Sonntag, 22. August 2010

Abzugskontrolle

Die meisten Fehlschüsse haben ihre Ursache in einer ungenügenden Abzugskontrolle. Das Abkrümmen wird somit zu einem sehr wichtigen Element der Schussabgabe. Der folgende Beitrag beschreibt Trainingsmethoden, welche bei regelmäßiger Anwendung die Abzugskontrolle nachhaltig verbessern werden.


Trockentraining
Trockentraining sollte fester Bestandteil im Ausbildungskonzept sein. Trockentraining zur Verbesserung der Abzugskontrolle beschränkt sich dabei auf das Abkrümmen ohne Schussabgabe. Der Schütze stellt zu Übungsbeginn Sicherheit an der Schusswaffe her und überzeugt sich noch ein weiteres Mal, dass sich weder ein Magazin in der Waffe noch eine Patrone im Patronenlager befindet.
Zum Üben geht der Schütze in Anschlag, stellt sein Visierbild her, findet einen Haltepunkt und betätigt den Abzug. Wichtig ist: Das Visierbild darf beim Abkrümmen nicht gestört werden. Wackelt das Visierbild oder geht gar der Haltpunkt verloren, liegt eine schlechte Abzugskontrolle vor und der Schuss wäre „verrissen“ gewesen.
Der Bestand des Visierbildes ist wichtigstes Kontrollelement beim Trockenüben.
Bei dieser Übung kann zusätzlich eine leere Patronenhülse auf den Schlitten bzw. auf das Korn der Pistole gestellt werden. Die Hülse darf während des Trockenabkrümmens nicht herunterfallen.
Anwender von Double-Action Waffen sollten mit dieser Methode vorrangig auch das Betätigen des (schweren) Double-Action Abzugs trainieren.



Ball & Dummy Drill
Der Ball & Dummy Drill wird im scharfen Schuss ausgeführt. Ein Trainingspartner präpariert die Waffe so, dass der Schütze nicht weiß, ob sie geladen ist oder nicht. Der Partner übergibt die Waffe mit unbekanntem Ladezustand an den Schützen. Dieser versucht in Nahdistanz ein entsprechend kleines Ziel zu treffen. Üblicherweise wird diese Übung auf eine Entfernung von drei bis vier Metern geschossen. Als Ziel dienen Punkte mit einem Durchmesser von ein bis zwei Zoll.
Bricht ein Schuss, sollte der Treffer im Punkt liegen. Bricht kein Schuss, sollte sich die Waffe beim Abkrümmen nicht bewegt haben. Das zu beobachten ist Aufgabe des Trainingspartners. Hat der Schütze beim Abkrümmen „gemuckt“ (lies: Den Punkt nicht getroffen oder ein Zucken der Waffe beim Trockenabkrümmen), entlädt der Schütze seine Pistole und vollzieht unmittelbar nach dem Fehlschuss fünf Mal ein ruckfreies Trockenabkrümmen. Dieses Prozedere wiederholt der Schütze nach jedem Fehlschuss. Er bestraft sich so zu sagen für jeden Fehlschuss selbst und versucht seinem Zeigefinger einen korrekten Bewegungsablauf anzukonditionieren. Um sowohl Spaß als auch Trainingseffekt zu steigern, kann diese Handlungsroutine auf den jeweiligen Trainingspartner mit ausgedehnt werden. Das heißt, produziert Partner 1 einen Fehlschuss oder ein Mucken, entladen Partner 1 und 2 ihre Waffen und vollziehen jeweils fünf saubere Trockenabschläge.

Ball & Dummy Drill mit Zeitlimit
Der Schwierigkeitsgrad dieser Übung lässt sich durch das Einbinden der Messgröße Zeit steigern. Bisher war es einzig dem Schützen überlassen, wann er den Abzug betätigen wollte. Bei dieser Übungsergänzung wird der Druck etwas erhöht, indem der Abzug innerhalb einer Vorgabezeit betätigt werden muss. Nach wie vor wird die Waffe durch den Trainingspartner präpariert und der Schütze hat keine Gewissheit über den Ladezustand. Der Schütze geht in Anschlag und wartet auf das Feuerkommando, welches ihm mittels Timer gegeben wird. Der Timer wurde mit einer Splitzeit von komfortablen zwei Sekunden programmiert. Innerhalb dieses Zeitfensters muss der Abzug betätigt werden. Auch hier sollte der Treffer wieder im Punkt sein bzw. die Waffe beim Abschlagen nicht mucken. Tut sie das doch, entladen beide Partner ihre Waffe und vollziehen wieder fünf Trockenabschläge ohne Zeitlimit.

Ball & Dummy auf Kommando
Eine weitere Steigerung erfährt der Ball & Dummy Drill durch das „Schießen auf Kommando“. Jetzt steht kein Zeitfenster mehr zur Verfügung, sondern das Abkrümmen hat unmittelbar beim Ertönen des Timersignals zu erfolgen.


Fazit
Selbst erfahrene Schützen werden bei diesen Übungen Defizite in Bezug auf ihre Abzugskontrolle feststellen. Wichtiges Element ist die „unmittelbare Selbstbestrafung“ durch fünf Mal trocken Abkrümmen. Diese Sequenz ist ohne Zeitdruck und mit größter Sorgfalt auszuführen. Sie dient der positiven Konditionierung des Abzugsfingers nachdem ein falscher Bewegungsablauf erkannt wurde.
Das aus dem Schießsport bekannte „Leerabschlagen“ ist grundsätzlich zu unterlassen. Oftmals wird es als eine mehr oder weniger unbewusste Handlung nach der letzten Schießübung vollzogen. Streng genommen führt es aber zu einer Fehlkonditionierung des Abzugsfingers, bei der die oben genannten Elemente des Trockentrainings (Anschlag, Visierbild, Haltepunkt und konzentriertes Abkrümmen) vernachlässigt werden. Darüber hinaus ist das „Leerabschlagen“ die letzte Trainingseinheit des Tages. Sie hat somit erheblichen Einfluss auf die Konditionierung des Abzugsfingers.

Kommentare:

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    Mfg

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