Freitag, 14. Dezember 2018

Seminar SCOUT I: Der krisenfeste Bürger


Mit den SCOUT-Kursen hat der Anbieter Die Lehrmanufaktur ein Lehrkonzept geschaffen, dass vor allem eines vermittelt: Ganzheitliche Krisenvorsorge jenseits von Survival-Phantastereien. Anfang Oktober haben wir das Einstiegs-Seminar SCOUT I in Arnstein besucht


Man muss weder paranoid noch anderweitig extrem veranlagt sein, um zu erkennen, dass unsere hochtechnisierte, arbeitsteilige und auf das sozial-isolierte Individuum ausgerichtete Wohlstand- und Wegwerfgesellschaft krisenanfälliger denn je ist. Die Furcht vor Krisen oder der unbekannten Notlage im Allgemeinen ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Teilnahme an einer Weiterbildung in Sachen Krisenvorsorge, wird meist aus zeitlichen Gründen auf die lange Bank geschoben oder aus Bedenken vor unseriösen Anbietern nicht verwirklicht. Was bleibt ist eine Kompetenz- und Fähigkeitslücke, die gravierende Auswirkungen haben kann; sich andererseits aber sehr leicht schließen ließe.

Vor allem Bewohner von Großstädten müssen sich Gedanken machen - die Evakuierung einer Stadt wie Hamburg überfordert schnell auch gut vorbereitete Behörden


Die Lehrmanufaktur
Christian Väth hat sich mit seiner Ausbildungseinrichtung Die Lehrmanufaktur (siehe Ausgabe 40) genau das zum Ziel gesetzt. Unter dem Begriff SCOUT bietet Die Lehrmanufaktur ein Seminar und fünf Lehrgänge an, bei denen der unbedarfte Bürger ohne Vorkenntnisse krisenfest gemacht werden soll. Die Einzelmodule dauern von einem Tag theoretischer Unterweisung bis zu Kursen, die über 32 Stunden komplett im Freien stattfinden. Das Konzept beinhaltet die Module SCOUT I bis SCOUT IV sowie die beiden Lehrgänge zur medizinischen Notfallerstversorgung Range Responder und Field Responder Alpha.

SCOUT ist kein ausrüstungsintensives Kursangebot. Die Minimalausstattung ist meist vollzählig in jedem Haushalt zu finden


SCOUT I - Risikoanalyse
Der Einstieg SCOUT I ist eine theoretische Unterweisung, die ganztags im Schulungsraum stattfindet. Am Anfang der Veranstaltung steht die gemeinsame Erarbeitung einer Risikoanalyse. Ausgangspunkt ist dabei die subjektive Risikowahrnehmung der Bevölkerung, die anhand verschiedener Statistiken untersucht wird. Dem werden die sogenannten Referenzszenarien gegenübergestellt. Das sind mögliche Katastrophenfälle, mit denen staatliche Stellen in der Vorbereitung arbeiten. Das wesentliche Element in der Grundstruktur des Katastrophenschutzes in den Staaten Mitteleuropas ist immer gleich: Der einzelne Bürger.
Ganz konkrete und einfache Handlungsmaßnahmen enthält die vorgestellte persönliche Bestandsaufnahme. Diese ersten Schritte (Wie fange ich an?) kann jeder auf seine eigene Lebenssituation anpassen. Es folgt eine Klarstellung, welche Möglichkeiten und Leistungsgrenzen die verschiedensten staatlichen Institutionen überhaupt haben und haben werden. Am Ende dieses Abschnittes steht ein klares Bild vom Ist-Zustand und möglichen Risikoszenarien.

Europa ist eine Kulturlandschaft. Survivaltechniken für abgestürzte Buschpiloten sind interessant, für die allermeisten Anwender allerdings irrelevant. SCOUT ist realitätsnah


Referenzableitung
Aus dieser Analyse heraus folgt die Referenzableitung. (Was muss ich können?) Das führt zu den vier Kernkompetenzen: Analyse, Handlung, Planung, Entscheidung. Diese Schlüsselfähigkeiten bestehen jeweils aus mehreren Faktoren. Alle Punkte zusammen ergeben eine Umsetzungskompetenz, die anhand eines einfachen schriftlichen Tests jeder Teilnehmer exemplarisch ermittelt. So kann schnell festgestellt werden, wer wieviel Vorkenntnisse mitbringt. Die Ergebnisse sind regelmäßig schlechter als erwartet und offenbaren Ausbildungslücken.
Mit gesundem Menschenverstand wird im Kurs vor übertriebener Vorsorge im Wohneigentum gewarnt. Denn, im Zweifelsfall ist man auf dem Arbeitsweg, im Urlaub oder auf Geschäftsreise, wenn etwas passiert. Deshalb ist das Ausbildungskonzept einfach gehalten und jederzeit überall anwendbar. Vorbereitung findet vor allem im Kopf statt.

Arnstein und Umgebung bieten hervorragende Ausbildungsbedingungen für die aufbauenden Lehrgänge SCOUT II bis IV


Das SCOUT-Ausbildungssystem
An den vier ermittelten Kernkompetenzen orientiert sich die inhaltliche Ausgestaltung der SCOUT-Module. Am Ende des Tages ist der erste Schritt (Analyse) gemacht. In der Folgeveranstaltung stehen zahlreiche einfache Grundtechniken für das Überleben ohne funktionierende Infrastruktur im Mittelpunkt. Zu keinem Zeitpunkt driftet das SCOUT-Konzept jedoch in einen klassischen Survivalkurs ab. Hier wird klar abgegrenzt. Nach der Lehrmeinung von Christian Väth sind militärische SERE-Fähigkeiten (Survival, Evasion, Resistance, Escape) für die meisten Nutzer nur sehr begrenzt einsetzbar. Deshalb fokussieren sich die Module III (Planung) und IV (Entscheidung) in erster Linie auf die Planungs- und Führungsfähigkeiten der Teilnehmer und weniger auf klassische „Survivaltechniken“.
Spätestens bei der Vorstellung der Ausbildungssystematik wird auch deutlich, weshalb Unternehmenskunden diese Veranstaltungen vermehrt für junge Führungskräfte nachfragen: Die Teilnehmer erfahren „nebenbei“ wichtige Lektionen für die unterschiedlichsten Lebens- und Arbeitsbereiche. Ab SCOUT II bestehen die Veranstaltungen in erster Linie aus praktischer Anwendung nach bewährten Lehrmethoden: Erläuterung und Demonstration durch den Ausbilder, Übung durch die Teilnehmer. Für das Flaggschiff SCOUT IV sind außerdem die Ersthelferlehrgänge Range Responder und Field Responder eine Voraussetzung.



Minimalistisch
Um die straffen Lehrpläne umsetzen zu können, wird von den Teilnehmern eine gewissenhafte Vorbereitung erwartet. Dazu werden im Seminar Hilfestellungen gegeben. Um unnötiges Lehrgeld zu vermeiden findet eine sehr umfassende Ausrüstungsberatung statt: Die gesamte SCOUT-Ausstattung wird genau vorgestellt und kann vor Ort begutachtet werden. Jeder Teilnehmer erhält einen detaillierten Verpackungsplan, den er daheim abarbeiten kann. Dabei ist es nicht notwendig tief in die Geldbörse zu greifen. Die meisten Gegenstände für einen Notfallrucksack sind in jedem Haushalt vorhanden. Wer tatsächlich alles kaufen muss (oder will), muss nur 100 Euro in die Hand nehmen. Die sehr praxisnahen Erläuterungen des Seminarleiters runden die Basis für eine materielle Vorbereitung ab.

Einfach, aber nicht leicht
SCOUT I vermittelt einen minimalistischen Ansatz zur Krisenvorsorge. An erster Stelle steht die Vermittlung von Techniken und Methoden, die alle Teilnehmer zur selbstständigen Vorbereitung befähigen. Das ganzheitliche Lehrkonzept von SCOUT I bis IV bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, individuelle Kompetenzlücken zu identifizieren und diese gezielt zu schließen. Ergänzt durch die Ersthelferlehrgänge (Range Responder und Field Responder) ergibt sich ein modulares Ausbildungssystem. Dieses Gesamtangebot ist im deutschsprachigen Raum, zumal in dieser Qualität, vorerst konkurrenzlos.

Miteinander und Gemeinsam
Ein besonderer Nutzen ergibt sich für die Teilnehmer mit abgeschlossenem SCOUT II. Wer möchte, wird kostenfrei Angehöriger des hauseigenen Zivilschutznetzes. Die ohnehin stattfindende Vernetzung von Teilnehmern wird hier im Rahmen von exklusiven Weiterbildungsveranstaltungen gefördert. Die so entstehenden Kontakte können die persönliche Krisenvorsorge sinnvoll ergänzen und sorgen für den notwendigen regelmäßigen Austausch. Der Anbieter bezweckt hier vor allem eine Kultur des Miteinanders. Mehr gesellschaftlicher Zusammenhalt anstatt vieler Einzelkämpfer.

Fazit
In Krisenlagen handlungsfähig zu bleiben, ist eine Verantwortung, die jedem Einzelnen obliegt und nicht dem Staat. Die Lehrmanufaktur vermittelt im SCOUT-Programm Grundlagenwissen sowie Techniken, die auch mit teils unbekannten Personen in einer Gruppe umgesetzt werden können. Das Ideal, welches sich Die Lehrmanufaktur dabei unterordnet ist die freie und widerstandsfähige Gesellschaft ohne Vollkaskomentalität.

Service
Die Veranstaltungen sind mitunter weit im Voraus ausgebucht.
Im April 2019 finden in Kooperation mit Akademie 0/500 Kurse bei Berlin statt.
Weitere Informationen unter www.lehrmanufaktur.com
und https://0-500.org/page.php?al=Termine