Mittwoch, 18. Oktober 2017

Störungsbeseitigung bei Pistolen



Störungsbeseitigung ist ein eigenständiger Ausbildungsabschnitt. Er sollte so früh wie möglich mit in die Individualausbildung integriert werden. Je einfacher die Abläufe strukturiert sind, desto größer ist der Lernerfolg. Wir beschreiben einen doktrinfreien, nicht-diagnostischen Ansatz

Schusswaffen allgemein und insbesondere moderne Gebrauchspistolen sind technisch gesehen relativ einfache Maschinen ohne größere Geheimnisse in Aufbau und Funktionsweise. Wie jede andere Maschine auch, kann ebenso eine Gebrauchswaffe störungsbedingt ihren Dienst versagen. Die Störungsursachen sind dabei identisch zu anderen Maschinen. Verschmutzung, Verschleiß, Fehlbedienung oder falsche Betriebsstoffe werden bei jeder Maschine immer und überall eine Störung hervorrufen. Übertragen auf Feuerwaffen bedeutet das, wer seine Waffe nicht reinigt, nicht instand setzt, keine Ahnung hat, sie richtig zu bedienen oder die falschen Betriebsstoffe (Munition) verwendet, wird eher früher als später mit Waffenstörungen konfrontiert sein.



Ziel
Das Ziel jeder Störungsbeseitigung ist, seine Waffe schnellstmöglich wieder in Feuerbereitschaft zu versetzen. Völlig unerheblich ist dabei der Grund der Störung. Für eine Analyse bleibt prinzipiell keine Zeit.

Zwei Ansätze
Die Schießausbildung kennt zum Thema Störungsbeseitigung zwei Ansätze. Der eine Ansatz kategorisiert Störungen nach Art ihrer Entstehung. Der zweite Ansatz nach Art ihrer Beseitigung. Ansatz 1) setzt die Kenntnis der vier Störungstypen voraus. Um eine Störungsbeseitigung einleiten zu können, muss der jeweilige Störungstyp analysiert bzw. diagnostiziert werden. Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Wahrnehmungs- und Gehirnkapazität, die situationsbedingt unter Umständen nicht zur Verfügung steht. Spätestens bei Dunkelheit ist der Analyse- und Diagnoseansatz obsolet.



Nicht-diagnostisches System
Die Alternative stellt hier ein nicht-diagnostisches System der Störungsbeseitigung dar. Störungen werden nach Art der Beseitigung kategorisiert, nicht nach Art der Entstehung. Die Anzahl der möglichen Handlungsoptionen reduziert sich von vier (Störungstypen) auf zwei (Beseitigungsroutinen). Nämlich eine unmittelbare Störungsbeseitigung gefolgt von einer erweiterten Störungsbeseitigung im Bedarfsfall.

Vorteilhaftigkeit
Die Vorteilhaftigkeit zeigt sich zum einen in der Ausbildungsfähigkeit des Systems. Zwei Varianten sind einfacher zu erklären, als vier Varianten. Gleichsam sind sie vom Auszubildenden schneller zu verstehen. Die erworbenen Fertigkeiten lassen sich des Weiteren mit wesentlich weniger Trainingsaufwand aufrechterhalten.
Da das System keine visuelle Störungs-Diagnose voraussetzt, sondern einfach nur stumpf eine bzw. zwei Störungsbeseitigungsroutinen abgearbeitet werden müssen, funktioniert das System auch bei kompletter Dunkelheit.
Die erforderlichen Waffenmanipulationen sind dabei so ausgelegt, dass eine größtmögliche Universalität eintritt. Alle Handgriffe sind Pistolenmodell unabhängig anwendbar.
Alle Handgriffe entsprechen einem grobmotorischen Bewegungsansatz und bleiben somit auch noch bei Kälte oder im Zustand von hoher körperliche Belastung und Angst durchführbar.



Unmittelbare Störungsbeseitigung
Typischer Indikator für eine Waffenstörung ist das Klick; das lauteste Geräusch, das es gibt, wenn man ein Bumm erwartet. Dem Klick folgt unmittelbar die erste Beseitigungsroutine, weshalb diese Waffenmanipulation auch unmittelbare Störungsbeseitigung genannt wird. Der Schütze bringt die Pistole zurück in die sog. Nachladeposition, schlägt mit der Unterstützungshand auf das Magazin und repetiert den Verschluss. Etwa 80% aller Störungen lassen sich so beseitigen. Zeitansatz unter einer Sekunde. Die unmittelbare Störungsbeseitigung endet, indem die Waffe wieder in Anschlag gebracht wird und sofern das die Situation erfordert, ein Folgeschuss abgegeben wird.

Erweitertet Störungsbeseitigung
Führt die unmittelbare Störungsbeseitigung nicht zum Erfolg, d.h. es bricht immer noch kein Schuss, geht der Anwender über zur erweiterten Störungsbeseitigung. Die erforderlichen Handgriffe sind hierbei umfangreicher. Zwar ließen sich die Handgriffe Pistolenmodell abhängig reduzieren, diese Spezifikation würde jedoch die Universalität des Systems einschränken. Universell anwendbar ist folgender Ablauf:
Der Verschluss der Pistole wird mittels Schlittenfanghebel arretiert. Das Magazin wird entfernt (und wenn immer möglich am Körper verstaut). Der Verschluss wird mehrmals repetiert, um den Störungsverursacher aus der Waffe zu entfernen. Das ist der wesentliche Teil dieser Prozedur. Im Anschluss daran wird, sofern vorhanden, ein neues Magazin in die Waffe eingeführt, der Verschluss repetiert und weiter geschossen, sollte das die Situation erforderlich machen. Ist kein neues Magazin verfügbar, muss das Magazin verwendet werden, welches während der Störungsbeseitigung entnommen und gesichert worden ist.


Pufferpatronen sind als originales Glock-Zubehör erhältlich. 50 Stück für etwa 30 Euro


Hilfsmittel
Sinnvolles Zubehör zum Training im nicht-diagnostischen System können sog. Pufferpatronen (engl. Dummy Rounds) sein. Diese sind bspw. als originales Glock-Zubehör erhältlich.
Empfehlenswert ist die Verwendung von Kunststoff-Pufferpatronen, da diese in der Anschaffung günstiger sind (50 Stück ca. 30 Euro). Insbesondere die Glock-Pufferpatronen sind derart widerstandsfähig gegen Abnutzung, dass Pufferpatronen aus Messing keinen nennenswerten Vorteil bieten. Ein Schwund entsteht eher durch Verlust und weniger durch Verschleiß. Oftmals werden heraus repetierte Dummy Rounds auf dem Schießstandboden nicht wiedergefunden.
Im Training werden pro Magazin willkürlich ein bis zwei Pufferpatronen mit aufmunitioniert. Im Schießbetrieb werden die „Dummies“ eine Störung verursachen, die vom Anwender diagnosefrei zu beseitigen ist.
Dummy-Rounds vom US-amerikanischen Markt sind nicht annähernd so widerstandsfähig, wie die Glock-Pufferpatronen. Relativ schnell brechen unter der Einwirkung der Ausziehkralle Teile des Hülsenbodens ab. Was im Training wiederum völlig andere Störungsmuster erzeugen kann. Wenn aufgrund zu hohen Verschleißes die Pufferpatrone mittels Beseitigungsroutine überhaupt nicht mehr aus dem Patronenlager entfernt werden kann, wird das Training spätestens unrealistisch.



Störungstypen
Auch wenn die vier Störungstypen für die Arbeit im nicht-diagnostisches System belanglos sind, kann die Kenntnis dieser Störungstypen hilfreich sein, um bei immer wiederkehrenden Waffenstörungen bspw. technische Probleme an der Waffe einzugrenzen oder zu analysieren.


Zum Training sollten pro Magazin zwei Pufferpatronen willkürlich mit aufmunitioniert werden

 
Service
Das nichtdiagnostische System der Störungsbeseitigung ist Lehrinhalt der Pistolenkurse Surgical Speed Shooting sowie Robust Pistol Management bei Akademie 0/500
Surgical Speed Shooting 



Sonntag, 15. Oktober 2017

0/500 Flintenkurs


Das Kursprogramm für den neuen Flintenkurs steht. Für den Ein-Tages Kurs werden etwa 100 Schuss benötigt. 50 Stück Postenschrot und 50 Stück Flintenlaufgeschosse.
Derzeit sind noch einige Plätze für die angesetzten Kurse im Januar und März frei.



Heusenstamm, 20. Januar 2018: 1 Platz
Heusenstamm, 21. Januar 2018: 1 Platz ausgebucht
Bocholt, 17. März 2018: 1 Platz ausgebucht
Bocholt, 18. März 2018: 4 Plätze

Terminliste und Anmeldung: http://0-500.org/page.php?al=Termine 



Freitag, 13. Oktober 2017

Bewaffnete Konfrontationen

 

Bewaffnete Konfrontationen ereignen sich plötzlich und nahezu immer aus dem Hinterhalt. Die Frage ist nur, auf welcher Seite des Hinterhalts man dabei selbst steht. Ein Privatier, der eine Schusswaffe zum Selbstschutz trägt, wird nur selten einen Hinterhalt legen. Somit ist seine Rolle vorbestimmt: Er hat auf einen Hinterhalt zu reagieren


Das eigene Training hierfür besser zu strukturieren, kann durch Fallanalysen unterstützt werden. Fallanalysen zeigen mitunter, dass im Training falsche Prioritäten gesetzt werden und wertvolle Ausbildungszeit mit Elementen verschwendet wird, die in der Realität zu vernachlässigen sind.
Dieser Beitrag greift auf eine Datenbasis zurück, die von zwei US-Amerikanern erstellt wurde und seit mehreren Jahren im Umlauf ist.

 


30 Überwachungsvideos, auf denen bewaffnete Konfrontationen festgehalten sind, wurden auf 14 Merkmale hin analysiert:

Merkmale:
Ort
Zivilperson oder Einsatzkraft (Polizist)
Angriffsrichtung
Distanz zum Angreifer
Anzahl der Angreifer
Gesamtdauer der Konfrontation
Verdeckter Ziehvorgang
Zeitversetzter Ziehvorgang
Schießen aus der Bewegung
Nutzen von Deckung
Einhändiges / Beidhändiges Schießen
Nahkampf / Körperkontakt während der Konfrontation
Verwundungen beim Verteidiger
Enderfolg

Nachfolgend soll die Analyse in Kurzform wiedergegeben werden. Im Original und vollständig kann der Beitrag hier eingesehen werden: http://www.tierthreetactical.com/11-research-based-concealed-carry-tips/

Ort
Die meisten Videos zeigen öffentliche Plätze oder Gebäude, wie Tankstellen, Läden oder Restaurants. Das ist statistisch belanglos, da eine Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen sehr häufig ist.

Angriffsrichtung
Die meisten Angriffe (ca. 2/3) ereigneten sich von vorn oder seitlich. Nur ein Drittel aller Angriffe erfolgten von hinten (Sechs Uhr) und führten sehr oft zu schwereren Verletzungen beim Verteidiger.

Distanz zum Angreifer
Drei Meter. Nur in wenigen Videos war es wesentlich mehr bzw. wesentlich weniger.

Anzahl der Angreifer
Es bestätigt sich die Theorie, dass es nur selten ein Angreifer ist. In den meisten Videos waren es zwei Angreifer. In einigen sogar drei bis vier.

Gesamtdauer der Konfrontation
20 Sekunden oder weniger. Bei einigen Konfrontationen dauerte es 26 Sekunden vom ersten bis zum letzten Schuss.

Verdeckter Ziehvorgang / Zeitversetzter Ziehvorgang
In fast drei Viertel aller Szenarios wurde die Waffe durch den Verteidiger mittels einem verdeckten Ziehvorgang in Bereitschaft gebracht.
In über der Hälfte aller Szenarios wurde die Waffe durch den Verteidiger außerdem nicht sofort gezogen. Zuerst wurde die Gefahr analysiert und verifiziert. Erst danach erfolgte der Ziehvorgang; und das meistens verdeckt.
Die Ausnahme hier sind uniformierte Einsatzkräfte der Polizei.

Schießen aus der Bewegung
Ebenfalls in fast drei Viertel aller Szenarios erfolgte die Schussabgabe durch den Verteidiger aus der Bewegung heraus. Bzw. bewegte er sich zuerst und schoss dann aus verschiedenen Positionen heraus.

Nutzen von Deckung
In nur etwa einem Viertel aller Konfrontationen nutzte der Verteidiger eine Deckung. Oftmals stand keine geeignete Deckung zur Verfügung oder die Gesamtdauer war zu kurz, um eine Deckung überhaupt erreichen zu können.

Einhändiges / Beidhändiges Schießen
In etwas mehr als der Hälfte aller Videos wurde mit beiden Händen an der Waffe geschossen. Signifikant war, dass Leute mit einer Schießausbildung (Polizei und Sicherheitsdienste) eher zum beidhändigen Schießen neigten.

Nahkampf / Körperkontakt während der Konfrontation
In lediglich einem Drittel aller Fälle kam es zu Körperkontakt bzw. Nahkampf zwischen Angreifer und Verteidiger. Meist war es nur leichtes Schlagen oder der Versuch die Arme / Hände des Angreifers zu kontrollieren. In keinem der Fälle ging der Schießerei eine Schlägerei voraus.

Verwundungen beim Verteidiger
In lediglich fünf Fällen wurde der Verteidiger schwer verletzt oder getötet. Die meisten davon waren Angriffe aus dem Hinterhalt mit kaum einer Chance für den Verteidiger.

Enderfolg
Als erfolgreich bewältigte Konfrontation gilt, wenn der Verteidiger am Ende weder verwundet noch tot ist. Das betrifft über 80% der Videos. Die Publizisten der Analyse verweisen hier selbst auf die nicht repräsentative Datenmenge der 30 Videos. Videomitschnitte, auf denen der Gute am Ende stirbt, sind im Internet wesentlich seltener zu finden.



Kritische Würdigung
Lassen sich, ganz unabhängig davon, ob die 30 Videosequenzen repräsentativ sind, u.U. Regeln für das eigene Training ableiten?

Nachladen?
Die Analyse lässt sich leider nicht darüber aus, wie viele Schüsse pro Tathergang bzw. pro Teilnehmer abgegeben wurden. Bei einer Gesamtdauer von selten mehr als 20 Sekunden aber, darf unterstellt werden, dass ein schnelles Nachladen der Waffe in keinem der Szenarios entscheidend gewesen sei.

Bewegung?
Alle Szenarien waren hochdynamisch. In drei Viertel aller Videos wurde aus der Bewegung geschossen. Sollte deshalb mehr Schießen aus der Bewegung geübt werden? Nicht unbedingt. Geübt werden sollte, aus dem Stand zu treffen. Wer aus dem Stehendanschlag heraus nicht trifft, wird auch niemals aus der Bewegung heraus treffen.

Deckung?
Das Nutzen einer Deckung ist ebenfalls vernachlässigbar, weil in den meisten Fällen einfach keine Deckung vorhanden war.
Allerdings sollte man sich im Alltag eine erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit anerziehen, um evtl. Fluchtoptionen oder auch geeignete Deckungen zu erkennen. Das gleiche gilt für Gefahren auf „Sechs Uhr“.

Einhändig?
In 50% aller Konfrontationen wurde einhändig geschossen. Diesen Stellenwert sollte einhändiges Schießen auch im Training haben. Überdies sollte der Zugriff auf die Waffe auch einhändig erfolgen können


Dienstag, 10. Oktober 2017

Karbonschaft von Voere



 


Der Karbonschaft von Voere ist eine absolute Neuentwicklung, die bisher noch nicht auf dem Markt präsentiert wurde. Der Schaft ist zur Aufnahme aller hauseigenen LBW-Systeme gedacht. Er wiegt lediglich 1,2 kg und soll einen Ladenrichtpreis von etwa 940 Euro haben. Damit besteht kaum ein Preisunterschied zum derzeitig gefertigten GRS Sporter Schaft. Die Besonderheiten des Karbonschaftes sind die ambidexter angebrachten QD-Ösen zur Riemenbefestigung einmal vorn und einmal hinten. Außerdem ist der Pistolengriff AR-15 kompatibel. Das Vorserienmodell auf unserem Foto ist noch nicht der letzte Stand dieser Konfiguration. Die Voere-Mitarbeiter auf dem SMT-Workshop versicherten, dass das noch einmal „schön“ gemacht wird.
Präsentiert wurde die Neuheit auf dem 3. SMT-Workshop in Marienberg. Mit einer Markteiführung wird zur IWA 2018 gerechnet.

Mehr dazu in Waffenkultur Nr. 36