Das Fazit nach drei Jahren Nutzung fällt vernichtend aus. Zumindest für alle anderen Pistolen. Dürfte ich nur eine Pistole besitzen, wäre das die Glock 20 Gen. 5 im Kaliber 10mm Auto. Danach käme lange Nichts. Und natürlich würde ich die Glock 20 nur mit der XTP® Munition von Hornady betreiben
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| Das Lederholster des Herstellers 1791 Gunleather aus Florida besitzt ein Paddel und ergänzt die Glock 20 nahezu perfekt |
Die einfachsten Wahrheiten sind immer noch die Besten: Fünfzehn Patronen mit achthundert Joule das Stück. Eine terminalballistische Wirkung, die vom Beschussmedium Melone nur kleine Fetzen übrig lässt. Eine Griffstückgröße mit Abmessungen, die (Ja, zugegebenermaßen) eine Mindesthandgröße und im Schuss eine stabile Grifftechnik erfordern, aber immer noch zum täglichen und verdeckten Führen geeignet sind.
Das Ganze koaliert mit der für Glock Pistolen üblichen Zuverlässigkeit sowie der überragenden Präzision des Glock Marksman Barrels der Generation 5. Es spricht a priori also sehr wenig gegen die Nutzung der 10mm Auto Glock 20.
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| Glock 20 Gen.5 in 10mm Auto: Die leistungsstärkste Glock. Dennoch wird der Verriegelungsblock nur durch die Abzugsachse fixiert |
Anschaffung in 2023
Hinter der Anschaffung der Glock 20 Gen.5 im Frühjahr 2023 standen zwei Ideen. Zum einen sollte die Alltagstauglichkeit des Kalibers 10mm Auto in einem Langzeittest untersucht werden. Zum anderen war von Beginn an geplant, die Pistole aufgrund ihrer MOS-Kompatibilität (MOS: Modular Optic System) mit einem LPV zu bestücken, um Vor- und Nachteile dieser Konfiguration im Allgemeinen zu testen.
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| Laborierungen für Training oder Scheibenschießen kommen mit gerade einmal 600 Joule. Der Verschlussmechanismus ist jedoch für deutlich mehr Energie konstruiert |
Wahl des LPV
Die Anforderungen an das Leuchtpunktvisier (LPV) waren dabei klar definiert. Es sollte zwingend einen sog. Co-Witness mit der Werksvisierung einer Glock-Pistole erzeugen. Alle anderen Optionen, bei denen sich die Visierlinie durch das LPV erhöht, bzw. durch den Umbau auf eine höhere Kimme-Korn-Visierung nachträglich angeglichen werden muss, wurden von vornherein verworfen. Dafür gab es mehrere Gründe. Der „Gelegenheitskauf“ irgendeines LPV (weil es eben „gerade beim Händler lag“) sollte nicht zum nächsten Fehlkauf irgendeiner höher bauenden Kimme-Korn-Visierung führen, nur um es nachträglich wieder „passend zu machen“. In der Praxis zeigt sich, dass sich jede nachträglich montierte Kimme und jedes Korn beim Gebrauch lockern und in nicht wenigen Fällen abfallen wird.
Grds. ist des Weiteren davon auszugehen, dass jedes LPV seinen Dienst versagen kann und das auch wird. Seit LPV in Mode gekommen sind und auch immer häufiger auf Schießkursen auftauchen, zeigt sich, dass in jedem Kurs mindestens ein LPV ausfällt. Genau für diesen Zweck sollte die Möglichkeit des Schießens über Kimme und Korn gewährleistet bleiben. Ansonsten ist die Waffe unbrauchbar.
Das LPV selbst sollte in Redundanz zu seiner Stromversorgung durch eine Batterie im Optimalfall zusätzlich noch eine Stromversorgung über ein Solarpanel ermöglichen.
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| Der Verschluss einer Full-Size Glock 17 sieht neben dem Glock-20-Verschluss fast schon miniaturhaft aus. Ebenso der Lauf |
Wahl des Holsters
Die Rahmengröße der Glock 20 erlaubt die Verwendung von weiterverbreiteten Glock-17-Holstern nicht. Eine Neuanschaffung wird erforderlich. Zwar sind Holster für die größere Glock-Schwester verfügbar, der Markt ist aber keineswegs so reichhaltig. Aufgrund gesammelter praktischer Erfahrungen sollte das neue Holster ein Paddel besitzen, mit dem es bequem am Hosenbund über dem Gürtel fixiert werden kann, ohne den Gürtel jedes Mal umständlich ein- und ausschlaufen zu müssen.
Die erste Wahl fiel auf ein Kydexholster, dessen Verriegelungssystem sich jedoch als zu wenig ergonomisch darstellte. Außerdem positionierte das Kydexholster die Glock zu hoch am Gürtel, wodurch der Ziehvorgang außerordentlich unbequem wurde.
Abhilfe bot hier die zweite Holster-Anschaffung des Herstellers 1791 Gunleather aus Florida. Das Lederholster in der „Optic-Ready-Variante“ ist speziell für die Modelle Glock 20 / 21 gefertigt. Entsprechend perfekt sitzt die Pistole im Holster. Mit der Paddel-Lösung lässt sich auch die relativ schwere 10mm-Auto-Glock bequem führen.
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| Die „eXtreme Terminal Performance“ (XTP) von Hornady erreicht aus dem Glock-Lauf genau achthundert Joule (Bild: Hornady) |
Wahl der Munition
Von „Auswahl“ konnte zum Bestellzeitpunkt keine Rede sein. Die einzig verfügbare Laborierung war die Federal-Patrone mit einem 180 Grain Vollmantelgeschoss, das den Lauf der Glock 20 mit lediglich 320 Meter pro Sekunde verlässt. Was zu einer moderaten Mündungsenergie von gerade einmal 600 Joule führt. Für das allgemeine Training ist das ausreichend. Perspektivisch sollten aber auch Ladungen von 800 oder 900 Joule mit der Waffe verschossen werden. (Zum Vergleich: Das Kaliber 9x19 mit acht Gramm Vollmantelgeschoss und 370 Meter pro Sekunde erreicht etwa 550 Joule)
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| (Bild: Hornady) |
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| (Bild: Hornady) |
Option: Hornady XTP®
Der US-amerikanische Munitionsgigant Hornady bietet im Kaliber 10mm Auto eine sog. XTP®-Laborierung mit 180 gr Geschoss an. XTP steht für „eXtreme Terminal Performance“ und bedeutet maximale Energieabgabe im Ziel. Gemessen verlässt das 180 Grain Projektil die Mündung der Glock 20 mit 371 Meter pro Sekunde. Was zu einer errechneten Mündungsenergie von genau 800 Joule führt und damit der Herstellerangabe entspricht.
Preislich bewegt sich die Hornady XTP® auch im Extrembereich: Bei einem Ladenpreis von zwei Euro pro Schuss bekommt der Lehrsatz „Gib jeden Schuss so ab, als wäre es der Schuss, auf den es ankommt.“, eine völlig neue Bedeutung.
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| Der Melonenkörper wird anfangs sogar relativ gleichmäßig in neun, fast identische Stücke geteilt |
Eintausend Joule
Unstrittig ist, das die 10mm Auto zu den stärksten Kurzwaffenkalibern weltweit gehört. Aus einem fünf Zoll Pistolenlauf sind durchaus eintausend Joule Mündungsenergie machbar. Allerdings erreichen die wenigsten 10mm-Auto-Laborierungen tatsächlich die magischen eintausend Joule.
Für eintausend Joule sind bei der 10mm Auto Mündungsgeschwindigkeiten von mindestens vierhundert Meter pro Sekunde erforderlich.
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| Beim weiteren Durchdringen sowie beim Ausschuss erzielt das 180-gr-Geschoss so viel Wirkung, dass von der Melone nur kleine Stücke übrig bleiben. Keines davon größer als eine Handfläche |
Testergebnis: Präzision
Vorteile im Grenzbereich
Reduziert sich beim Schießen die Größe des Ziels auf Kornbreite (also bspw. Zielbreite 25 Zentimeter auf fünfzig Meter Entfernung), kann die leistungsstarke Glock in Verbindung mit dem LPV ihr hohes Präzisionspotential ausspielen.
Der Vorteil insbesondere über die 50-m-Distanz mit dem Präzisionsanspruch „Kornbreite“ liegt beim vereinfachten Zielvorgang, den ein Leuchtpunktvisier bietet. Anstelle von Kimme und Korn auszurichten und mit dem hergestellten Visierbild einen Haltepunkt auf dem Ziel zu finden, reicht es beim LPV aus, den Leuchtpunkt auf das Ziel zu legen. Da wo Punkt, da auch Treffer – so die landläufige Meinung. Zielfehler des Schützen sowie altersschwache Augen werden in diesem Grenzbereich bis zu einem gewissen Grad kompensiert.
Testerkenntnis: LPV
Nachteile des Holosun SCS
Nachteilig zeigt sich im Langzeittest bisher jedoch der relativ helle Punkt des Holosun Elite SCS. Dieser lässt sich nur von Stufe „sehr hell“ in eine nicht wesentlich weniger helle Stufe regulieren. Beim Schießen im Freien bei Tageslicht überstrahlt der Leuchtpunkt aufgrund seiner Helligkeit mitunter das Ziel. Die Zielerfassung wird dadurch erheblich erschwert. Hier ist kurzfristig ein Austausch gegen das LPV eines anderen Herstellers zu erwarten.
Schussbelastung
Die bisher abgegebenen 750 Schuss absolvierte die Glock 20 erwartungsgemäß störungsfrei. Allerdings merkt man der Waffe an, dass ihr Verschlussmechanismus für deutlich mehr Energie konstruiert ist, als die kläglichen 590 Joule der Federal-Laborierung zum Scheibenschießen.
Die Ingenieure bei Glock müssen bei einer Pistole, die mit Munitionssorten von Mündungsenergien zwischen fünfhundert bis eintausend Joule funktionieren soll, einen konstruktiven Spagat beherrschen. Würde der Verschmutzungsgrad der Glock 20 jetzt noch über die siebenhundertfünzig verschossenen Patronen hinaus steigen, wären vermutlich mit schwächeren Laborierungen die ersten Funktionsprobleme zu beobachten.
Beschusstest Melone
Die besten Beschussversuche sind die, bei denen am Ende kein Beschussmedium mehr vorhanden ist. Schon beim Eindringen verrichtet das expansionsfreudige XTP-Projektil brachiale Arbeit. Der Melonenkörper wird anfangs sogar relativ gleichmäßig in neun, fast identische Stücke geteilt. Beim weiteren Durchdringen sowie beim Ausschuss erzielt das 180-gr-Geschoss so viel Wirkung, dass von der Melone nur kleine Stücke übrig bleiben. Keines davon größer als eine Handfläche.
Bei einem gleichartigen Beschussversuch in einer Raumschießanlage verteilte sich das Fruchtfleisch der Melone gleichmäßig im Raum und musste von den Wänden abgeputzt werden.
Technische Daten
Modell: Glock 20
Hersteller: Glock Ges.m.b.H., Österreich
Waffenart: Selbstladepistole
Kaliber: 10 mm Auto (10x25)
L x B x H: 193 x 33 x 139 mm
Lauflänge: 117 mm
Visierlinie: 175 mm
Abzugssystem: Glock Safe Action®
Abzugsgewicht: 2,6 kg
Gewicht: 808 Gramm (mit Magazin, leer)
Mit Magazin, gefüllt: 1.150 Gramm
Magazinkapazität: 15
Mehr dazu in „Die Waffenkultur“ Nr. 87











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