Der einsatznahe
Beschusszyklus (EBZ)
Gesamtschusszahl: 1.140 + 150 = 1.290
Störungen Typ I: 0
Störungen Typ II: 0
Störungen Typ III: 0
Störungen Typ IV: 0
Im Jahr 2012
definierte die Bundeswehr ein Standardverfahren, mit dem eine Infanteriewaffe
heißgeschossen werden kann. Der so genannte „Einsatznahe Beschusszyklus“ soll
die Trefferleistung von heißgeschossenen Waffen vergleichbar machen. Wir
unterzogen das Black Label M4 diesem Test.
Ablauf des EBZ
Für den Ablauf sind insgesamt 150 Schuss erforderlich. Der
EBZ beginnt damit, dass aus dem Kaltzustand heraus ein Trefferbild auf 100
Meter mit zehn Schuss erzeugt wird (TB1).
Danach werden 50 Schuss in schneller Schussfolge abgegeben.
Bei Militärwaffen sollte das der Definition nach mit 5-Schuss-Feuerstößen
passieren, wobei zwischen den Feuerstößen drei Sekunden Pause eingehalten
werden sollte.
Mit den Schüssen 61 bis 70 wird ein weiteres Trefferbild
erzeugt (TB2). Eine Zeitbegrenzung für das Schießen der insgesamt vier
Trefferbilder gibt es nicht. Jedoch sollten die Schüsse dabei so schnell wie
möglich abgegeben werden.
Im Anschluss an Trefferbild 2 müssen 20 Schuss im schnellen
Einzelfeuer (innerhalb einer Minute) abgegeben werden.
Mit den Schüssen 91 bis 100 wird Trefferbild 3 (TB3)
erzeugt.
Darauf folgend findet eine weitere Belastungsphase statt,
wobei insgesamt 40 Schuss Einzelfeuer innerhalb von zehn Minuten geschossen
werden müssen.
Mit den Schüssen 141 bis 150 wird schließlich das vierte und
letzte Trefferbild (TB4) erzeugt.
Umsetzung des EBZ
Zur besseren Zielidentifikation und zur Minimierung von
Schützenfehlern wurde das Black Label mit einer 4-fach vergrößernden Optik
ausgestattet. Die Wahl viel auf das Vortex Razor HD 1-6x24. Leider stand zur Absolvierung
des EBZ nur eine 50-m-Bahn zur Verfügung. Die angegebenen ‰-Werte sind daher
hochgerechnet. Geschossen wurde liegend, aufgelegt vom Rucksack. Verwendet
wurde Munition des Fabrikats GECO 55 gr. Ausreißer aufgrund offensichtlicher
Schützenfehler (2 Stück, TB1 und TB3) flossen nicht mit in die Bewertung ein.
Trefferbild 1 ist mit einer Größe von 1,5 cm mal 2,5 cm
(ohne Ausreißer) sehr ordentlich. Und entspricht einer Durchschnittsstreuung
von etwa 0,4‰. Tendenziell ist ein leichter Tiefschuss erkennbar.
Ab dem dritten Magazin wird die Waffe spürbar heiß. In dieser Phase des Zyklus wird mit Schuss 61 bis 70
Trefferbild 2 erzeugt. Der Streukreis öffnet sich hier auf etwa 1,2‰
Trefferbild 3 entsteht aus den Schüssen 91 bis 100.
Bemerkenswert ist, dass die Gruppe mit 3,5 cm mal 3,5 cm kleiner ist, als bei
TB2 (ohne Ausreißer). Die Durchschnittsstreuung entspricht etwa 0,7‰. Die
Tendenz im Tiefschuss verstärkt sich.
Trefferbild 4 entsteht aus den Schüssen 141 bis 150. Der
Streukreis beträgt etwa 5,5 cm mit einer Tendenz nach rechts tief (5 Uhr). Hier
kann die Durchschnittsstreuung mit etwa 1,1‰ kalkuliert werden. Am Ende des EBZ
gibt die Waffe sehr viel Hitze ab. Wodurch eine präzise Schussabgabe
außerordentlich erschwert wird.
Ergebnisbetrachtung
Mit dem EBZ wird eine Gefechtssituation simuliert, wobei ein
Soldat den größten Teil seines Munitionsvorrats (150 Schuss) innerhalb von 20
Minuten verschießen muss. Ziel ist es, eine Aussage zu Trefferleistungen von
heißgeschossenen Waffen treffen zu können.
Hitze
Das Ziel, die Waffe Heiß zu schießen, wurde erreicht. Das
Black Label gab deutlich Hitze an die Umwelt ab, blieb aber dennoch während des
gesamten Zyklus ohne Handschuhe schiessbar. Oberland Arms verbaut serienmäßig
an allen Black Label Gewehren einen Handschutz aus Eigenproduktion, mit einem
doppelten Wärmeleitblech.
Der Handschutz des M4 sollte nur mit dafür vorgesehenen Werkzeug demontiert werden.
Präzision
Das Black Label überrascht mit einer sehr ordentlichen
Präzision. Als Standardwert für die Durchschnittsstreuung aus Waffe, Munition
und Mensch werden 1‰ angesehen. Das bedeutet etwa 10 cm auf 100 m bzw. 50x50 cm
auf 500 m. Die Qualifikation zum „Rifleman“ der US-Army lehnt sich an einen
ähnlichen Richtwert von 4MOA an.
Das Black Label M4 erreichte mit 0,4‰ im Kaltzustand einen
exzellenten Wert. Die 1,1‰ bis 1,2‰ im
heißgeschossenen Zustand sind ebenfalls bemerkenswert.
Problem: Mirage
Die Herausforderung während des Zyklus liegt weniger beim
Material. Zugegebenermaßen; die Waffe wird (sehr) heiß und direkter Körperkontakt
mit Lauf, Gasblock oder dem A2-Kornträger sollte vermieden werden.
Das Problem, was sich spätestens beim Verschuss des dritten
Magazins abzeichnet, ist die aufsteigende Hitze in Form von Mirage. Hierdurch wird
die Zielerfassung ganz erheblich erschwert. Insbesondere das Umsetzen von
Grundfertigkeit #2 „Haltepunkt“ gestaltet sich bei Trefferbild 2 und 4 fast
unmöglich.
Fazit
Im Ergebnis ist der einsatznahe Beschusszyklus (EBZ) zwar
ein Standardverfahren. Die schwindende Präzision, also die Vergrößerung der
Streukreise bei Trefferbild 2 bis 4 muss aber nicht zwingend einzig auf das
Material (die erhitzte Waffe) zurückgeführt werden. Die Ursache kann hier auch
in systembedingten unausweichlichen Zielfehlern des Schützen liegen. Das
Anwenden von Grundfertigkeiten des Schießens ist wesentlich, um einen präzisen
Treffer anbringen zu können. Verhindert bspw. aufsteigende Hitze das Umsetzen
von Grundfertigkeit #1 „Visierbild“ oder Grundfertigkeit #2 „Haltepunkt“,
werden die Streukreise größer. Zwangsläufig.
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