Montag, 23. Januar 2017

Zielfernrohr Montagehinweise


Zur erfolgreichen Montage eines Zielfernrohrs ist heutzutage nicht nur ein kompletter Erstausrüstungssatz an Winkelschlüsseln und Drehmomentschraubendrehern inklusive 38-teiligem Bitsortiment (metrisch/imperial) notwendig, sondern auch Geheimwissen über Anziehmomente von Schrauben

Ein kurzer Blick in die Waffenkammer zeigt folgendes Bild: Mehrere ZF-Gewehre mit Montagen mindestens dreier Hersteller, in denen Zielfernrohre von mindestens vier verschiedenen Herstellern klemmen. Das Ganze wird gehalten von Befestigungsschrauben unterschiedlichster Art, für die nach kurzem Durchzählen insgesamt nicht weniger als zehn Schlüsselformate und Schlüsselgrößen erforderlich sind.
Dieser Zustand der Diversifikation lässt sich kaum ändern. Es sei denn, man legt sich auf einen Hersteller fest, standardisiert damit seine Montagen und ersetzt in diesem Zug auch alle älteren Modelle. Schon bei einer moderaten Anzahl an ZF bestückten Langwaffen dürften die Kosten in die Tausende gehen. Die (vorübergehende) Lösung dürfte eher sein, sich ein entsprechend großes Sortiment an Schlüsseln zuzulegen.



Schraubenformate
An einer ZF-Montage gibt es zwei wesentliche Schraubverbindungen: Die Befestigung zum Montieren auf der Waffe und die Befestigung für die Ringkappen. Im Idealfall sind beide Befestigungen für die gleiche Schlüsselgröße ausgelegt. Darüber hinaus sind die Abdeckkappen der ZF-Verstelltürme noch mit Schrauben gesichert. Die Notwendigkeit einer Deinstallation besteht hier im Grunde nur beim Einschießen und Nullen.
An vielen modernen Montagen sind Torx-Schrauben verbaut. In Anlehnung an den „Innensechskant“ werden Torx auch als „Innensechsrund“ bezeichnet. Torx-Profile sollen bei einer besseren Kraftübertragung verschleißärmer sein, als herkömmliche Inbus / Innensechskant Profile. Die Torxgröße ist üblicherweise T20; kann aber auch T15 oder T25 sein.

Das Anziehmoment
Die meisten Hersteller von Zielfernrohren und ZF Montagen geben werksseitig Anziehmomente vor. Beim schwedischen Montage-Hersteller SPUHR bspw. können die Halteschrauben der Montage mit 5 Nm angezogen werden. Die Drehmomentempfehlung für die Ringkappen liegt bei 1,7 Nm bis 2,8 Nm. Wobei die 2,8 Newtonmeter für die Ringkappe den obersten Wert darstellen und nicht von allen Zielfernrohherstellern unterstützt werden. Die Österreicher von Kahles erlauben für ihre Mittelrohre max. 2,4 Nm.


Spezifische Anziehmomente
Ist keine Herstellerangabe vorhanden, kann und sollte der entsprechende Wert in Normtabellen recherchiert werden. Die Werte können sich je nach Gewindegröße und Schraubenmaterial (Aluminium, Stahl, Titan) erheblich unterscheiden. ( z.B.: http://www.schrauben-normen.de/anziehmomente.html )

Werkzeug
Da es kaum einen Mensch geben dürfte, der den Unterschied von 2 Nm oder 2,8 Nm Drehmoment im Gefühl oder im Muskelgedächtnis hat, empfiehlt sich die Anschaffung von Spezialwerkzeug. Wie beim Zielfernrohr und zugehöriger Montage auch, sollte ebenso beim Werkzeug die Kaufentscheidung zugunsten qualitativ hochwertiger Produkte fallen. An Drehmomentschlüsseln des Herstellers WERA führt kaum ein Weg vorbei. Ein Kraftform Drehmomentschrauber-Satz von WERA mit drei Schraubern und 24 Bitgrößen kostet um die 200 Euro. Das Drehmoment an den Schraubern kann eingestellt werden. Der größte Schrauber liefert Drehmomente zwischen 3 Nm und 6 Nm. Der mittlere zwischen 1,2 Nm und 3 Nm und der kleinste von 0,3 Nm bis 1,2 Nm.



Für den Notfall
Sollte doch einmal eine Schraube zu fest sitzen und sich nicht mehr lösen lassen, kann folgendermaßen vorgegangen werden. Arbeitsvorbereitung: Schraube mit etwas Öl versehen. Das Öl sollte gute Kriecheigenschaften besitzen (z.B. WD40). Schraube zusätzlich einen leichten Körnerschlag geben, um sie zu lösen.
Liegt der Schraubenkopf frei, kann ein Schlitz in den Kopf des überdrehten Torx gefräst werden. Der Schlitz sollte groß genug sein, um einen Schraubendreher fassen zu können, mit dem eine entsprechend hohe Kraftübertragung möglich wird.
Hierbei handelt es sich um die letzte Option, die der Anwender hat, bevor ein Aufbohren der Schraube notwendig wird.


Ein wahrer „Innensechsrund“ ist entstanden. Beim Versuch
eine Montage feldmäßig zu lösen, ist der Anwender abgerutscht.
Die Schraube ist nach wie vor fest-fest.



Um eine Kraftübertragung überhaupt wieder möglich zu machen,
wird ein Schlitz in den Schraubenkopf gefräst.



Mit einem Schlitzschraubendreher entsprechender Größe
kann die Schraube jetzt gelöst werden. Das ist die letzte Option,
die ein Anwender hat, bevor die Schraube aufgebohrt werden müsste



Fazit
Ein hoher Standardisierungsgrad in der Waffenkammer hilft Aufwand zu vermeiden. Wer Zieloptiken und Montagen im Wert von mehreren Tausend Euro sein eigen nennt, sollte bei der Anschaffung von entsprechenden Werkzeugen nicht knausern. (am)



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