinsichtlich Maße und Gewicht der zu verpackenden Ausrüstung. Hinzu kommen selbstredend die Kriterien Einfachheit in der Bedienung und Zuverlässigkeit.

Was bleibt hängen?
Die drei Testkandidaten arbeiten alle mit einem einfachen Hohlfaserfilter. Mit diesem Funktionsprinzip lassen sich Partikel bis zu einer Größe von 0,1 Mikron (0,0001 Millimeter) herausfiltern - alles was kleiner ist unter Umständen jedoch nicht mehr. Dieser Wert ist ausreichend, um kleinere Sedimente und Bakterien (Salmonellen, Cholera, Ruhr etc.) abzufangen, jedoch keine Viren. Im Katastrophenfall ist eine erhöhte Übertragungsrate von Viren, die beispielsweise entzündliche Magen-Darm-Erkrankungen auslösen (wie Rota-, Adeno- oder Norovirus) vor allem durch verunreinigtes Trinkwasser denkbar. Hier müssen dem Anwender die Grenzen von Anfang an bewusst sein. Nur weil man einen Filter dabei hat, heißt das nicht, dass man bedenkenlos aus jeder Brühe trinken kann. Grundsätzlich gilt: Fließende, kleinere Gewässer in gering bewohnten Gebieten sind potentiell von geringerer Belastung und damit zu bevorzugen. Diese Orte sind sowieso das Ziel, wenn man durch äußere Umstände zum Leben aus dem Rucksack gezwungen wird.


Nutzung des Life Straw direkt an der Wasseroberfläche

Life Straw
Der Life Straw wurde 2005 für Nothilfemaßnahmen in Entwicklungsländern entwickelt. Das System ist der Minimalist schlechthin: ein Plastikrohr, ein Filter, ein Mundstück - fertig. Der Hohlfaserhalm wiegt gerade einmal 57 Gramm und ist 22,5 Zentimeter lang. Der Life Straw ist zur unmittelbaren Anwendung am Gewässer gedacht. Man trinkt also durch den Filter entweder direkt am Gewässer oder führt in breiten Gefäßen Wasser mit. Die Lebensdauer des Filters wird mit etwa 1.000 Litern angegeben. Bei allen Filtersystemen ist die tatsächliche Nutzungszeit von der jeweiligen Wasserverschmutzung abhängig. Eine regelmäßige Reinigung mittels rückwärtigem Durchfluss von sauberem Wasser kann die Haltbarkeit verlängern. Einziges "Zubehör" des Life Straw ist eine befestigte Umhängeschnur. Kosten: Ca. 20 Euro.


Der Sawyer Mini mit Zubehör

Sawyer Mini
Der kleinste Wasserfilter des Herstellers Sawyer kommt als Einziger im Test mit etwas Zubehör daher: Neben der eigentlichen Filtereinheit die gerade einmal 59 Gramm wiegt werden ein Strohhalm, ein Wasserbehälter (0,45 Liter) und eine Spritze zur Reinigung mitgeliefert. Der Mini kann auf zwei verschiedene Arten verwendet. In Kombination mit dem Strohhalm wird er wie der Life Straw direkt an der Wasserquelle genutzt. Alternativ und viel praktischer wird der mitgelieferte Beutel befüllt, der Filter aufgeschraubt und ein Behälter der Wahl betankt. Mit dieser Methode kann man seine Wasservorräte auffüllen und dann wieder für einige Zeit unabhängig von der Quelle bleiben. Besonders praktisch: Das Filtergewinde passt auf handelsübliche PET-Flaschen und mittels Adapter auch an Trinksysteme - so wird einem die Improvisation leicht gemacht. Die Lebensdauer soll beachtliche 100.000 Gallonen (Ca. 375.000 Liter) betragen. Die Zubehörbeutel sind in diversen Größen separat erhältlich, ihre Öffnung ist allerdings am Gewässer unpraktisch klein. Kosten: Ca. 30 Euro.


Die weite Öffnung des Trinkbeutels macht die Verwendung des Be-Free besonders effizient


Katadyn Be-Free
Ein sehr flexibler Behälter von Hydrapak und ein Filter mit verschließbarem Mundstück von Katadyn: Das ist der Be-Free. Der Trinkbeutel mit angenehm breiter Öffnung wird im Gewässer gefüllt, anschließend kann direkt getrunken werden oder man stockt die Vorräte auf. Die Durchflussrate ist etwa doppelt so groß, wie die der Konkurrenz - das erleichtert das Auftanken. Mit etwas Übung kann bei einem Halt von wenigen Minuten der Wasservorrat von zwei bis drei Personen wirklich schnell erneuert werden. Durch den sehr klein faltbaren Trinkbeutel kann hier das geringste Packmaß im Test erreicht werden. Der Be-Free verschwindet in jeder Hosentasche. Auch dieser Filter bleibt mit 59 Gramm sehr leicht. Die Lebensdauer der Hohlfasern wird mit 1.000 Litern angegeben. Zur Reinigung ist kein Zubehör notwendig, der Filter kann einfach im Wasser ausgeschwenkt werden. Kosten: Ca. 45 Euro.

Fazit
Die drei Filter erfüllen alle ihren Zweck und sind sehr leicht (unter 60 Gramm). Der Life Straw fällt allerdings zurück, da mit ihm keine anderen Behälter gefüllt werden können: der Anwender bleibt an die Wasserquelle gebunden. Durch die geringen Kosten und die äußerst einfache Anwendung kann er jedoch in Mehrpersonenhaushalten als Ergänzung zu einem anderen Filtersystem beschafft werden. Der Sawyer Mini besticht durch seine Variabilität (kompatibel zu PET-Flaschen) und das verfügbare Zubehör. Unsere klare Kaufempfehlung ist jedoch der Katadyn Be-Free: Das kleine Packmaß, die hohe Durchflussrate, die einfache Handhabung und Reinigung konnten auf Anhieb überzeugen. Außerdem liefert der Hersteller hier eine wirklich aussagekräftige Bedienungsanleitung mit zahlreichen sinnvollen Hinweisen zum Thema Filtration. Mit einem Katadyn-Filter pro Person ist man gut ausgestattet. Genau das richtige für unser minimalistisches Sturmgepäck.


Mehr dazu in Waffenkultur Nr. 36