Während eines
Vortrags an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg wurde mir
diese Frage von einem Zuhörer gestellt. Dieser Beitrag ist der Versuch einer
Antwort.
Sicherheitserziehung
Gute Schießausbildung erkennt man vor allem daran, dass sie
sich den 4 Sicherheitsregeln nach Jeff Cooper unterwirft. Es reicht dabei
nicht, um diese Regeln zu wissen und sie herbeten zu können. Die 4
Sicherheitsregeln müssen auch gelebt werden. Mit diesen Sicherheitsregeln
verhält es sich wie mit Grundrechten: Sie gelten immer, überall und für jeden.
Das Sicherheitsprotokoll sollte der Tatsache Rechnung tragen, dass nach
Sicherheitsregel #1 alle Waffen immer geladen sind.
Insbesondere Ausbilder, mit einem (schieß-)sportlichen
Hintergrund, folgen häufig einem Sicherheitsprotokoll, wonach jede Waffe
entladen ist. Ein fataler Irrtum. Schießunfälle sind vorprogrammiert.
Konzeptioneller
Anspruch
Gute Schießausbildung sollte außerdem generisch sein und
eine systematische Weiterentwicklung der Fertigkeiten des Schützen ermöglichen.
Ohne sich dabei selbst zu widersprechen. Man sagt auch das Ausbildungskonzept
sollte einfach, unabhängig, kohärent, doktrinfrei und robust sein.
Gute Schießausbildung ist somit weder komplex noch kompliziert.
Sie ist jedem Teilnehmer mit Stift, Papier und wenigen Linien erklärbar.
Die Triangel der Schießausbildung beispielsweise, wie sie in
der Schweiz entwickelt wurde, ist eine Möglichkeit, ein vollständiges Konzept
abzubilden.

Grundfertigkeiten und
Schießtechnik
Die vier Grundfertigkeiten des Schießens sind neben der Sicherheitserziehung und
dem konzeptionellen Anspruch ein weiterer elementarer Baustein einer guten
Schießausbildung. Visierbild, Haltepunkt, Abzugskontrolle und Nachzielen sind
bei jeder Schussabgabe anzuwenden. Egal in welchem Umfeld, egal mit welchem
Waffensystem. Grundfertigkeiten ermöglichen das Treffen.
Ein Gewehrkurs sollte darüber hinaus technische Elemente enthalten, wie bspw.
das Nutzen von Referenzpunkten zwischen Mensch und Waffe. Außerdem sollten
Standardschießpositionen wie der Kniendanschlag und Liegendanschlag so
ausführlich besprochen und geübt werden, dass jeder Teilnehmer am Ende in der
Lage ist, eine stabile Schießplattform ohne Hilfsmittel, wie Zweibein oder
Sandsack aufzubauen.
Kurzum: Der Teilnehmer wird befähigt, sein Ziel zu treffen.
Das Waffensystem zum Funktionieren zu bringen und am Funktionieren zu halten,
wäre ein weiterer wichtiger Punkt. Laden, Entladen und Störungsbeseitigung
fallen in den Bereich der Handhabung. Gute Schießausbildung greift hier auf ein
Baukastensystem zurück, indem möglichst viele Manipulationen an der Waffe mit
demselben oder einem sehr ähnlichen Bewegungsablauf ausgeführt werden können.
Ebenso gehört das Vermitteln einer Methode, zum effizienten Einschießen einer
Langwaffe zum Bereich „Handhabung“ und sollte Bestandteil guter
Schießausbildung sein.
Der Ausbilder
Neben den Lehrinhalten des Kurses sollte auch der Ausbilder hinterfragt werden.
Mit wem hat der Ausbilder trainiert? Welche Referenzen hat er? Was vermittelt
er? Wo wurde er zum Ausbilder ausgebildet? Auf diese Fragen muss ein Ausbilder
Rede und Antwort stehen können. Die Frage danach, welche Lehrmeinung er
vermittelt, sollte der Ausbilder ebenfalls beantworten können.
Erntet man stattdessen nur erstaunte Blicke oder den Lapidarsatz: „Ist doch
egal. Hier geht es ums Treffen.“, sollte vom Kursbesuch Abstand genommen
werden.
Hat der Ausbilder keine anderen Referenzen als ein paar gewonnene
Schießsportwettkämpfe, ist es mit einem allgemeingültigen System der
Waffenhandhabung auch nicht weit her. Hier sind allerhöchstens spezifische
Wettkampftipps zu erwarten, die für die Masse der Endanwender von keiner
Relevanz sein dürften.
Auch die ehemalige Zugehörigkeit des Ausbilders zur
Spezialeinheit XYZ ist kein Garant für gute Schießausbildung. Mangelt es doch
bei diesem Personal meist an Referenzen oder individuellen
Weiterbildungsmaßnahmen.
Referenzen und
Weiterbildung
Referenzen von Kursteilnehmern sind ein guter Anhalt aber
nicht das Maß der Dinge. Welche Referenzen erhält der Ausbilder von anderen
Ausbildern? Hat er die überhaupt?
Die persönliche Weiterbildung muss für jeden Ausbilder im
Vordergrund stehen. Kursbesuche bei anderen Lehreinrichtungen sollten
regelmäßig erfolgen. Schießausbilder sein ist kein Ziel, sondern ein Weg.
In der Realität angekommen
Ausbildungszeit ist immer eine knappe Ressource. Sie muss daher möglichst
effizient genutzt werden. Ein Privatier hat im Monat mitunter nur eine, maximal
ein paar Stunden Zeit für den Schießstandbesuch. Angehörige von Spezialeinheiten
haben noch andere nicht unwichtige Sachen zu trainieren: z.B. Sprachen,
Kommunikation, Medic, Taktik und Nachtoperationen und immer öfter auch die
Rolle als Risk Manager oder Advisier. Für sie ist Schießen das kleine
Einmaleins und bisweilen nicht einmal eine direkt missionsrelevante Fähigkeit.
Gute Schießausbildung sollte diesen Aspekten Rechnung tragen.