Mittwoch, 14. August 2019

Flinte Homedefense mit Akademie 0/500®


Die Flinte als Interaktionsmittel mit meiner Umwelt: Der zweitägige Kurs Flinte Homedefense mit Akademie 0/500® setzt neue Maßstäbe im Bereich des robusten und effizienten Umgangs mit dem Werkzeug Flinte



Von Arne Mühlenkamp

85 Prozent aller Einsatzszenarien mit Flinten sind nach zwei Schuss beendet. Das stimmt hoffnungsvoll. Eine möglichst große Magazinkapazität ist demnach kein Kaufkriterium für Flinten zur Heimverteidigung. Am Ende reicht sogar eine Doppelflinte als typische Vertreterin der Generation 1 unter den Flinten. Auch der Zweitageskurs Flinte Homedefense ließe sich mit einer Doppelflinte absolvieren. Entsprechenden Nachladefleiß des Anwenders vorausgesetzt.
Um ein Vielfaches einfacher gestaltet sich die Kursteilnahme jedoch mit einer Repetierflinte (Vertreterin der Generation 2). Repetierflinten sind grundsätzlich simpel in ihrer Handhabung, verdauen alle Munitionssorten und selbst Röhrenmagazine, die nicht über die volle Länge des Laufs reichen, bieten mehr Kapazität als die zwei Schuss einer Doppelflinte. Bei großer Realitätsnähe im Kurs zeigt sich, dass eine Magazinkapazität von vier bis fünf Patronen für alle Übungen ausreichend ist.
Beliebt, allerdings nicht immer mit einem Zusatznutzen verbunden, sind Selbstladeflinten mit Röhrenmagazin (Generation 3). Der Anwender erhofft sich gemeinhin einen Vorteil aufgrund der Selbstladefunktion. Erkauft wird dieser vermeintliche Vorteil mit zusätzlichen Funktionsteilen, die ihren Dienst versagen können, mehr Ausbildungsaufwand erfordern und damit der Anwenderfreundlichkeit entgegenstehen. Nicht nur in Stresssituationen, wie sich immer wieder zeigt.

Die Größenangaben von Buck-Shot auf einer Federal Verpackung. Im Einsatz (und beim Training) sollte immer zur Körnung 00- oder 000- gegriffen werden


Ladetätigkeiten
Wie bei Kursmodulen von 0/500® üblich, müssen auch beim Flintenschießen alle Schießtechniken und Waffenmanipulationen einem robusten Anspruch genügen. Das heißt, sie müssen einfach erlernbar sein; das spart Ausbildungszeit. Sie müssen universell einsetzbar sein; das reduziert die Komplexität, aus mehreren Techniken auswählen zu müssen. Vor allem aber bedeutet robust, auch noch bei Dunkelheit, bei Kälte, unter Zeitdruck sowie dem Einfluss von Angst einsatzfähig zu bleiben. Dieser Ausbildungsansatz zeigt sich bspw. bei Ladetätigkeiten. Es ist grundsätzlich nicht sinnvoll, eine Schrotpatrone zum Nachladen lediglich mit zwei Fingern zu halten. Die Schrotpatrone sollte zum Nachladen schon in der Vorratstasche mit der Faust gegriffen werden und in der Faust zum Nachladeschacht geführt werden.

Eine einfache Büchsenvisierung auf dem Lauf reicht für die meisten Einsatzzwecke aus. Riemenaufnahme per Fallschirmschnur oder über eine CNC-gefräste Öse: Das bleibt dem Anwender freigestellt


Repetiervorgang
Während der gesamten Ausbildung wird immer darauf geachtet, den Repetiervorgang mit Vorderschaftrepetierflinten zu einem festen Zeitpunkt im Ablauf der vier Grundfertigkeiten zu implementieren. Der Repetiervorgang wird unmittelbar nach der Schussabgabe bei hinten gehaltenem Abzug eingeleitet. Ist das Repetieren abgeschlossen, wird ein Trigger Reset durchgeführt. Mit dieser Technik verbessert der Flintenschützen einerseits seine Abzugskontrolle. Anderseits macht er das Nachladen seiner Repetierflinte zu einem festen Bestandteil der Schussabgabe und damit zu einer Gewohnheit. Das Ziel ist auch hier, seine eigene Waffe immer in Feuerbereitschaft zu halten.

Wirkungszonen: Die gewünschte Wirkungszone B beginnt bei der Mossberg 590 A1 bei Verwendung von GECO Postenschrot bei sieben Meter und endet bei etwa zwölf Meter


Wirkungszonen
Mit der Wirkungszonenmethode wird die Streuung der Posten in die Zonen A oder B bzw. C klassifiziert. Zone A beschreibt eine faustgroße Streuung. Zone C beschreibt die Streuung, wenn einzelnen Posten ein A4-Blatt nicht mehr treffen. Zone B liegt dazwischen und bedeutet die optimale Einsatzzone für eine Flinte.
Das Bestimmen der Wirkungszonen nimmt bei Flintenkursen von Akademie 0/500 einen relativ breiten Raum im Lehrplan ein. Zu Recht. Die effektive Einsatzdistanz seiner Flinte in Verbindung mit der favorisierten Schrotsorte zu kennen, ist absolutes Basiswissen des Flintenanwenders. Die primäre Einsatzmunition für Flinten ist Postenschrot. Der Anwender sollte hier immer zur größten Körnung greifen. Das sind je nach Hersteller acht oder neun Millimeter, bzw. im US-amerikanischen Sprachgebrauch die Größe 00-Buck oder 000-Buck.
Des Weiteren ist es für den praktischen Einsatz unabdingbar, zu wissen, ab welcher Schussdistanz die Streuung so groß wird, dass ein oder mehrere Posten die Zielgröße von etwa 20 mal 30 Zentimeter nicht mehr sicher treffen. Der Tipp für Teilnehmer ist, die Postenschrot Laborierung zum Kurs mitzubringen, die auch im Einsatz Verwendung finden soll. Hier der preisgünstigen Kaufempfehlung des Händlers zu folgen, entpuppt sich meist schon während des Kurses als grober Fehler.



Munitionswechsel
Immer wiederkehrender Ausbildungsinhalt ist auch der Wechsel der Munitionsart – von Schrot auf Flintenlaufgeschoss und zurück. Nach der Prämisse „eine Flinte ist kein Gewehr“ wird grundsätzlich eine höchstmögliche Feuerbereitschaft mit Posten umgesetzt. Sollte die Entfernung jedoch außerhalb der möglichen Einsatzdistanz liegen (Wirkungszone C), ist ein schneller Wechsel der Munitionssorte unabdingbar. Dabei wird lediglich ein Flintenlaufgeschoss zugeführt und verschossen, hat der Schütze nicht getroffen wiederholt er den Vorgang. Patronenzählerei ist keine robuste Option. Am Ende folgt der gesamte Kursinhalt einer Leitlinie: Den größten Vorteil der Flinte (Streuung) gilt es voll auszuspielen.

Nach drei Ladungen Buck-Shot würde nicht nur ein Poloshirt unmotiviert rumhängen


Waffenwechsel und Supine
Der Vormittag des zweiten Kurstages ist für die Teilnehmer besonders fordernd. Die Ausbildung findet an verschiedenen Stationen statt, an denen insgesamt vier Themen besprochen werden: Der Waffenwechsel von Flinte zu Pistole, das Schießen aus Rückenlage; sog. Position Supine, das Nutzen bzw. Nehmen von Hausecken sowie der Flintenschuss in absoluter Nahdistanz. Diese Themenkomplexe von jeweils 30 bis 45 Minuten sind sehr kompakt. Die Teilnehmer benötigen nicht nur eine hohe Auffassungsgabe, sondern auch solide Vorkenntnisse im sicheren Umgang mit Schusswaffen insbesondere der Pistole. Außerdem kostet das Schießen aus Rückenlage mit einer Flinte etwas Überwindung.

Eine schnöde Umhängetasche, die bis zu 20 oder 25 Postenschrot Kartuschen fasst, kann griffbereit gelagert werden. Auch direkt neben der Flinte, wenn es die Gesetzeslage zulässt


Munitionsträger
Der Zubehörmarkt bietet eine Vielzahl an Vorratsbehältnissen für Flintenmunition. Gürtel oder Gewehrriemen mit Patronenschlaufen oder Patronenclips, Chest-Rigs mit zum Teil sehr durchdachten Details, Schrotpatronen-Caddies als Paddle-Holster oder Munitionshalterungen direkt am Gehäuse oder Schaft der Flinte.
Was sich während des zweitägigen Kursprogramms auffallend gut bewährt hat, ist die Hosentasche. Voraussetzung für einen Munitionsträger ist, dass Flintenlaufgeschosse und Postenschrot getrennt voneinander geführt werden können. Anstatt teure Ausrüstung zu beschaffen, entschieden sich im Kurs mehrere Teilnehmer zum Kauf einer zivilen, kleinen Umhängetasche, die groß genug ist, um etwa 20 Buck-Shot Patronen aufnehmen zu können. 

Im Kunststoffschaft einer Mossberg 500 / 590 können zusätzlich zweimal zwei Flintenlaufgeschosspatronen für den schnellen Munitionswechsel untergebracht werden


Bedienkonzept Mossberg
Repetierflinten des Herstellers Mossberg zeigten im Kurs Handhabungsvorteile. Zum einen besitzt der Ladeschacht keinen Ladelöffel. Patronen lassen sich dadurch einfacher in das Röhrenmagazin drücken. Der Bewegungsablauf für ein direktes Entladen aus dem Röhrenmagazin heraus, ist somit ebenfalls leichter zu bewerkstelligen. Der Sicherungsschieber einer Mossberg ist ergonomisch sinnvoll auf dem Gehäuse platziert und kann mit dem Daumen bedient werden. In einigen Ausführungen besitzt der Kunststoffschaft links als auch rechts zwei Öffnungen, in die jeweils zwei Reservepatronen geschoben werden können. Je nach Einsatzkonzept bietet es sich an, diese Reservehalter mit Flintenlaufgeschossen zu bestücken und 00-Buck-Shot in einer kleinen Umhängetasche mitzuführen.
Die Büchsenvisierung der Mossberg 590 A1 hat sich im Kurs außerordentlich gut bewährt.

Die Mossberg besitzt keinen Ladelöffel. Patronen lassen sich dadurch einfacher ins Röhrenmagazin drücken


Das Patronenlager
Das Patronenlager der meisten modernen Flinten ist für das Kaliber 12/76 ausgelegt. Die Zahl 76 gibt dabei die maximale Länge der Kartusche nach dem Abschuss an. Werden aus einer Flinte überwiegend kürzere Ladungen (12/60 oder 12/65 oder ähnliches) verschossen, setzt sich im vorderen Bereich des Patronenlagers, welcher nicht durch die Kartusche belegt ist, Pulverschmauch ab. Diese Schmauchablagerungen führen regelmäßig zu Funktionsstörungen, wenn einsatzbedingt wieder längere Ladungen verschossen werden müssen. Die Hülse wird nach dem Abschuss nicht ausgezogen, weil sie im Patronenlager durch den Pulverschmauch verklebt. Der Anwender sollte das Patronenlager seiner Flinte regelmäßig mit einer Patronenlagerreinigungsbürste säubern.

Kürzere Ladungen (12/60 oder 12/65 oder ähnliches) führen zu Schmauchablagerungen im Patronenlager. Funktionsstörungen beim Verschuss von längeren Ladungen können die Folge sein


Zugangsvoraussetzungen
Eine erfolgreiche Teilnahme am Kurs Pistole 1 ist unabdingbare Zugangsvoraussetzung. Die partiellen Lehreinheiten für Pistole in diesem anspruchsvollen 2-Tageskurs sind ohne vorherige Ausbildung nicht nutzenstiftend zu bewältigen.
Die vorherige Teilnahme am eintägigen Kurs „Flinte“ ist sehr empfehlenswert.
Der Munitionsansatz für beide Tage beträgt einhundert Schuss Postenschrot, einhundert Schuss Flintenlaufgeschoss sowie einhundert Schuss Pistole.


Die Büchsenvisierung der Mossberg 590 A1 liefert gute Treffer bis 50 Meter. Munition GECO Flintenlaufgeschoss


Fazit
Die Lehrinhalte des Flinte Homedefense suchen in Europa ihresgleichen. Der Kurs steht denen von US-Größen, wie Tactical Response oder des verstorbenen Altmeisters Louis Awerbuck in nichts nach. Die Teilnehmer lernen alles, was man für den Umgang mit einer Flinte im Heimgebrauch wissen muss.

Termine 2022
Der Kurs Flinte Homedefense findet mindestens zweimal pro Jahr statt. Die nächsten Termine sind für Mai 2022 geplant. Austragungsorte sind entweder die Schweiz oder Tschechien.
https://0-500.org/page/Termine 


Donnerstag, 8. August 2019

Glock 19X: 2.500 Schuss später


Die „Neunzehn Crossover“ absolvierte zwischen März und Juli 2019 etwa 2.500 Schuss. Die Pistole arbeitet dabei zuverlässig und präzise. Der weiteste Treffer konnte auf 125 Meter generiert werden



Seit ihrer Erstvorstellung in Ausgabe 45 erhöhte sich die Schussbelastung der Glock 19X auf 2.500 Schuss. Wie angekündigt durchlief die Waffe dabei auch ein Intervall von annähernd 2.000 Schuss ohne Zwischenreinigung. Grundsätzlich ist es nicht erstrebenswert, eine Gebrauchswaffe mit derart großzügigen Reinigungsintervallen zu malträtieren. Die Aussagekraft solcher Versuche ist bestenfalls populärwissenschaftlich. Dennoch; eine Glock Pistole verdaut auch das problemlos. Darüber hinaus gehört es zum Konzept von Waffenkultur, Geräte einem Langzeittest zu unterziehen und nicht bloß eine für Anwender wenig aussagekräftige „Produktvorstellung“ zu publizieren.



Wider dem Schützenvereinsklamauk
Die Vorurteile, die einer Glock a priori entgegen gebracht werden, sind allgegenwärtig, werden durch permanentes Wiederholen aber auch nicht wahrer: „Glock Pistolen sind Gebrauchswaffen und daher unpräzise.“ „Der Abzug einer Glock ist für das Präzisionsschießen nicht geeignet.“ „Die vergleichsweise kurze Visierlinie der Glock 19 bringt Präzisionsnachteile.“ Der Ursprung solcher Binsenweisheiten liegt meist im Schützenverein oder am Stammtisch.
Im Praxistest jedoch kann die Glock 19X alle Bedenken mühelos beseitigen. Aus fünf Meter Entfernung schießt die Waffe eine Loch-in-Loch-Gruppe, die sich mit dem Daumen abdecken lässt. Schießposition: Stehend beidhändig wohlgemerkt. Auf 125 Meter liefert die 19X trotz ihrer „kurzen Visierlinie“ reproduzierbar Treffer auf ein Zielmedium der Standardgröße 45x75 Zentimeter. Das Ganze bei einem nicht zu unterschätzenden Seitenwind von zwei bis drei Meter pro Sekunde.



Eigenpräzision
Die erhöhte Eigenpräzision aller Glock Gen. 5 Pistolen wurde schon beim Langzeittest der Glock 17 im vergangenen Jahr offensichtlich. Auch die Glock 19X gehört zur Gen. 5 der österreichischen Waffenschmiede und verfügt daher über den so genannten Glock Marksman Barrel (GMB). Das „polygonale“ Feld-Zug-Profil, soll den Gasschlupf vermindern und trägt tatsächlich zu einer Präzisionssteigerung bei, die den direkten Vergleich mit hochpreisigen Sportpistolen nicht zu scheuen braucht.
Neben diesen relativ einfachen aber dennoch bemerkenswerten Präzisionstests durchlief die 19X auch andere Standardübungen der internationalen Ausbildungsszene. Und das meist fehlerfrei. Geschossen wurde bspw. „The Test“, der „½ & ½ Drill“ oder die Übung „3/3/3/3“. Übungen, bei denen es auf schnelle Schussfolgen ankommt, denen mitunter ein schneller Ziehvorgang voraus geht. (vgl. dazu Waffenkultur Spezial 38.5 von März 2018)



Reinigung
Schwarzer Pulverschmauch auf dem edlen Goldbronze Finish einer 19X sieht nicht schön aus. Hierbei zeigt sich auch der einzige Nachteil, den eine Glock 19X hat: Der Reinigungsaufwand fällt etwas höher aus. Während bei einer schwarzen Waffe über die eine oder andere Schmauchablagerung hinweggesehen werden kann, wird jeder 19X Besitzer bemüht sein, den hellen Verschluss und Rahmen schmauchfrei zu halten.


Fazit
Wer noch keine Glock Pistole sein Eigen nennt, aber über einen Kauf nachdenkt, sollte gleich zur 19X greifen. Die Waffe besitzt einerseits natürlich alle Vorteile, die jede Glock hat. Darüber hinaus erkauft sich der Anwender den Zusatznutzen einer Stahlvisierung mit Tritiumeinsätzen, maritime Federteller sowie den nicht vorhandenen Magazintrichter.


Technische Daten
Modell: Glock 19X
Hersteller: Glock Ges.m.b.H., Österreich
Waffenart: Selbstladepistole
Kaliber: 9 mm Luger (9x19)
L x B x H: 189 x 33 x 139 mm
Lauflänge: 102 mm
Visierlinie: 152 mm
Abzugssystem: Glock Safe Action®
Abzugsgewicht: 2,2 kg
Gewicht: 625 g (ohne Magazin)

Montag, 5. August 2019

Leseempfehlung Sommer 2019


Widerworte
Gedanken über Deutschland
von Alice Weidel

Broschiert: 152 Seiten
Verlag: Plassen Verlag; 2. Auflage (2019)
ISBN-13: 978-3864706318
Preis: 14,99 Euro



„In unserem Land läuft etwas verkehrt.“, wer jeden Morgen mit diesem unbestimmten Bauchgefühl zur Arbeit fährt und dabei die erste Gehirnwäsche durch den Zwangsgebühren finanzierten Deutschlandfunk bekommt, gehört zur Zielgruppe des Buchs.
Die Gedanken, die Alice Weidel in ihrem Buch ausbreitet, sind schwere Kost und können folgerichtig zu Bauchschmerzen und Schweißausbrüchen führen. Auch Zitteranfälle sollen schon beobachtet worden sein.
Die promovierte Volks- und Betriebswirtschaftlerin orientiert sich an wissenschaftlichen Fakten und real existierenden Problemen unserer Gesellschaft, ohne parteipolitische Polemik zu betreiben. Dass Weidel gleichzeitig die Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion ist, bleibt für das Buch weitgehend nebensächlich.
Unsere Gesellschaft erlebt keine Spaltung in politisch rechts oder links, sondern eine Spaltung in rationale Logiker und ideologische Eiferer, die einer Hypermoral folgen. Gesinnungsethik triumphiert über Verantwortungsethik. Sachfragen werden nicht mehr nach rationalen Erwägungen, sondern nach moralischen Gesichtspunkten behandelt. Sogar die Nicht-Umsetzung geltenden Rechts wird moralisch begründet. Ganz individuelle, persönliche Moralvorstellungen werden dabei auf den öffentlichen, staatlichen und politischen Bereich übertragen.
Hypermoral erfordert weder Bildungsabschluss noch Leistungswille. Das Ziel der Hypermoralisten ist der Aufbau einer durchweg sozialistischen Gesellschaft. Zum Leidwesen unserer Republik ist dieses Ziel mittlerweile Konsens aller Altparteien. Alle Arten von Sozialismus haben gemein, dass man dem vermeintlich „sozial Schwachen“ soziale Gerechtigkeit verspricht, welche schon irgendwie durch Umfinanzierung und Transferleistungen geschaffen werden könne. Der Makel, den Sozialismus immer in sich trägt ist, er funktioniert erwiesener Maßen nicht.
Wer bisher nur die Vermutung hatte, dass die Merkel-Regierung unser Land seit 2015 systematisch und voller Heimtücke gegen die Wand fährt, muss sich nach der Lektüre eingestehen, keine Ahnung gehabt zu haben, wie schlimm die Lage wirklich ist und noch werden wird.
Aber; Krisen sind von Menschen verursacht und können von Menschen auch wieder gelöst werden. Allerdings nicht von Merkel und ihren Folgsgenossen. (hh)





Evolution der Erde
Geschichte des Lebens und der Erde
von Wolfgang Oschmann

Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: utb GmbH; 2. korr. Aufl. (15. Januar 2018)
ISBN-13: 978-3825248284
Preis: 24,99 Euro



Wenn man die 4,5 Milliarden Jahre Erdgeschichte auf ein Kalenderjahr projiziert, würde das erste Leben am 10. November entstehen. Beim Übergang vom Präkambrium zum Kambrium entstand erstmalig eine Erdatmosphäre, die sauerstoffhaltig genug war.
Zwischen dem 11. November und dem 28. Dezember gäbe es mindestens fünf große Massenaussterben auf unserem Planeten. Das Größte beim Übergang vom Perm zum Trias, wobei schätzungsweise 95% aller Arten vernichtet wurden. Das letzte Massenaussterben ereignete sich am Ende des Erdzeitalters der Kreide und führte zum Verschwinden der Dinosaurier. Keines dieser Massenaussterben vollzog sich innerhalb weniger Jahrhunderte, sondern vielmehr über mehrere Tausend Jahre. Ein Jahrhundert ist ein Zeitabschnitt, über den unsere Erde nur müde lächeln kann.
Massenaussterben ereigneten sich bisher in einem Rhythmus von etwa 50 bis 80 Millionen Jahren. Das letzte vor etwa 66 Millionen Jahren; es wäre also mal wieder an der Zeit… Im günstigsten Fall bleiben uns noch 14 Millionen Jahre.
Wer glaubt, er könne das Ticken der Uhr bis zum nächsten Massenaussterben verlangsamen, indem er sich mit einem Plakat vor ein Braunkohlekraftwerk stellt, dem sei dieses Buch dringend empfohlen. Es ist eine gutmenschliche Farce, dass weite Teile unserer Gesellschaft zum Homosmartphonius degenerieren, aber gleichsam vorgeben, das Weltklima retten zu wollen.
Natürlich wird die Erde untergehen. Wissenschaftlicher Konsens ist, dass dieser Untergang in etwa 500 Millionen Jahren stattfinden wird.
In unserer Projektion auf das Kalenderjahr werden dem Homosapiens übrigens am 31. Dezember die letzten zwölf Minuten vor Mitternacht zugestanden. Wir sind nichts weiter, als ein Wimpernschlag für unseren Planeten.
Der Autor Wolfgang Oschmann ist Professor der Paläontologie und lehrt an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. Das Buch ist als Lehrbuch konzipiert und kann auch zur Prüfungsvorbereitung dienen. (hh)